Maritime Meile eröffnet Multimedialer Spaziergang durch Haren

Von Tobias Böckermann


Haren. Bei einer Tasse Tee entstand die Idee: Die Stadt Haren ist mit ihrer „Maritimen Meile“ um eine Attraktion reicher. Für den multimedialen Rundgang durch die Schifffahrtsgeschichte der Stadt gab es am Mittwoch bei der Eröffnung Lob von vielen Seiten.

Sie hießen Hans-Josef, Haren 76 oder Jan Laurenz und sie heißen Tanja Deymann, Karina G. oder Henrike Schepers: die Harener Schiffe. Rund 1300 Pütten, Binnen- oder Seeschiffe mag es in den vergangenen Jahrhunderten in Haren oder im Besitz Harener Eigner gegeben haben und bis heute geben. An rund 250 große und kleine Pötte, dazu an Werften und Reedereien erinnert der Heimatverein gemeinsam mit der Stadt nun mit seiner Maritimen Meile.

Auf einem Rundweg mit Zugang vom Schiffer-Ehrenmal am Schwester-Kunigunde-Platz führt der Weg am Schifffahrtsmuseum vorbei über die Mittelstraße und die Emsstraße bis zur Emsbrücke. Auf der Strecke sind 120 Stahltafeln ins Gehwegpflaster eingelassen worden. Auf ihnen stehen die Namen von Schiffen samt Baujahr oder die Namen von Reedereien unter symbolischem Anker und Steuerrad.

Jede Tafel trägt eine Nummer, anhand derer die Nutzer der Meile entweder in einer Begleitbroschüre oder sehr viel ausführlicher auf der Internetseite www.maritimemeile-haren.de Informationen über die einzelnen Schiffe, ihre Geschichte oder die ihrer Besitzer finden. Wer will, kann per Smartphone oder Tablet schon beim gemütlichen Schlendern allerhand über die Vergangenheit und Gegenwart Harens zur See und auf den Flüssen Europas erfahren.

Die Idee zu der Meile hatte Gisela Buss-Schepers bei einer Tasse Tee, die sie vor Jahren gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Heimatvereins, Uli Schepers, getrunken hatte. Die Stadt Haren war als Partner schnell gewonnen und unterstützte das Vorhaben, das vor allem durch den Verkauf der Stahltafeln an interessierte Harener Reeder finanziert werden sollte.

Dass die Mitarbeiter des Bauhofes am Ende nicht alle 259 bestellten, sondern nur 120 Tafeln in die Gehwege eingelassen haben, liegt an den Vorschriften der Gemeindeunfallversicherung. Sie fürchtete eine Rutschgefahr durch die pflastersteingroßen Tafeln und ließ nur 120 zu.

Deshalb sind die übrigen Tafeln an zwei Stellwänden montiert worden, die am Schifffahrtsmuseum stehen. Die Sparkasse Emsland engagierte sich als Sponsor, sodass eine aufwendige Internetpräsentation und eine Broschüre finanziert werden konnten.

Zur Eröffnung der Maritimen Meile dankte Bürgermeister Markus Honnigfort allen Engagierten, die die Umsetzung der Idee ermöglicht hätten. Er betonte die deutliche Aufwertung des Museums und brachte dessen mittelfristige Erweiterung zu einem Emslandmuseum ins Spiel.

Der Vorsitzende des Heimatvereins, Uli Schepers, freute sich über „Meilensteine“ für seine Stadt. Mit der multimedialen Maritimen Meile sei es gelungen, das Bewusstsein für das Alte ebenso zu pflegen, wie Neues zu entwickeln und dem etwas angestaubten Image der Heimatvereine entgegenzuwirken. „Wir sprechen gezielt auch jüngere Menschen an, Touristen ebenso wie Einheimische.“ Schepers dankte Bernd Hermes, Gerd Janzen und vor allem Reinhard Wessels für die umfangreiche Recherche und die Aufarbeitung der Geschichte, die online mehr als 2000 Fotos und viele Zusatzinformationen enthalte. Auch Schepers wünschte sich mehr Unterstützung für die Seefahrtsgeschichte durch die Aufwertung zu einem Emslandmuseum.

Der Vorsitzende des Emsländischen Heimatbundes , Hermann Bröring, gratulierte zu einer „beispielhaften Initiative.“ Das Motto der Heimatvereine „Bewahren und Gestalten“ werde hier ganz hervorragend umgesetzt, und die Meile sei von kulturhistorischer und kulturtouristischer Bedeutung. Kreisdezernent Marc-André Burgdorf war beeindruckt. „Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind hier sehenswert verbunden worden.“