Messergebnisse vorgestellt Harener Brunnenwasser mit Nitraten belastet

Wasserproben der Brunnenbesitzer nahm im Sommer Harald Gützow (l.) entgegen. Foto: Heinz-Gerd StahlWasserproben der Brunnenbesitzer nahm im Sommer Harald Gützow (l.) entgegen. Foto: Heinz-Gerd Stahl

pm/tb Haren. 164 Milligramm Nitrat pro Liter haben die Mitglieder des VSR-Gewässerschutzes bei ihren Messungen im August in Wasser aus einem privat genutzten Brunnen in Wesuwe festgestellt.

Weitere „sehr stark mit Nitraten belastete Brunnen“ stellten die Umweltschützer auch in Altenberge mit 159 Milligramm pro Liter (mg/l), in Haren mit 131 mg/l und in Emmeln mit 105 mg/l fest. Damit ist dieses Wasser nach Aussage des VSR nicht zum Trinken geeignet und es kann beim Bewässern im Garten zur Nitratanreicherung in verschiedenen Gemüsesorten kommen.

Insgesamt wurde bei der Untersuchung das Wasser aus 21 privat genutzten Brunnen im Raum Haren analysiert. Bei jeder vierten analysierten Probe lag die Nitratkonzentration demnach oberhalb des Schwellenwertes der deutschen Grundwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter.

Labormobil in Haren

Brunnenbesitzer hatten Wasser aus ihren Anlagen im Sommer zum Labormobil des VSR gebracht, das in Haren Station gemacht hatte. Nun wurden die Messergebnisse veröffentlicht.

Neben dem gesundheitlichen Aspekt der Grundwasserbelastung durch zu viel Nitrat dürfe auch der ökologische nicht vernachlässigt werden, heißt es beim VSR. Das mit Nitraten belastete Grundwasser sickere den Bächen zu und fließe dann über die Ems zur Nordsee. Dort wirke das Nitrat als Dünger und fördere das Algenwachstum.

Die Nitratauswaschung ins Grundwasser ist nach Einschätzung des VSR umso höher, je größer die Menge an Gülle aus der Tierhaltung, der Gärreste aus den Biogasanlagen oder auch aus dem zugekauften mineralischen Düngemittel sei, die auf den Feldern ausgebracht werde. Da im Emsland in den vergangenen Jahren zahlreiche Stall- und Biogasanlagen genehmigt worden seien, steige hier die Grundwasserbelastung an.

Die Ergebnisse der VSR-Grundwasseruntersuchungen auf Nitrat sind seit 1984 auf der Homepage unter www.vsr-gewässerschutz.de/44.html dargestellt. Einen Überblick liefert auch die aktuelle Nitratkarte der Gewässerschützer. Der VSR will im kommenden Jahr weitere Messungen durchführen. Brunnennutzer, die sich daran beteiligen möchten, erreichen den VSR freitags zwischen 9 und 12 Uhr unter Telefon 02831/976523.

Der Landkreis Emsland teilte auf die Frage, wie die Ergebnisse zu bewerten seien mit, das Trinkwasser, das von den Wasserversorgern zur Verfügung gestellt werde, sei nicht betroffen. Hier liege der Nitratgehalt ausnahmslos deutlich unterhalb des Grenzwertes von 50 mg/l Nitrat der Trinkwasserverordnung und sei damit gänzlich unbedenklich.

Gleichwohl sei die Kreisverwaltung der Auffassung, dass der Schutz der Umwelt und der des Grundwassers im Vordergrund stehen müssten. Mehrfach habe sich der Landkreis Emsland in seinen Gremien, unter anderem dem Ausschuss für Umwelt und Natur, mit diesem Thema befasst. Nicht nur hier sei deutlich gemacht worden, dass dieses Ziel nur nachhaltig durch ein landesweit einheitliches und schlüssiges Güllemanagement erreicht werden könne, das den Anfall und die Ausbringung von Gülle und Gärresten pflanzenbedarfsgerecht und flächengenau festhalte.

„Bewertung schwierig“

Dazu sei ein umfassender Datenabgleich zwischen Landwirtschaftskammer und den Landkreisen notwendig, der derzeit so nicht gegeben sei. „Mit dem seit dem Jahr 1983 geführten Wirtschaftsdüngerkataster des Landkreises Emsland kommen wir der Verpflichtung nach, eine ordnungsgemäße und dauerhafte Verwertung der anfallenden Wirtschaftsdünger sicherzustellen“, heißt es.

Jede landwirtschaftliche Nutzfläche im Kreisgebiet sei in diesem Kataster erfasst. Der Nährstoffbericht der Landwirtschaftskammer beleuchte auf Landes- und Regionalebene/Kreisebene die Nährstoffsituation in Hinblick auf den Anfall und Verbleib der Wirtschaftsdünger. Vollständige Transparenz in der tatsächlichen Wirtschaftsdüngerverbringung bestehe durch den fehlenden Datenabgleich jedoch noch nicht.

Die Nitratbelastungen des Grundwassers resultierten nach hiesiger Einschätzung – diese Auffassung sei von der Landwirtschaftskammer bestätigt worden – noch aus der Wirtschaftsdüngerausbringung der vergangenen Jahre oder gar Jahrzehnte. „Heute werden Wirtschaftsdünger, insbesondere Gülle und Gärreste aus Biogasanlagen, durch strenge Auflagen pflanzenbedarfsgerecht ausgebracht.“

Grundsätzlich sei eine verlässliche Bewertung der VSR-Messwerte nur möglich, wenn die Bedingungen der Probenentnahme und die Probenahmeorte bekannt seien.