Spuren der Polen im Emsland Deutsch-Polnische Gesellschaft informiert sich

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Meppen. Freunde — Feinde — Freunde, so wechselte das Verhältnis von Emsländern zu Polen in den vergangenen 150 Jahren. Dies hörte die Deutsch-Polnische Gesellschaft in der Region Osnabrück bei einer Tagesfahrt. In Meppen, Haren und Esterwegen wollten die Gäste mehr über das Schicksal von Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen zwischen 1939 und 1948 erfahren.

Als Parlamentarier setzte sich Ludwig Windthorst (1812 - 1891) für den Schutz von Minderheiten im Deutschen Reich ein und ausdrücklich für die im Reichsgebiet lebenden Polen. Der Abgeordnete für den Wahlkreis Meppen-Aschendorf-Hümmling-Bentheim-Lingen wurde mit dieser Auffassung immer wieder gewählt, sagte Martha Ortmann, Vorstand der Ludwig Windthorst-Stiftung beim Besuch der Deutsch-Polnischen Gesellschaft im Kreishaus in Meppen.

Landrat Reinhard Winter beschrieb die Herausforderung, von der die Emsländer Ende Mai 1945 standen, als die Polnische 1. Panzerdivision und die Polnische 1. Fallschirmjägerbrigade die militärische Besatzung von den Kanadiern übernommen hatten. 20000 Soldaten und 25000 befreite polnische Zwangsarbeiter befanden sich in den Emslandkreisen Lingen, Meppen und Aschendorf-Hümmling, dazu tausende Menschen aus anderen Teilen des östlichen und südlichen Europa und 37 000 Flüchtlinge aus den ehemals deutschen Ostgebieten. Bei der ersten Volkszählung nach dem Krieg gab es 53000 Zuwanderer bei einer Bevölkerungszahl von 177000. Heute zählt das Emsland 311000 Einwohner, auch dank der Integration dieser und später angelangter Migranten. Dabei half bis 1990 der Emslandplan, mit dem die Region die Basis für die heutige wirtschaftliche Stärke legen konnte, erklärte der Landrat. So wie der Landkreis seit 2004 mit der Region Ermland/Masuren in Polen eine Partnerschaft pflegt, so haben die emsländischen Städte und viele Gemeinden dort Partnerorte.

Die Vorsitzende der Deutsch-Polnischen Gesellschaft, Irmgard Vogelsang, zeigte sich beeindruckt von dem Wandel, den das Emsland erfahren hat. Die zweite Station der Reise war Haren, dass von 1945 bis 1948 von Polen besiedelt war und Maczków hieß. Nach einem Rundgang im Zentrum wurde das Kunsthaus Haren besucht.

Von dort ging es nach einem Aufenthalt am ehemaligen Kriegsgefangenenlager Oberlangen weiter zum Dokumentations- und Informationszentrum Emslandlager (DIZ) nach Esterwegen. Andrea Kaltofen, Vorsitzende der Stiftung Gedenkstätte Esterwegen, wies die Gäste auf die große Bedeutung der 15 Emslandlager für das Miteinander von Polen und Emsländern hin, die im DIZ ausführlich dokumentiert ist. Dazu haben polnische Zeitzeugen viel beigetragen.


Einen Rollentausch erlebten die Emsländer im April und Mai 1945. Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter konnten mit Unterstützung der Besatzungstruppen über Wohnraum verfügen und Deutsche zur Arbeit verpflichten. Seit dem 12. April war die 1. Polnische Panzerdivision unter dem Kommando von Stanislaw Maczek (1892 — 1994) an der Besetzung des nördlichen Emslands beteiligt. Ende Mai rückte die Division zusammen mit der 1. Polnischen Fallschirmjägerbrigade als militärische Besatzung in die Landkreise Grafschaft Bentheim, Lingen, Meppen, Aschendorf-Hümmling, Cloppenburg und Bersenbrück ein. Hier befanden sich Lager mit befreiten Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern unter ihnen viele Polen. Allein im Lager Oberlangen lebten 1700 polnische Frauen. General Klemens Rudnicki, der Maczek abgelöst hatte, schätzte Anfang Juni die Zahl der unterzubringenden Polen auf 45000 und setzte die Beschlagnahme von ganzen Ortschaften und Wohnsiedlungen in Städten durch. Am 18. Mai befahl das II. Canadian Corps 1000 Polen in Tunxdorf und Bokel im Kreis Aschendorf-Hümmling unterzubringen, im Kreis Meppen sollte Haren 1000 Polen aufnehmen. Zwei Tage später begann die Räumung Harens von der deutschen Einwohnerschaft, die in Nachbarorten unterkommen musste. Dies betraf rund 1000 Familien mit 3500 Angehörigen. Dafür übernahmen mehr als 5000 Polen die Stadt und tauften sie inMaczków um. Spahn wird am 24. Mai geräumt, am 28. Mai ist Neuvrees dran. In Papenburg werden Wohnungen am Mittelkanal und am Obenende (Splitting) beschlagnahmt, ebenso Wohnraum in der Meppener Neustadt. Haselünne müsste rund 2000 Polen aufnehmen. Das Misstrauen ist groß. Zur Arbeit in den polnischen Siedlungen und Lagern verpflichtete Deutsche werden am Orts- oder Lagereingang mit dem Befehl „Hände hoch“ empfangen, und durchsucht. In den Jahren 1947 und 1948 wurden die beschlagnahmten Häuser nach und nach zurückgegeben, Maczków heißt seit dem 10. September 1948 wieder Haren.

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