Zum 100. Mal Altpapier gesammelt Seit 34 Jahren Hilfe aus Haren für Ghana

Von Heiner Harnack


Haren. Seit 34 Jahren engagiert sich der Aktionskreis Pater Hagen in Altenberge mit Altpapier- und Altkleidersammlungen, um im Norden von Ghana den Menschen in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Wasserversorgung zu helfen.

Wetters waren wieder fast 100 Helfer in Haren-Altenberge mit Lkw, Pkw und Traktoren unterwegs, um die Sammelaktion zum 100. Mal zu unterstützen. Wie der erste Vorsitzende des Aktionskreises, Hans Becker, erklärte, bedurfte es einer ausgeklügelten Logistik, um die Teilnehmer durch alle Straßen zu schicken. Auf dem Schützenplatz in Altenberge kamen die gut gefüllten Fahrzeuge fast im Minutentakt an, um die dort bereitstehenden Container und großen Lkw zu befüllen.

Becker, der schon zu fünf Besuchen in der Gemeinde Kalba vor Ort war, erklärte, dass allein im Jahr 2014 rund 56 Tonnen Altkleider und über 65 Tonnen Altpapier so zusammengekommen seien. So habe man im vergangenen Jahr mit allen Aktionen insgesamt 36000 Euro einnehmen und in das westafrikanische Land überweisen können. Kalba, so erklärte Pater Hagen, bestehe aus 64 Dörfern mit über 21000 Einwohnern. Hagen, der übrigens dem Orden der „Weißen Väter“ angehört, weiter: „Meine Schwerpunkte in der Arbeit lagen immer in der Reihenfolge: soziales Engagement mit den Schwerpunkten Gesundheit und Bildung, dann die wirtschaftliche Situation verbessern, und an dritter Stelle kam das religiöse Handeln.“

Es sei immer sehr wichtig gewesen, genau diese Strategie einzuhalten, da vor allen Dingen ohne die Gesundheit der häufig wie Sklaven gehaltenen Menschen nichts machbar gewesen wäre. „Insgesamt ist es mir dann gelungen, in all den Jahren seit 1970 28 Volksschulen aufzubauen. Zum Schluss konnten wir dann sogar ein Gymnasium gründen. Eigentlich sollte es 200 Schülern Platz zum Unterricht bieten. Mittlerweile besuchen 1450 junge Menschen die Oberschule“, erzählt der 1936 in Altenberge geborene Geistliche nicht ohne Stolz.

Große erste Pfarrei

Zudem sei es gelungen, aus einer Kirchengemeinde im Laufe der Zeit sieben zu gründen. Der Weg von Pater Hagen war übrigens nicht der sonst Übliche. Nach acht Jahren Besuch der Volksschule in Dankern begann Bernhard Hagen im Jahre 1951 zunächst eine Lehre als Maurer und Zimmermann. Erst im Alter von 22 Jahren gelang der Sprung auf das Gymnasium mit dem anschließenden Studium der Theologie.

Im Jahr 1970 überschlugen sich dann die Ereignisse, als Hagen zunächst vom damaligen Bischof Helmut Hermann Wittler in Altenberge zum Priester geweiht wurde und anschließend als Missionar nach Ghana geschickt wurde. „Meine erste Pfarrei war so groß wie das heutige Emsland“, schaut der rüstige fast 79-Jährige zurück, der immer noch mit dem Auto unterwegs ist.

Heute lebt Pater Hagen in Hörstel und pflegt immer noch seine alten Kontakte nach Afrika. Besondere Erinnerung hat der Geistliche noch an die Zeit, als er mit einem Schuldenberg von 40000 DM nach Hause kam. „Das Geld benötigten wir für die Krankenversorgung, den Aufbau von Schulen, die Beseitigung der Wasserprobleme und den Wegebau“, blickt er auf sein Wirken zurück.

„Aber meine Freunde hier in der Region halfen mir mit großzügigen Sammlungen und Spenden, und innerhalb von drei Wochen war das Konto wieder ausgeglichen.“ Inzwischen hat sich die Osnabrücker Autorin Gudrun Gundlach mit dem Leben und Wirken von Pater Bernhard Hagen befasst und steht kurz vor Fertigstellung der Biografie des Geistlichen. „Aufgrund einer Einladung eines Wanderfreundes des Heimatvereins Wesuwe kam ich in Ghana das erste Mal mit dem Wirken von Pater Hagen in Berührung und war so fasziniert von seiner Arbeit, dass ich dreimal in Ghana war, um mit Zeitzeugen zu sprechen und um ein genaueres Bild zu bekommen“, so die Osnabrückerin.

Nach eineinhalb Jahren Arbeit würden aber auch noch Sponsoren für das Werk gesucht, fügt Gundlach zum Schluss an.


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