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„Strategie geändert“ Harener Schiff „MCL Bremen“ trifft nach Piratenüberfall Mitte Dezember in Rotterdam ein

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Auf seiner Jungfernfahrt hatten Piraten dieses Schiff der Harener Reederei Schepers für Stunden in ihrer Gewalt. Foto: ReedereiAuf seiner Jungfernfahrt hatten Piraten dieses Schiff der Harener Reederei Schepers für Stunden in ihrer Gewalt. Foto: Reederei

Haren. Zerschossene und eingetretene Türen sowie zerschlagene Fenster, doch alle Besatzungsmitglieder unversehrt – dieses Fazit hat Reeder Engelbert Schepers aus Haren nach dem Piratenüberfall auf sein Schiff, die MCL Bremen, gezogen.

Etwa vier Stunden habe der Überfall gedauert, berichtet er. Die zwölf Besatzungsmitglieder konnten sich gerade noch rechtzeitig in einen Schutzraum begeben. Der Zwischenfall hat sich etwa 600 Seemeilen westlich von Indien bei den Malediven ereignet, so Schepers. „Bislang konzentrierten sich die Überfälle auf das Horn von Afrika“, sagt der Reeder. „Die Piraten scheinen jetzt ihre Strategie geändert zu haben.“

Der Angriff auf die Bremen soll, so hat Schepers erfahren, von einem Tanker ausgegangen sein. „Hierbei handelte es sich um ein etwa 6000 bis 7000 Tonnen großes Schiff, das als Basis fungierte.“ Weiter beschreibt Schepers, wie nach einer mehrstündigen Verfolgung von diesem Tanker zwei Schnellboote zu Wasser gelassen worden sind. „Diese hielten mit etwa 20 bis 25 Knoten auf die Bremen zu“, beschreibt er die Situation. An Bord jedes Schnellbootes sollen sich acht Piraten, vermutlich Männer somalischer Herkunft, befunden haben.

„Da wir wussten, dass die Route der Bremen durch Piratengebiet führen würde, hatten wir unser Schiff rundum mit NATO-Draht abgesichert“, so der Reeder. Doch, statt wie früher nur mit Enterhaken zu arbeiten, sollen die Piraten etwa sieben bis acht Meter sieben Meter lange Aluleitern bei sich gehabt haben, mit der sie die Absperrungen an Bord überwinden konnten.

Kapitän Thomas Preuß, der das Kommando auf der Bremen führt, habe sofort dafür gesorgt, dass sich die kompletteBesatzung in den hermetisch abgeriegelten Schutzraum begab, der eigens für derartige Piratenüberfälle in unmittelbarer Nähe zur Hauptmaschine eingerichtet worden ist. „Die Besatzung war aus diesem Schutzraum heraus in der Lage, das Schiff unter Kontrolle zu halten und dieses zu steuern“, sagt Schepers. Auch habe während der ganzen Zeit Kontakt zur Reederei sowie zu den Behörden und zur dänischen Fregatte „Esbern Snare“ bestanden.

Die Piraten haben an Bord offenbar reichlich von ihren Schusswaffen Gebrauch gemacht haben. „Alle Türen, die sie nicht eintreten konnten, haben sie versucht, durch Schüsse zu öffnen“, berichtet der Reeder. Die Piraten hätten alles Bargeld, das sie finden konnten, sowie Kleidung der Besatzungsmitglieder mitgenommen.

Für die Harener Reederei war es der erste Überfall auf eines ihrer Schiffe. „Thomas Preuß und seine Mannschaft haben sich vorbildlich verhalten“, lobt Schepers. Der 52-jährige Kapitän stammt aus Stralsund. Seine Crew bilden drei Ukrainer, ein Russe und sieben Philippinos. Die MCL Bremen war erst am 28. Oktober in Dienst gestellt worden und befand sich auf ihrer Jungfernfahrt. Das Schiff war auf einer chinesischen Werft gebaut worden. Die Fracht hatte es in Malaysia an Bord genommen. Aktuell durchfährt es den Suezkanal und wird Mitte Dezember in Rotterdam erwartet.


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