Umweltfreundlicher Antrieb Harener Spedition Wocken gibt (Erd-)Gas

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Präsentieren den neuen mit Flüssiggas betriebenen Lkw: Anton Wocken (l.) und Herstellervertreter Andreas Stricker. Foto: Tobias BöckermannPräsentieren den neuen mit Flüssiggas betriebenen Lkw: Anton Wocken (l.) und Herstellervertreter Andreas Stricker. Foto: Tobias Böckermann

Haren. Die Spedition Wocken aus Haren setzt künftig auch auf besonders umweltfreundliche Lkw-Zugmaschinen: Zwei nagelneue Fahrzeuge mit Flüssiggasantrieb sollen den Energieverbrauch und den Schadstoffausstoß der Flotte senken. Ein gutes Vorhaben mit einigen Fallstricken, wie Inhaber Anton Wocken am Freitag berichtete.

Denn der Harener beschreitet mit seiner Spedition gleich mehrfach Neuland. Nicht nur hat er nach eigenem Bekunden die ersten Zugmaschinen mit Flüssiggasantrieb im Emsland angeschafft – er muss auch darauf hoffen, dass bald weitere Tankstellen gebaut werden. Denn bislang gibt es bundesweit nur sechs.

Aber der Reihe nach. Die Spedition Wocken hat ihren Sitz in Emmeln an der B 70. Seit rund 90 Jahren ist die Familie Wocken im Fuhrgeschäft, rund 60 Zugmaschinen und 110 Auflieger für Güter aller Art und vor allem Schwerlasttransporte gehören zum Fuhrpark. Damit bringen Anton Wocken und seine Mitarbeiter vom Brückenbauteil bis zum Kampfjet alles Mögliche durch die Republik.

Und nun ergänzen also zwei Zugmaschinen vom Typ „Iveco Stralis Natural Power 460 LNG“ das Fahrzeugaufgebot. 12,9 Liter Hubraum und 460 PS sorgen für ausreichende Zugkraft, aber befeuert werden sie nicht mit Diesel, sondern mit LNG, „liquid natural gas“, also Flüssiggas. Das Fahrzeug transportiert sie in zwei großen Tanks, die am beiden Seiten platziert sind und getankt wird nicht in Liter, sondern nach Kilogramm.

Natural power – mit diesem Werbeschriftzug macht das Unternehmen auf den neuartigen Antrieb aufmerksam.


Was bei Autos für sparsamen Vortrieb sorgt, funktioniere auch bei Lastwagen, berichten Spediteur Anton Wocken und Andreas Stricker von der Firma „Iveco Bartels“ in Dörpen, die die Fahrzeuge ausgeliefert hat. Zehn Prozent weniger Kraftstoffverbrauch verspricht der Hersteller, 15 Prozent geringere Kraftstoffkosten, 99 Prozent weniger Rußpartikel, 15 Prozent weniger CO2 und auch: 90 Prozent weniger Stickstoffdioxid NO2.

Stickstoffdioxid ist der Auslöser der Dieselkrise in Deutschland – eine deutliche Reduzierung erscheint natürlich attraktiv. Tatsächlich nennt Anton Wocken vor allem den Umweltgedanken als Auslöser für seine Investitionsentscheidung. Denn dass er die Kosten für die beiden Zugmaschinen schnell wieder hereinfahren kann, damit rechnet er noch nicht. „Die Anschaffung hat pro Fahrzeug 40 000 Euro mehr gekostet als ein herkömmliches“, berichtet er.

Dem müsse man eine staatliche Förderung von 12000 Euro gegenüberstellen sowie eine Befreiung von der Lkw-Maut für zwei Jahre. Bei erwarteten 110000 Kilometern Fahrleistung erscheint das gemeinsam mit der Spritersparnis attraktiv. Allerdings gebe es noch ein großes „Aber“, sagt Wocken.

Zwei große Tanks werden mit Flüssiggas betankt.


Denn bislang gebe es deutschlandweit nur sechs Tankstellen für das auf minus 162 Grad Celsius heruntergekühlte und damit verflüssigte Erdgas. „Die nächsten sind in Hamburg, Duisburg und Dortmund.“ Und das bedeute eine ausgeklügelte Tourenplanung und, da ist sich Wocken sicher, „einige Umwege und damit Mehrkosten.“

Leider sei Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern wie den Niederlanden in Sachen LNG für Lastwagen noch Entwicklungsland, allein bei den Nachbarn gebe es inzwischen 28 Tankstellen, berichtet Andreas Stricker.

Aber für Anton Wocken war die Entscheidung trotzdem klar. Er will Vorreiter sein, weil sich ansonsten gar nichts bewegen würde. Außerdem sei der Neubau einiger Tankstellen in Planung, was dann die Nutzung der neuen Lkw erleichtere.

Hier wird eingefüllt.


Seine beiden Fahrer Manfred Hüsers und Manfred Schleper waren bei der Abholung in Ulm dabei. Sie haben eine spezielle Schulung für den Tankvorgang absolviert und müssen auch im Blick haben, dass sie die erwartete Reichweite von 1100 Kilometern pro Tankfüllung auch schaffen.

Etwa 100 dieser LNG-Lkw sind deutschlandweit bisher im Einsatz oder bestellt worden, berichtet Andreas Stricker. Anton Wocken rechnet damit, dass es deutlich mehr werden. „Als Übergangslösung ist der umweltfreundlichere LNG-Antrieb sicher sehr gut geeignet“, sagt er. Dass schon bald große Lastwagen elektrisch angetrieben werden glaubt er dagegen nicht. „Die Batterien sind einfach zu schwer.“


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