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Geburtstag im Harener Schifffahrtsmuseum Vor 100 Jahren lief der Schlepper August vom Stapel

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Vor 100 Jahren lief der Dampfschlepper August, heute eine der Attraktionen im Harener Schifffahrtsmuseum, vom Stapel. Foto: Willy RaveVor 100 Jahren lief der Dampfschlepper August, heute eine der Attraktionen im Harener Schifffahrtsmuseum, vom Stapel. Foto: Willy Rave

ra Haren. Einen seltenen runden Geburtstag feiert man in diesen Tagen im Harener Schifffahrtsmuseum: Vor 100 Jahren lief der Dampfschlepper August, heute eine der Attraktionen unter den Museumsschiffen, auf der Wiemann-Werft in Brandenburg vom Stapel.

Franz Fermum aus Berlin/Spandau hatte 1910 das 23,83 Meter lange und 5,23 Meter breite Schiff in Auftrag gegeben. Es zählte damals zu den größeren Schleppdampfern. Die 500 Mitarbeiter der Werft, so wird in der Schiffschronik berichtet, bauten seinerzeit pro Jahr 24 Fahrzeuge dieser Art. Kleinere Binnenfahrzeuge, Schuten, Doppelschraubenschlepper, Fischereifahrzeuge, Greifbagger und Ausflugsschiffe wurden fast ausschließlich bei Wiemann bestellt. Ein großer Flammrohrkessel erzeugte den nötigen Dampf.

Mit dem Verkauf des Schleppers August an die Firma Lehnkering in Emden änderte sich auch das Fahrtgebiet des Schiffes. Die Schleppschifffahrt auf der Ems gewann immer mehr an Bedeutung und sicherte dem Schiff gute Erträge. Der Tagesablauf der Besatzung, so ist dokumentiert, begann schon früh am Morgen. Nachdem der Heizer die Feuerung klargemacht hatte und der Dampfkessel den richtigen Druck aufwies, war der Schlepper ab 6 Uhr startklar. Der Schiffsführer zog die Dampfpfeife, die einzelnen Schiffe wurden beim Namen aufgerufen und bekamen den Schleppdraht gereicht. So entstand ein langer Schleppzug. Im Sommer endete die Betriebsbereitschaft der Schlepper gegen 20 Uhr.

1929 konnte der Schiffer Otto Schöning aus Haren den Dampfschlepper August für 44000 Goldmark erwerben. 1939 dehnten die Nationalsozialisten das staatliche Schleppmonopol auch auf den Dortmund-Ems-Kanal aus. In der Regel wurden die Partikulierschlepper aber angemietet, sodass etwa je zur Hälfte Monopol- und Partikulierschlepper auf dem Kanal verkehrten. Neben dem Schlepper August waren noch 524 Schlepper im Einsatz.

Bei einem schweren Bombenangriff am 6. Juli 1944 wurde das Fahrzeug schwer beschädigt, konnte aber nach einer Reparatur im Herbst 1948 wieder in Dienst gestellt werden. 1953 übernahmen die Harener Gebrüder Schöning das Schiff und ersetzten 1961 die Dampfmaschine durch einen 375 PS starken Dieselmotor. Der Strukturwandel in der Binnenschifffahrt mit dem Siegeszug der Selbstfahrer führte dazu, dass das staatliche Schleppmonopol immer mehr an Bedeutung einbüßte und 1967 aufgehoben wurde. Auch die Harener Schiffsführer und Schlepper-Partikuliere waren davon betroffen. 1977 wurde auch der Schlepper August stillgelegt und wartete auf die Abwrackung und Verschrottung.

1980 starteten Harener Kapitäne eine Rettungsaktion und konnten den „Veteranen“ für das Schifffahrtsmuseum erhalten. Seinen Namen hat der Schlepper behalten: eine Seltenheit im heutigen Schifffahrtsgeschehen. Sogar der gewaltige Schornstein wurde wieder aufgesetzt. Zwei Jahre später gesellte sich die Emspünte „Haren I“ dazu, 1984 kreuzte das Flaggschiff der Museumsflotte, die Spitzpünte „Helene“ auf. 1991 konnte das Wattmotorschiff „Thea-Angela“, 2003 das Streckenboot „Haren“ erworben werden. Vor drei Jahren wurde die Flotte um das Seenot-Rettungsboot „Bruntje“ erweitert.


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