„Goedemorgen, Guten Tag, Moin“ Deutsch-niederländischer EU-Projekttag in Rütenbrocker Grundschule

Von Petra Heidemann


Haren. Gemeinsam haben die Grundschüler der Maximilianschule Rütenbrock und der Bonifatius Basis School Ter Apel einen ebenso kurzweiligen wie aufschlussreichen Vormittag zum länderverbindenden Partnerschaftsprojekt „Frühe Nachbarsprache / Vroege Buurtaal“ verbracht. Mit dabei: die Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann (CDU).

Peter Geerdink, Projektmanager dieses grenzüberschreitenden Programms im Rahmen der Ems-Dollart-Region (EDR), möchte nicht nur die Kinder der Nachbarländer Deutschland und Niederlande zusammenbringen, sondern auch die Lehrkräfte. Ein guter Weg sei daher auch der Austausch von Praktikanten. Die ersten Kontakte dieser Art gehen zurück bis in die 1980er Jahre, seit 2018 gibt es einen Kooperationsvertrag, der die Sprache als verbindendes Element in den Mittelpunkt stellt.

Der niederländischen Schulbegleiterin an der Maximilianschule, Anet Marrink, steht die Begeisterung ins Gesicht geschrieben. Denn um „einander auch mit dem Herzen zu verstehen“, müsse man sich erst einmal sprachlich „verstehen“, bezog sich Connemann im Gespräch mit Peter Geerdink und der Rütenbrocker Schulleiterin Hildegard Brinker auf das Humboldt-Zitat „Sprache ist der Schlüssel zur Welt“. Der Klassenlehrer der Rütenbrocker 4b, Jan Held, zuständig für die Kontaktarbeit, hat darum auch Teile des Rolf-Zuckowski-Lieds „Kleine Europäer“ ins Niederländische übersetzt, und so klang es zu Beginn der Schlussveranstaltung der Projektwoche aus über 100 Kinderkehlen „Wir geben uns die Hand – We geven elklaar de hand“ und „Träume werden grenzenlos – dromen worden grencenlos“, denn unter die 84 Rütenbrocker Schulkinder, zu denen inzwischen 16 niederländische Kinder gehören, hatten sich die 23 niederländischen Gastschüler gemischt.

Sachverständig und aufmerksam

Voll Stolz präsentierten dann die Erstklässler ihre Malbücher „Der kleine Stern in Europa“ und die Zweitklässler ihr „Deutschland mitten in Europa“-Plakat. Die Drittklässler bewiesen ihre umfassenden Flaggenkenntnisse, und die Galerie der fantasievoll gestalteten Flaggenzeichnungen der Viertklässler für alle europäischen Länder zeigten jeweils Landesfläche und als Wortpuzzle auch die Hauptstadt. Alle Informationen zu den Präsentationen erfolgten in beeindruckender Weise zweisprachig. Wie sachverständig und aufmerksam die Kinder bei der Sache waren, wurde deutlich, als sie sofort ein Land in der Flaggengirlande vermissten. Doch dieses Bild hatte sich in der Reihe nur verhakt und „versteckt“. Erleichterung: Europa war also doch vollständig vertreten.

Nach diesem gelungenen Auftakt übernahm die Bundestagsabgeordnete routiniert die bilinguale Gesprächsführung mit den Kindern und erzählte zunächst von ihren deutschen und niederländischen Wurzeln und davon, dass sich einst ihre eigenen Großväter als Kriegsfeinde gegenüber gestanden hätten. Das Entsetzen der Kinder ließ schnell die Lösung finden – sie „würden das niemals tun“, man müsse „lieber miteinander reden und Freundschaften schließen“.

Es sei „toll“, dass man heute in Europa keinen Pass und mehrere Portemonnaies mit unterschiedlichem Geld brauche, wenn man die anderen Partnerländer besuche. Gemeinsamkeit mache stark. Und so fanden es die jungen Europäer „einfach blöd“, wenn plötzlich ein Land „nicht mehr mitmachen“ wolle. Die Brexit-Diskussion war offensichtlich selbst bei den Jüngsten angekommen. Allerdings kam auch zur Sprache, welche Sorgen und Zukunftsängste um Arbeit und Ausbildung die arbeitende Generation der Briten gegen die britische Politik umtreiben.

Currywurst und Frikandel

Auch die Kinder erzählten von ihren deutschen, niederländischen, deutsch-niederländischen, aber auch ganz anderen Wurzeln und ihren Erfahrungen, Sprachbarrieren zu überwinden. Manchmal helfe Plattdeutsch. Besonders gemeinsame Hobbys brächten einander näher und das Einkaufen von landesspezifischen Leckereien. Die jungen Niederländer sprachen von Currywurst und Bierschinken, die Rütenbrocker von frieten en pindasaus, frikandel und Käse, wobei sich bei Pizza alle einig waren. Allerdings machten viele ungläubige Gesichter, als Connemann von Zwieback mit „gestampften Mäuschen“ schwärmte. Erleichtert erfuhren die Kinder dann, dass es sich bei „gestampte muisjes“ um rosa-weiß oder blau-weiß gezuckerte Anissamen handelt. Die Farben gehen auf die fast 100-jährige Tradition bei der Geburt eines Kindes zurück.

Deutlich zeigte sich die Zielsetzung dieses EU-Projekttags erreicht: In den Köpfen der Kinder gibt es die Grenzen kaum noch, auch wenn die Sprachen unterschiedlich klingen, eben so, wie sie anfangs einstimmig-zweisprachig gesungen hatten: „Gehen auf ihren Wegen sich ein Stück entgegen – Denken ohne Schranken, frei sind die Gedanken.“


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