Ausschuss will Arbeitskreis Harener Politik ringt um neues Konzept für Jugendarbeit

Die Kita St. Anna in Altharen ist stetig erweitert worden. Foto: Tobias BöckermannDie Kita St. Anna in Altharen ist stetig erweitert worden. Foto: Tobias Böckermann

Haren. Die kommunale Jugendarbeit in Haren soll neu aufgestellt werden. Um den richtigen Weg zum Neubeginn hat der Sozialausschuss gerungen.

CDU und SPD hatten zum Thema Jugendarbeit jeweils einen eigenen Antrag eingebracht. Anlass war die Jugendbefragung 2018. Sie hatte die rund 2000 Harener im Alter zwischen 12 und 18 Jahren um ihre Meinung zu ihrer Heimatstadt gebeten und nach Verbesserungsmöglichkeiten gefragt. 400 Jugendliche hatten teilgenommen, 80 Prozent von ihnen fühlen sich nach eigenem Bekunden wohl in Haren.

Aber es gab auch Kritik. So erschien das Jugendzentrum in der Innenstadt nur wenigen attraktiv und erhielt durchweg schlechte Noten. Bürgermeister Markus Honnigfort hatte damals erklärt, die Ergebnisse der Befragung seien ein Auftrag an alle Harener, sich mit dem Thema Jugendarbeit zu beschäftigen.

Die CDU hat nun vorgeschlagen, der Stadtrat möge ein Konzept für die Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendarbeit auf den Weg bringen, das von den zuständigen Gremien beraten und verabschiedet wird. Fraktionschef Holger Cosse erläuterte, die Erarbeitung solle ein moderierter Arbeitskreis übernehmen, dem Stadtjugendring, Schulen, Kirchen, Jugendzentrum, Präventionsrat sowie Vertreter von Rat und Verwaltung angehören sollten.

Ergebnisse berücksichtigen

Das Konzept solle die Ergebnisse der Jugendbefragung berücksichtigen und alle Akteure vernetzen. Und außerdem solle es als Grundlage für die Erarbeitung eines Anforderungsprofils für die Arbeit der Stadtjugendpflege dienen. Ob also eine weitere Kraft für die Stadtjugendpflege eingestellt werden müsse und solle, und auf welcher Grundlage er oder sie dann tätig sei und welches Anforderungsprofil zu erfüllen sei, das könne man erst entscheiden, wenn man erarbeitet habe, wie die Jugendarbeit in Zukunft aussehen solle.

Genau an diesem Punkt war die SPD anderer Meinung. Sie hatte vorgeschlagen, so schnell wie möglich einen Stadtjugendpfleger einzustellen, damit dieser sich professionell bereits am Prozess der Erneuerung der Jugendarbeit beteiligen könne. Haren beschäftigt derzeit mit Günter Krüssel bereits einen Stadtjugendpfleger, er ist aber hauptsächlich mit der Sozialarbeit an den Harener Schulen beschäftigt.

„Diese Arbeit kritisieren wir auch in keiner Weise“, sagte Heinrich Schepers (SPD). „Wir wollen uns aber nun auch um jene Bereiche der Jugendarbeit stärker kümmern, die außerhalb der Schulsozialarbeit liegen.“

Holger Cosse blieb in der anschließenden Debatte bei der bisherigen Linie. „Wir wollen erst wissen, was getan werden muss und dann, wenn nötig, personell reagieren“. Dass aber inhaltlich etwas getan werden müsse, sei unstrittig.

Zeitpunkt strittig

Heinrich Schepers betonte, es sei von Vorteil, wenn externe Experten in den Prozess eingebunden seien. Das schloss Carina Seelhorst (CDU) ausdrücklich nicht aus, aber personelle Entscheidungen solle es aus Sicht ihrer Fraktion erst später geben. Erster Stadtrat Dieter Sturm wies darauf hin, dass eine Neueinstellung ohnehin erst 2020 auf Grundlage eines neuen Stellenplanes möglich sei, wenn denn so entschieden würde. 

Am Ende enthielt sich die SPD beim Antrag der CDU, die diesen mit ihrer Mehrheit beschloss. Die SPD scheiterte dagegen mit ihrem Antrag, einen Stadtjugendpfleger schon früher einzustellen. Letztlich muss der Stadtrat in seiner Sitzung Ende März entscheiden. Vermutlich wird er aber der Empfehlung des Ausschusses folgen und zunächst die Erarbeitung eines Konzeptes in Auftrag gegeben.

