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2,5 Millionen Euro Baukosten Sanierung oder Abriss der Martinus-Kirche in Haren

Von Heiner Harnack, Heiner Harnack | 03.02.2017, 10:45 Uhr

Rund 2,5 Millionen Euro könnte die Sanierung der St. Martinus-Kirche in Haren kosten. Dies geht aus einer ersten Schätzung des Reparaturbedarfs durch einen Gutachter hervor.

Der Saal Witte konnte die Zuhörer kaum fassen, die sich für die Zukunft ihres Gotteshauses interessierten. Zunächst stellte Planer Rolf Steffens die Ideen zum an der Kirchstraße gelegenen Pfarrheimersatzbau vor, der mit rund 1.170.000 Euro inklusive des Inventars zu Buche schlagen wird und aus zwei Gebäudeteilen bestehen soll. Die Finanzplanung sieht vor, dass dank der Zuschüsse seitens der Stadt, des Landkreises, des Bistums und des Landes Niedersachsen in Verbindung mit dem Verkauf des Bischof-Demann-Hauses inklusive des Grundstücks, sowie einem anteiligen Verkaufserlös des Hauses Robin der Eigenanteil der Gemeinde bei Null Euro liegen werde.

Kirche in Bewegung

Die St. Martinus Kirche ist inzwischen vom Husumer Restaurator Christoph Probst, der in einer ersten Expertise bereits im November 2015 dringenden Handlungsbedarf sah, komplett untersucht worden. Er präsentierte eine 3-D-Vermessung des Gotteshauses. „Die Kirche ist krank“, hatte schon Pastor Günter Bültel in seiner Einführung gesagt, was Probst bestätigte. „Wir versuchen, die Schäden zu reparieren, können die Kirche aber nicht hundertprozentig gesunden“, erklärte Probst. Ein solch großes Bauwerk bewege sich ständig, was wieder zu neuen Rissen führen werde. Er hatte während seiner Untersuchungen festgestellt, dass sich größere Putzflächen sich nach außen gewölbt haben, was darauf hindeute, dass tief im Innern der Mauern das Problem zu suchen sei. Mittlerweile könne man einige Teile mit den Händen abnehmen, was aufgrund der Gefährdung von Passanten zur Umzäunung des Gotteshauses geführt habe. Viele Bauteile seien in der Kirche mit Eisen bewehrt, was aber im Laufe der Zeit zu starker Rostbildung und kompletter Zersetzung geführt habe.

Rostender Eisenträger

Probst sagte, dass er den früheren Generationen der Handwerker und dem Architekten Ludwig Becker keine Schuld zusprechen wolle, da das heutige Wissen der Bautechnik in den Jahren 1908 bis 1911 noch nicht vorhanden gewesen sei. Nach der Inspektion des Inneren der Kirche im Jahr 2016 habe man feststellen können, dass die Schäden innen genauso gravierend seien wie außen. „Hier gibt es Riss an Riss“, beschrieb Probst den Gebäudezustand. Um eine größere Gefährdung auszuschließen, habe man sich entschlossen, einige Mörtelflächen während der Inspektionsarbeiten abzunehmen. Sorgen bereitet dem Husumer ein riesiger Eisenträger, der 1,38 Meter hoch sei, aber auch 20 Meter überspannen müsse. „Im Bereich der Hauptstütze der Firmung ist der Träger bereits um 70 Prozent zurück gerostet.“ Darauf befände sich die Konstruktion der Kuppel.

Das Bodengrundgutachten mache ihm aber Hoffnung, da es eindeutig aussage, dass der Kirchturm, das alte Kirchenschiff, das Querhaus und der Chorraum fest stünden. Probst machte deutlich, dass man für die Arbeiten etwa zweieinhalb Jahre benötigen werde. Eine erste Schätzung kommt auf 2,5 Millionen Euro Reparaturkosten. Diese Summe käme unter anderem dadurch zustande, dass „normale Putzer und Maurer“ die Arbeiten nicht durchführen könnten. Es gebe nur Wenige, die mit den alten Materialien umgehen könnten, sagte Probst. Er wies ebenfalls darauf hin, dass eine Sicherheit nach erfolgten Arbeiten nur für weitere 25 Jahre bestehen werde.

„Tut man nichts, reißen Sie in spätestens zehn Jahren die Kirche ab“, mahnte der Fachmann. Unterstützung für die Arbeiten sagte Hubert Bartke vom Bischöflichen Generalvikariat zu. Kirchenvorstand Thomas Honnigfort erzählte, dass man hoffe, mit Mitteln, unter anderem aus der „Deutschen Stiftung Denkmalschutz“, die Renovierung finanzieren könne. Man wolle aber versuchen, weitere externe Mittel zu erhalten. Eine genaue Höhe könne er aber noch nicht mitteilen. Auf die Kirchengemeinde könne eine Eigenanteil von 400.000 bis 450.000 Euro zukommen.