Filmprojekt auf der Zielgeraden Haren: Letzte Klappe für „The last picture“



Lathen/Haren. Eine Zeit lang war es ruhig geworden um das Harener Fimprojekt „The last picture“. Aber der Eindruck täuschte: Hinter den Kulissen wurde hart gearbeitet. Am Wochenende ist nun die letzte Klappe gefallen, und zwar mit dem Theater- und Fernsehschauspieler Florian Fitz in der Hauptrolle.

Für den 47-Jährigen hätte der Kontrast kaum größer sein können: Gerade erst ist er von einem Dreh im Südpazifik zurückgekehrt, nach drei Monaten Arbeit für das ZDF-Traumschiff bei traumhaften 30 Grad Celsius. Und nun steht der Wahlberliner in Lathen-Wahn auf dem seit Jahrzehnten nicht mehr genutzten Friedhof und arbeitet bei fünf Grad und steifer Westbrise für das Independent-Projekt „The last picture“. Seit 6 Uhr morgens ist das Team vor Ort.

In dem verlassenen Dorf ist alles etwas einfacher als beim Fernsehen und dauert vielleicht ein bisschen länger. Aber für Fitz ist das kein Problem. Er nimmt die Umbaupausen des Kamerasets gerne in Kauf und zündet sich geduldig eine Zigarette nach der anderen an.

Allerdings ist das Teil seiner Rolle. Fitz spielt den erwachsenen Simon, also einen der beiden Jungen, die in dem vom gebürtigen Harener Franz Schepers und dem Wahlharener Willem-Jan van Egmond erdachten Drama um einen alten Mann ( David Gant ) eine entscheidende Rolle spielen. Fitz also sitzt in der jetzt gedrehten Filmszene auf einer Friedhofsbank und schreibt – Zigarette rauchend – seine Erinnerungen auf. Außerdem gibt er der Geschichte noch als Erzähler ihren Rahmen, wozu am Nachmittag noch ein Abstecher in den Garten Knoll in Erika auf dem Programm stand.

Drei Minuten Film sollen an diesem Samstagmorgen in Wahn entstehen – jenem Ort, der in den 1940er- Jahren von seinen Bewohnern verlassen werden musste, um dem Schießplatz Raum zu geben. Der Friedhof wirkt so verlassen, wie Schepers und van Egmond sich das gewünscht haben, auch wenn jemand ein 70 Jahre altes Grab erst vor ein paar Tagen mit frischen Blumen geschmückt hat.

Etwa 30 Filmemacher sind an diesem Tag im Team – fast alle alte Bekannte, die schon im August die damals zweiwöchigen Filmarbeiten in Haren ermöglicht haben. Der Hamburger Kameramann Sebastian Bock und sein Team zum Beispiel oder Beleuchter Tobias Bechtloff opfern ihre Freizeit für den gemeinsamen Traum, eine beeindruckende Geschichte in einen Film mit ebenso beeindruckenden Bildern umzusetzen und, das ist die Einschränkung, dabei mit vergleichsweise wenig Geld auszukommen. Denn an Enthusiasmus und Kreativität fehlt es beileibe nicht, aber die Produktion soll und muss finanziell mit einem Bruchteil dessen auskommen, was ansonsten im Film üblich ist.

Florian Fitz „hat die Story überzeugt“, sagt er. Geld habe für seine Zusage keine Rolle gespielt. „Ich arbeite ganz gerne zwischen meinen anderen Produktionen auch mal in Independent-Projekten oder in Filmen von Studenten mit. Das ist künstlerisch oftmals interessant, und hier ist das auch der Fall.“

Für „The last picture“ hatten Franz Schepers und Willem Jan van Egmond lange nach der tragenden Figur des Erzählers gesucht und waren irgendwann auf Fitz gestoßen. „Er passte genau auf die Rolle, und wir haben über seine Agentur einfach angefragt“, sagt Schepers. Fitz las das Drehbuch und sah sich den Trailer an, der seit einigen Wochen fertig ist – und war überzeugt.

Nun also fährt Kameramann Sebastian Bock immer wieder mit einem eigens installierten Schlitten nah an Fitz’ Gesicht und entfernt sich immer mehr – die Schärfe muss von Hand nachgezogen werden, und die Zigarette soll auch im zehnten Versuch in etwa an derselben Stelle brennen: keine leichte Aufgabe und entsprechend aufwendig ist der Dreh. Aber Fitz ist Profi und geduldig noch dazu – er benötigt nur wenige Anläufe, um die Szene perfekt zu spielen.

Mit dem Fallen der letzten Klappe hat die sogenannte „Post production“ begonnen, also das Schneiden des Materials, die Arbeit am Soundtrack oder die Vorbereitung der großen Premierenfeier. Denn der Termin steht praktisch fest, sagt Franz Schepers: „Wenn alles klappt, stellen wir den Film am 25. Juli im Rahmen der Harener Musiktage vor.“

Schepers ist froh, dass sich bisher rund 50 Firmen und Personen als Sponsoren für das Projekt engagiert haben.

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