Nationalteam im Training Speed-Fliegen in Haren mit Mini-Fallschirmen

Von Hermann-Josef Mammes


Haren. Wenn Tobi Scherrinsky mit über 100km/h auf die Wasseroberfläche zurast, erinnert die Szene an einen Weißkopfseeadler, der sich mit seinen Fängen aus großer Höhe in die Tiefe stürzt und einen Fisch aus dem See schnappt. Auch der 35-Jährige stößt seine Füße ins Wasser. Im Gegensatz zum Greifvogel lässt er die Füße jedoch möglichst lange über die Wasseroberfläche gleiten. Eine lange Wasserspur zu hinterlassen, ist das wichtigste Ziel der Fallschirmspringer beim Speed-Fliegen.

Der 35-Jährige gehört dem A-Kader der deutschen Nationalmannschaft an. Gemeinsam mit zwei Mannschaftskameraden trainiert er zurzeit im emsländischen Fehndorf für die Europameisterschaften im August in Tschechien. Ihr Flugzeug startet in Klausheide. Die Fallschirmspringer verlassen die Maschine in einer Höhe zwischen 2000 bis 3000 Metern Höhe. „Unser Schirm hat nur eine ganz kleine Fläche von vier bis fünf Quadratmetern“, so der Sportler aus Marl. So rasen die Fallschirmspringer „Auge in Auge der Erde entgegen“. „Ich habe sogar noch extra Blei dabei, damit ich noch schneller werde“, so der durchtrainierte Mann. Es gewinnt letztlich der Springer, der nicht nur die längste Spur auf die Wasseroberfläche zaubert, sondern möglichst auch mit einem hohen Tempo über das Wasser schießt.

Über dem See in Fehndorf brachten Tobi Scherrinsky und Peter Vohwinkel (45) sogar das Kunststück fertig, dass sie fast im Parallelflug ihre Spur durch den See zogen. Danach folgt am Ufer eine gekonnte aber auch unsanfte Landung. Dabei dient der Fallschirm als Bremse, um das hohe Tempo abrupt abstoppen zu können.

Tobi Scherrinsky wurde der waghalsige Sport quasi in die Wiege gelegt. Schon sein Vater war passionierter Fallschirmspringer. Der gelernte Industrie-Mechaniker frönt inzwischen auch beruflich dem freien Fall. „Ich arbeite in einer Indoor-Skydiving-Anlage.“ Mit hoher Geschwindigkeit wird Luft in eine Kammer geblasen, sodass die Sportler darin auf einem Luftkissen schweben können.

Peter Vohwinkel ist indes Rechtsanwalt in Düsseldorf. Für ihn ist Fallschirmspringen einfach ein tolles Hobby. „Der Flug kostet jedes Mal etwa 20 Euro“, sagt er. Vor einer EM sollte man schon 50 bis 200 Übungssprünge absolvieren. Allein unser Fallschirm kostet rund 3000 Euro“, ergänzt der Jurist. Es sei die „Formel 1“ unter den Fallschirmen. Hinzu kommen Anzug, Helm sowie natürlich der Reserveschirm.

Auch Alex Spadi (29) aus Wardenburg trainiert jetzt im Emsland. Der Maler und Lackierer gehört ebenfalls dem Nationalteam an: „Ich liebe einfach diesen Kick, so dicht über dem Boden über das Wasser zu gleiten.“