„Schifffahrt hat in puncto EU-Lobbyismus Handlungsbedarf“ Diskussion mit Jens Gieseke in Harener Reederei Wessels

Von Gerd Mecklenborg

Auf dem Gelände der Reederei Wessels trafen sich Vertreter der maritimen Wirtschaft und des CDU-Stadtverbandes mit Jens Gieseke. Foto: Gerd MecklenborgAuf dem Gelände der Reederei Wessels trafen sich Vertreter der maritimen Wirtschaft und des CDU-Stadtverbandes mit Jens Gieseke. Foto: Gerd Mecklenborg

Haren. Auf Einladung des Harener CDU-Stadtverbands haben Reeder, Partikuliere und Praktiker der maritimen Wirtschaft mit dem EU-Parlamentarier Jens Gieseke über Chancen und Herausforderungen der See- und Binnenschifffahrt diskutiert.

Nach kurzer Einführung durch Torsten Mansveld, Mitglied im CDU-Stadtverbandsvorstand, und einer Unternehmensvorstellung der Reederei Wessels durch Geschäftsführer Frank Gerdelmann sprachen die Teilnehmer über EU-Förderprogramme, Umweltanforderungen, Flottenmodernisierung und „dringenden Handlungsbedarf in puncto Lobbyismus, beziehungsweise über faire Bedingungen für eine umweltschonende Transportwirtschaft per Schiff“, so unisono die Vertreter der maritimen Wirtschaft. Moderator Mansveld, beruflich in der maritimen Wirtschaft tätig, ging anfangs „auf die tiefe Verbundenheit der Stadt Haren zur Schifffahrt“ ein.

„Trotz langer Krise in der Schifffahrt betreiben die Harener Reeder und Partikuliere ihr Geschäft wieder mit Erfolg, was aber enorme Anstrengungen gekostet hat, denn diese Krise hat uns alle sehr gebeutelt“, sagte Mansveld. Von den Problemen des Transportgeschäfts über Wasser und den ungleichen EU-Rahmenbedingungen im Vergleich zur Transportwirtschaft, besonders über die Straße, berichtete detailliert Frachtmanager Werner Plenkmann von der Harener Arkon Shipping GmbH & Co. KG. Er stellte an den EU-Parlamentarier Gieske die Forderung, „das europäische Straßennetz systematisch so aufzubauen, dass alle Verkehrsträger problemlos interagieren können, damit der Binnenmarkt wachsen kann“.

Faire Bedingungen gewünscht

Plenkmann bezeichnete Haren als „wahrscheinlich Deutschlands größten Short-Sea-Standort, weil hier viele kleinere Schiffe, die überwiegend im sogenannten European-Short-Sea-Sektor agieren, beheimatet sind“. Dieses Geschäft, „das im Transportranking an zweiter Stelle steht“, werde von der EU im Vergleich zum Transportwesen auf der Straße eher stiefmütterlich behandelt. „Da sind wir in Brüssel nicht wirklich gut vertreten“, bemängelte Plenkmann und wünschte sich „faire Bedingungen und eine europäische Lösung“. EU-Parlamentarier Gieseke betonte „die energieeffiziente Bedeutung der Schiffe im allgemeinen Transportwesen. Da ist Ihre Branche in dieser Hinsicht eigentlich prädestiniert für einen Großteil des Kuchens, denn Sie leisten signifikant einen Beitrag zum Umweltschutz. Seien Sie in Brüssel und Straßburg effizienter unterwegs“, so der Rat des Politikers.

Die anwesenden Binnenschiffer sprachen „von großen Problemen mit der Infrastruktur“. Als Beispiel nannten Reeder Martin Deymann und Binnenschiffer Rolf Kiepe „die Schleusenproblematik und die damit verbundenen ewig langen Wartezeiten“. Zudem mangele es an Liegeplätze mit Landverbindung. „Das alles macht uns Binnenschiffern das Leben schwer“, sagten Deymann und Kiepe. Harens Bürgermeister Markus Honnigfort regte, wie auch die anwesenden Mitglieder des CDU-Stadtverbands, „eine bessere Kommunikation mit den EU-Entscheidungsträgern und einen jährlichen ‚Runden Tisch‘ mit Praktikern und EU-Politikern“ an. Jens Gieseke versprach, „diesen Vorschlag tatkräftig zu unterstützen“.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN