Besuch bei Emsland Fischzucht 900 Tonnen Aal aus Haren


HAREN. Der Europäische Aal ist ein rätselhafter Fisch, der einen Teil seines Lebens im Verborgenen verbringt. Was aber kaum jemand weiß: Viele der in Deutschland gehandelten Aale kommen aus Haren im Emsland.

Sie stammen aus den Becken der Firma Emsland Fischzucht im Industriepark Eurohafen zwischen Haren und Meppen. Das hat Inhaber Hermann Bentlage den CDU-Landtagsabgeordneten aus Stadt und Landkreis Osnabrück, dem Emsland und der Grafschaft Bentheim berichtet. Bernd-Carsten Hiebing (Haren), Heinz Rolfes (Lingen), Reinhold Hilbers (Grafschaft), Martin Bäumer (Glandorf), Burkhard Jasper (Osnabrück) und Christian Calderone (Osnabrück-Land) absolvieren derzeit eine Sommerreise und besuchen in jedem vertretenen Wahlkreis einen Betrieb, der von besonderem Interesse sein könnte.

Besatzmaßnahmen

Bei Emsland Fischzucht im Euroindustriepark Haren-Meppen dürfte es sich um ein solches Unternehmen handeln. Denn mit rund 900 Tonnen produziertem Aal gehört Emsland Fischzucht zu den führenden Anbietern ihrer Art in ganz Europa. Sieben Angestellte hat Hermann Bentlage inzwischen, 2013/ 2014 hat er den Betrieb für vier Millionen Euro erweitert. „Wir sind profitabel“, berichtete er den Abgeordneten sowie den örtlichen CDU-Vertretern Karl-Heinz Knoll, Jürgen Schwering und Maria Bauken inmitten Dutzender wassergefüllter Behälter. Zehntausende Aale verschiedenster Größe schwimmen darin herum und fressen gerne und viel von dem Futter, das portioniert aus einem Automaten rieselt.

Ein bis eineinhalb Jahre bleiben die Tiere im Betrieb, werden immer wieder umgesetzt und von einer Maschine vollautomatisch nach Größen sortiert. Bentlage kauft im Winter etwa 4000 Kilogramm sogenannte Glasaale. Das sind etwa zwölf Millionen bleistiftdünne Minifische, die zwei bis drei Jahre zuvor ihr Leben in der Sargassosee in der Nähe der Bahamas als Larve begonnen haben. Dorthin wandern Aalweibchen am Ende ihres Lebens, um 1,5 Millionen befruchtete Eier ins Meer zu entlassen. Einige dieser Jungaale schaffen den 6000 Kilometer langen Weg zurück in die Flüsse und Bäche Europas, in denen ihre Eltern gelebt hatten.

Bentlages Glasaale werden in Frankreich gefangen und nach Haren transportiert – hier wachsen sie bei kontrollierten 25 Grad Celsius und in penibel sauber gehaltenem Wasser unterschiedlich schnell heran. So soll der Einsatz von Medikamenten minimiert werden. Fünf bis sechs Millionen dieser Jungaale werden im Frühjahr, wenn die Flüsse sich erwärmt haben, zur Wiederauffüllung der zuletzt stark dezimierten Bestände in die Flüsse eingesetzt. Der Aal gilt als im Bestand bedroht. Die EU bezahlt die Besatzmaßnahmen deshalb zu 50 Prozent, die andere Hälfte bezahlen die Angelvereine, auch an der Ems.

„Wir sehen, dass der Bestand der Flussaale sich zuletzt wieder gut erholt hat“, berichtete Bentlage den Abgeordneten. Die Überlebenschance der Glasaale steige durch die Hälterung dramatisch an und stärke den Bestand. An der Ems bei Herbrum seien zuletzt deutlich mehr Glasaale gefangen worden, die auf natürlichem Weg zurückgekehrt seien.

Kritik übte Bentlage an der EEG-Umlage auf den Stromverbrauch. „Wir betreiben landwirtschaftliche Urproduktion und werden deshalb von der Umlage nicht ausgenommen, was einen eindeutigen Nachteil gegenüber den Mitbewerbern in den Niederlanden darstellt.“ Bentlage hat die Technik in seinem Unternehmen selbst entwickelt und nutzt das Gas einer Biogasanlage zur Erzeugung von Wärme. Die Abwässer werden in einer eigenen Kläranlage gefiltert, die Fischgülle geht in eine Biogasanlage.

Bentlage verfügt über eine eigene Schlachterei in Haren-Rütenbrock und vermarktet die fertig gemästeten Aale im Alter von etwa eineinhalb Jahren tiefgekühlt in ganz Europa. Im Verkauf wiegen die Tiere dann 100 bis 800 Gramm, 900 Tonnen sind es insgesamt pro Jahr. Die Aale werden dann andernorts geräuchert und verkauft.


0 Kommentare