Vor der Sitzung im Ratssaal hatte der Ausschuss die Kita St. Anna in Altharen besichtigt. Dort hatte die Stadt Haren seit 2010 immer wieder den An- und Ausbau finanziell gefördert – von 2,2 Millionen Euro Gesamtkosten trug sie 1,2 Millionen.

Groß und hell.


Gisela Nüsse und Barbara Schulte von der Kita-Leitung berichtete, die Einrichtung sei mit sechs Gruppen in verschiedenen Altersstufen und 123 Kindern nun bei ihrer Maximalgröße angekommen.

Genügend Kitaplätze

In der Stadt Haren steht zum Sommer 2019 allen Kindergartenkindern ein Betreuungsplatz zur Verfügung. Allerdings muss bei den Krippenplätzen noch weiter investiert werden.

Das hat Erster Stadtrat Dieter Sturm dem Ausschuss für Bildung und Soziales mitgeteilt. Demnach rechne man nach derzeitigem Stand zum Start des Kita-Jahres im August mit 887 Kindern bis sechs Jahren, die einen Platz in der Kita benötigen.

Weil die von Vitus betriebene Kita „Ankerplatz“ beim Hallenbad planmäßig im Sommer den Betrieb aufnehmen werde, könne allen Kindergartenkindern ab 3 Jahren der staatlich garantierte Betreuungsplatz angeboten werden, sagte Sturm. Allerdings sei es nicht möglich, alle Kinder wohnortnah unterzubringen – einige müssten auch aus einem Ortsteil in die Innenstadt gebracht werden.

Und für einen Teil der Kitakinder, die mehr als 2,2 Kilometer von der Einrichtung entfernt wohnen, bietet die Stadt Haren freiwillig einen Bus an, der zum Beispiel Kinder aus Tinnen nach Emmeln bringt. Dass dieses Angebot nicht für alle gelte, kritisierten drei Mütter aus Tinnen, deren Kinder in Emmeln keinen Platz erhalten haben und zum Ankerplatz gebracht werden müssen.

Bus nicht für alle möglich

Dieter Sturm bedauerte diesen Umstand, erläuterte aber, dass gerade die neue Kita Ankerplatz von Kindern auch aus anderen Ortsteilen besucht werden müsse, damit allen ein Platz zur Verfügung stehe. „Es ist schlichtweg nicht mehr möglich, für alle Kinder in allen Kitas einen Bus zu finanzieren“, sagte Sturm. Schon jetzt koste dies die Stadt 100 000 Euro.

„Die Kitazeiten werden immer flexibler, die Anforderungen steigen. Die Politik muss wohl ohnehin überlegen, ob die Beförderung überhaupt weiter bezahlt werden soll. Das ist auch eine Frage der Gerechtigkeit gegenüber jenen, deren Kinder nicht gefahren werden können“, sagte Sturm.

Er erläuterte, auch das Angebot im schwer kalkulierbaren Krippenbereich müsse und werde man noch um mindestens 60 Plätze erweitern. So sei die Suche nach einem Standort für eine weitere Krippeneinrichtung kurz vor dem Abschluss. 2,2 Millionen Euro stehen bereit.

Förderung für Jugendgruppen

Der Ausschuss machte den Weg frei für die Änderung einer Richtlinie zur Förderung von Jugendgruppen und anerkannten Jugendgemeinschaften. Er reagierte damit auf die vor kurzem vom Landkreis Emsland geänderte Richtlinie für diesen Bereich, der den Kreis möglicher Geldempfänger erweitert hatte – allerdings unter der Bedingung, dass die Kommunen ihrerseits auch ihren Förderanteil tragen.

Auf den Weg gebracht wurde auch eine Richtlinie über Aufgaben und Rechtsstellung eines Behindertenbeauftragten. Der Stadtrat hatte dessen Berufung beschlossen und die Stadtverwaltung hofft nun auf Bewerber für diese Tätigkeit, die im Sommer 2019 starten soll.

Der Verein Klangkultur Emsland erhält aus dem Kulturetat einen Zuschuss von maximal 1000 Euro für eine etwa dreistündige Konzertveranstaltung im Sommer. Sie soll im Pavillon auf den Emswiesen angeboten werden und das Neon Fields Festival ersetzen.


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