Englisch und Mathe auf See Harener entwickeln Nachhilfekonzept „Learning on Ship“


Haren. Die Harener Mark Rolfes und Jan Dickebohm haben das Lernprojekt „Learning on Ship“ (LOS) erarbeitet, das Schülern gemeinsames Lernen bei einem siebentägigen Törn über das Ijsselmeer auf einem Großsegler bietet. Aus dem Emsland, aus Ostfriesland und dem Raum Oldenburg büffelten so 20 Schüler in den Osterferien auf See und schwankenden Decksplanken.

Nachhilfe in Mathematik, Deutsch oder Englisch ist bei Schülern nicht gerade der große Hit. Neu bei diesem Konzept ist die Verknüpfung klassischer Schulkernfächer mit praktischer Arbeit an Bord eines Schiffes.

Mark Rolfes ist Lehrer an der Oberschule in Werlte. Als Ausbilder für den Erwerb der Führerscheine „See und Binnen“ ist er auch als C-Trainer für die Ausbildung von Jugendlichen im motorisierten Wassersport aktiv. Jan Dickebohm ist beruflich in der Binnenschifffahrt zu Hause. Er hat alle Berufspatente inne und kennt als Schiffsführer die europäischen Wasserstraßen wie seine Westentasche. Auch er ist als C-Trainer für den motorisierten Wassersport und als Praxisausbilder für den See- und Binnenbereich tätig. Beide sind in Harener Familien aufgewachsen, die immer mit der Schifffahrt verbunden waren.

Worin der Unterschied zu den üblichen Nachhilfestunden liegt, erklären Rolfes und Dickebohm im Gespräch mit unserer Zeitung: „Neben den Nachhilfestunden, die durchaus Spaß machen sollen, werden durch die Arbeitsteilung beim Bordleben zwangsläufig soziale Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Selbstständigkeit, Verantwortung, Zuverlässigkeit und Durchhaltevermögen erworben.“

Backschaft, Kreuzpeilung, Backbord und Steuerbord: Um diese und andere Begriffe ging es dann auch bei der ersten „Learning on Ship“ -Tour an Bord der „Dageraad“.

Neben Klarschiffmachen und Deckdienst gab es natürlich den anderen wichtigen Programmpunkt an Bord: das Lernen. Täglich vier Stunden Unterricht in den Fächern Deutsch, Mathe und Englisch. Allerdings ohne schroffe Theorie, dafür mit viel Praxis. Die Schüler waren rundum begeistert: „Wir mussten in englischer Sprache auf dem Wochenmarkt einkaufen, Kurs und Geschwindigkeit ausrechnen oder das Logbuch führen.“

Theorie wurde somit angewendet. „Das motivierte die Schüler, und sie haben den Unterricht als wichtig und notwendig angesehen, um die Aufgaben am Nachmittag praktisch zu meistern“, erläutert Mark Rolfes.

Die Begeisterung der Kinder und Jugendlichen drückte sich auch in einem Bordbuch aus, das die Deutschgruppe geschrieben hat. Darin berichten Sarah, Dominik, Lukas, Justus und Jakob etwa von den vielen Händen, die in Windeseile Proviant verstauen. „Zusammenarbeit ist an Bord gefragt. Da lernt man sich sehr schnell kennen“, schreiben sie am ersten Tag in das Bordbuch. „Geweckt wurden wir durch das Getöse einer schweren Schiffsglocke. ,Reise Reise! Schiff aufsteeeeehn!!‘ So schallte es über den Flur“, lautet der erste Eintrag für den zweiten Tag. Oder: „Nun kam wohl das, was sich keiner von uns in den Ferien hat träumen lassen: Unterricht! Verteilt in der Messe in den Gruppen Deutsch, Mathe und Englisch. Aber die Atmosphäre war top! Jeder hat jedem geholfen.“

Und, dann nach sieben Tagen auf See, am letzten Tag der Eintrag: „Fordernd so eine Seefahrt, verbunden mit den vielen praktischen Aufgaben und dem Unterricht. Aber was kann man nicht alles im Team schaffen! Und jetzt fährt uns der Bus wieder in Richtung Meppen. Etwas wehleidig verabschieden wir uns vom Schiff. Auf der Fahrt beschließen wir, dass wir bei der nächsten Tour wieder dabei sind. Beim Abschied drücken wir uns. Die See hat was!“


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