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Heimlicher Grenzgänger? Ein Känguru hoppelt durch Fehndorf

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Dickes Fell und Stehohren: Das kleine Fehndorfer Känguru, fotografiert von MT-Leser Uwe Paech. Um welche Art es sich handelt, ist unbekannt. Es ähnelt aber einem Rotnackenwallaby.Dickes Fell und Stehohren: Das kleine Fehndorfer Känguru, fotografiert von MT-Leser Uwe Paech. Um welche Art es sich handelt, ist unbekannt. Es ähnelt aber einem Rotnackenwallaby.

tb Haren-Fehndorf. Es gibt Dinge, die glaubt man nicht sofort. Dass zum Beispiel ein frei lebendes Känguru durch emsländische Maisfelder hüpft. Und doch stimmt es: In Fehndorf haben bereits mehrere Einwohner das kleine Beuteltier beobachtet, Uwe Paech konnte es jetzt fotografieren.

Bei einem Ortstermin Anfang der Woche ist an eine Suche nach dem Tier nicht zu denken – Regen, Regen und noch mal Regen. Da verkriecht sich auch ein Känguru und sucht Deckung, wo auch immer sie zu finden ist. Irgendwo im Niemandsland zwischen Fehndorf, Lindloh und den Niederlanden also zieht das namenlose Tier seit „mindestens sechs Wochen“ seine Kreise, weiß Bernd Robben zu berichten. Gemeinsam mit Uwe Paech und dessen Frau Gerda gibt der Fehndorfer der Zeitung Auskunft über den kleinen Landstreicher. Robben vertritt die örtliche Jägerschaft und weiß wie seine Kollegen schon länger vom kleinen Känguru. Gesehen? Nein, gesehen hat er es noch nicht, obwohl er schon oft danach gesucht hat. „Am Anfang konnte man das ja auch kaum glauben“, sagt Robben.

Dass die Sache mit dem Känguru aber doch stimmt, kann Uwe Paech inzwischen beweisen. Ein kurzes Video, das die Freundin seines Sohnes mit dem Handy aufnahm, zeigt ein nicht besonders scheues, etwa einen Meter großes Beuteltier, das die Beobachterin recht nah an sich heranlässt und dann geschwind, aber nicht panisch, im Maisfeld verschwindet.

„Ich habe das Video gesehen und mir meinen Fotoapparat geschnappt“, berichtet Paech. Schnell das Teleobjektiv montiert – und ab ging’s in Richtung Fundort. „Dass wir das Tier antreffen würden, hatte ich nicht erwartet, aber ich hatte Glück.“ Paechs Fotos zeigen ein Tier, das von der Größe her dem Rotnackenwallaby entspricht – einer Art, die in Australien weit verbreitet ist. Nur rund einen Meter groß werden die Tierchen, wobei ihr Schwanz mit einer Länge von 75 Zentimetern fast noch einmal so lang ist. In Australien leben sie, wenn es sein muss, von trockenem Gras – da ist die emsländische Agrarlandschaft mit ihrem Grün ein riesiges Futterparadies.

Die Fehndorfer machen sich inzwischen trotzdem Sorgen um ihr Känguru. „Wenn der Winter zu hart wird, ob sie das schaffen?“, fragt sich Bernd Robben. Außerdem werde bald der Mais gehäckselt, da könnte das kleine Tier in Gefahr geraten.

Ein Anruf im Tierpark Nordhorn bringt ein wenig Erkenntnisgewinn. Dort lebt eine Gruppe Bennet-Kängurus, eine Unterart der Rotnackenwallabys. Tierparkleiter Thomas Berling beruhigt: „Die Tiere gelten als winterhart. Sie können bei uns auch in Freiheit überleben.“ Einen ähnlichen Fall habe es vor Jahren in Klausheide gegeben.

Bei weiterer Recherche wird klar: An mehreren Orten in Deutschland leben Kängurus in freier Wildbahn. In Burg Stargard in Mecklenburg-Vorpommern etwa steht eine Gruppe nach zehn Jahren in Freiheit kurz vor der offiziellen Einbürgerung in die heimische Tierwelt – die erfolgt, wenn sich drei Generationen erfolgreich fortgepflanzt haben.

Bald eingebürgert?

Die Jäger werden das Känguru jedenfalls nicht ins Visier nehmen, sagt Bernd Robben. „Wir überlegen aber, ob wir es in einer größeren Aktion mit vielen Helfern einfangen sollen. Vielleicht meldet sich bis dahin ja der Besitzer. Irgendwo muss das Tier schließlich hergekommen sein.“ Kurz hinter der Grenze in Barger Compascuum solle es eine kleine Känguru-Haltung geben, haben die Fehndorfer gehört. Aber dass ihr Tier von dort stamme, wäre reine Spekulation.

Vonseiten der Behörden dürfte es keine Ambitionen geben, das Känguru einfangen zu lassen. Sein Auftauchen war bei der Stadt Haren bisher nicht bekannt, eine rechtliche Notwendigkeit besteht dem Vernehmen nach nicht. Weitere Fotos auch unter www.fehndorf-intern.de.


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