Konzert begeistert Dirty Deeds und Eisenkarl rocken in Haren

Von Ruth Germer-Engelken

Die Schuluniform trug Dirty-Deeds-Leadgitarrist Mark Angsmann nicht lange. Sicher um sie nicht zu verschmutzen, zieht er zur Freude der Damenwelt nach einigen Liedern „blank“ – zumindest obenrum. Fotos: Matthias EngelkenDie Schuluniform trug Dirty-Deeds-Leadgitarrist Mark Angsmann nicht lange. Sicher um sie nicht zu verschmutzen, zieht er zur Freude der Damenwelt nach einigen Liedern „blank“ – zumindest obenrum. Fotos: Matthias Engelken

Haren. Knallharte Gitarrenriffs, dröhnender Bass, pulsierendes Schlagzeugspiel. Als beim Bau des Harener Müllerhauses die Planer einst die Statik berechneten, ahnten sie sicher nicht, dass das historische Gebälk neben Ausstellungen und kleineren Aufführungen auch härtesten Rocksound aushalten muss. Doch dies vorweg: Das Bauwerk hielt das Konzert der AC/DC-Coverband Dirty Deeds am Samstag locker aus.

Fast verwunderlich, denn immerhin musste das Gemäuer nicht nur den durchdringenden Sound der fünf Osnabrücker aushalten, sondern gleichzeitig das tanzende und ausgelassen mitfeiernde Publikum. Denn nicht nur AC/DC-Klassiker wie „Hells Bells“ oder „Highway to hell“ sorgten für beste Stimmung, auch viele weitere Songs der Setlist ließen niemanden im Publikum still stehen. Und das, obwohl die Band vornehmlich Songs aus der weit zurückreichenden Bon-Scott-Ära spielt, also Lieder des legendären AC/DC-Leadsängers. Der starb bereits 1980, und erst kurze Zeit später kam das bisher erfolgreichste Album „Back in Black“ mit dem neuen Leadsänger Brian Johnson heraus. Doch vor allem die Scott-Songs waren es, die vom Publikum ebenso mächtig bejubelt wurden wie die allseits bekannten Klassiker. Zudem sorgte Leadgitarrist Mark Angsmann für großen Unterhaltungswert. Ähnlich dem Markenzeichen des AC/DC-Gitarristen Angus Young erschien auch der Osnabrücker in einer Schuluniform.

Lieder der Bon-Scott-Ära

Doch neben seinem Äußeren hat der Gitarrist auch etwas anderes mit seinem australischen Pendant gemein: die Virtuosität an der Gitarre. Ein ums andere Mal glänzte Angsmann mit verschiedenen Soli, die er hüpfend, springend und nebenbei mit intensiver Mimik präsentierte. Zudem zeigten auch Schlagzeuger Martin Grimsel, Bassist Kai Lange und Ingo Sinnig an der Rhythmusgitarre, warum die Dirty Deeds derzeit zu den besten AC/DC-Coverbands gehören. Einziger Wermutstropfen: Sänger Markus Lütkehoff hatte anfangs schwer zu kämpfen mit der Technik. So übertönten in den ersten Parts die Gitarrenklänge seinen Gesang vor allem in den vorderen Publikumsreihen, später reihte er sich nahtlos ein ins hochprofessionelle Spiel seiner Kollegen zum Hörgenuss des Publikums.

Das war übrigens bestens auf die Dirty Deeds eingestimmt worden. Die Meppener Coverband „ Eisenkarl “ hatte als Vorband den Weg geebnet. Und auch wenn der Name der Band eher an einen vagabundierenden und mäßig erfolgreichen Schrotthändler erinnert, der Auftritt der Gruppe ließ wenig Wünsche übrig. Sehr nah an den Originalen, kräftig und satt, hängte Eisenkarl bereits zu Beginn die musikalische Stange sehr hoch.

Zufrieden zeigte sich „Cheforganisator“ und Heimatvereinsvorsitzender Ulrich Schepers bereits während des Konzertes. Nicht nur, weil an der Einlasstür bereits frühzeitig das Schild „ausverkauft“ prangte, sondern auch, weil innen annähernd 200 Besucher von 20 bis 70 Jahren gemeinsam feierten. „Unser Ziel ist es, im ganzen Jahr eine große Bandbreite an Angeboten für alle Altersklassen zu schaffen“, begründete Schepers die Veranstaltung. Und versprach auch im kommenden Jahr neben der Klassiknacht, dem Neujahrskonzert, traditionellen plattdeutschen Nachmittagen oder einem Familienfest am 1. Mai durchaus weitere Veranstaltungen der etwas rockigeren Art auf das Mersmühlengelände zu bringen. Die Statik des Müllerhauses darf sich demnach also auf einiges gefasst machen.