Neujahrsempfang der CDU-Fraktion „Harens Erfolg ist nicht selbstverständlich“


Haren. Der Neujahrsempfang der Harener CDU-Stadtratsfraktion am Samstagvormittag hat den Bogen gespannt zwischen der Freude über die allgemein ganz hervorragende Lage der Emsstadt und des Emslandes sowie der Schwächung der Institution EU und der Sorge um den zunehmenden Erfolg politischer Rattenfänger. Ehrengast war der CDU-Landratskandidat Marc-André Burgdorf.

Der Neujahrsempfang findet traditionell auf Einladung der CDU statt. Fraktionsvorsitzender Holger Cosse freute sich über einen komplett gefüllten Ratssaal und die gute wirtschaftliche Harens. Allerdings – und das zog sich wie ein roter Faden durch seine Ansprache – warnte er davor anzunehmen, Haren und dem Emsland sei es immer so gut gegangen wie heute und das werde auch für alle Zeit so bleiben.

Leidvolle Erfahrung habe man 2018 etwa mit dem Ende von Aero Ems gesammelt, das daran erinnere, dass wirtschaftlicher Aufschwung keine Einbahnstraße sei. 2018 habe man zum 100. Mal das Kriegsende 1918 gefeiert und damit die Geburtsstunde der ersten Demokratie in Deutschland. 2019 gebe der 30 Jahre zurückliegende Mauerfall ebenso Anlass zu dankbarer Erinnerung wie das 70-jährige Jubiläum der Bundesrepublik. „Aber bei all den Erfolgen der jüngeren Vergangenheit: Wir werden anfälliger für Demagogen und Populisten“, konstatierte Cosse. Angesichts von Fake News, der Verunglimpfung unliebsamer Journalisten auch in Europa und einer ganz allgemein komplizierter werdenden Welt sei die Sehnsucht nach einer vermeintlich „guten alten Zeit“ sogar verständlich.

„Die Welt der messbaren Fakten wird zunehmend unübersichtlicher“, sagte Cosse und das öffne das Feld für „politische Rattenfänger.“ Politik sei aber nicht immer ein ja oder nein, sondern bedeute steten Kompromiss. Im Sinne der Pflege guter und bewährter Traditionen sei der Blick zurück vollkommen also in Ordnung und wichtig. Er dürfe aber nicht zur Grundlage der politischen Agenda werden.“

„Unsicherheit nimmt zu“

Ähnlich äußerte sich auch Marc-André Burgdorf, Landratskandidat der CDU. „Uns Deutschen geht es ganz hervorragend, so gut wie nie“, stellte er fest. Und das sähen Umfragen zufolge auch die allermeisten Bürger so. Dennoch nehme die empfundene Unsicherheit zu – auch angesichts von Politikern wie Trump, Putin und Erdogan.

„Auch das Bild der EU hat Risse bekommen durch den Brexit oder die fehlende Solidarität im Zuge der sogenannten Flüchtlingskrise 2015 und 2016“, sagte Burgdorf. Der Trend zu radikalen Parteien sei greifbar, aber Radikale wollten nicht den Kompromiss, sondern ihre Auffassung dessen, was angeblich richtig sei, mit allen Mitteln durchsetzen.

Auch Bürgermeister Markus Honnigfort rief wie die beiden anderen Redner dazu auf, im Mai an den Wahlen zum EU-Parlament teilzunehmen und so die Demokratie zu stärken. In Haren werden dann auch zwei weitere wichtige Ämter vergeben: Das des Landrates und das des Bürgermeisters.

„Macher und Anpacker“

Honnigfort gab einen Überblick über die vielen Investitionsvorhaben, die für 2019 beschlossen worden seien. Unter anderem werde man ein weiteres Krippenhaus bauen, das den immer weiter steigenden Bedarf an Kleinkindbetreuung abdecken soll. Der Umbau des Emsparkstadions, Investitionen in Bildung, Dorferneuerung, die Ortsdurchfahrt Wesuwe, die Busemühle, die zum Maczkow-Museum und zur Geschichtswerkstatt werden soll: Die Liste der Aufgaben ist lang ( wir berichteten).

Honnigfort dankte allen, die das Gemeinwohl an verschiedener Stelle förderten und war sich dabei einig mit Marc-André Burgdorf. Dieser blickte ebenfalls auf 2018 zurück und zwar aus Sicht des Landkreises. „Wir sind quasi schuldenfrei, die Arbeitslosigkeit ist auf einem Rekord-Tiefststand, wir investieren 130 Millionen Euro. Wir können zufrieden sein“, sagte Burgdorf.

Allerdings wäre es fatal, das was geschafft wurde, als selbstverständlich anzusehen. Das Emsland habe den Weg vom Armenhaus Deutschlands zur Vorzeigeregion nur aufgrund der Mentalität der Menschen geschafft, einer „Macher- und Anpacker-Mentalität.“ „Hier wartet man nicht, bis einem geholfen wird, hier hilft man sich und anderen nach Möglichkeit selbst“, lobte er. Aber gerade deshalb sei es wichtig, an jene Vergangenheit zu erinnern, in der nicht alles so gut war.

Besonderer Dank ging an die Feuerwehren, die im Zuge des Moorbrandes so tatkräftig dabei geholfen hätten, die befürchtete Katastrophe zu verhindern. Burgdorf kritisierte die WTD 91 für ihre Fahrlässigkeit, betonte aber: „Wir stellen die WTD an sich in keinster Weise in Frage.“

Den musikalischen Rahmen für den Neujahrsempfang boten Katja Kupke und Wolfgang Hockmann. Die Sternsinger hatten zu Beginn den Ratssaal besucht und Spenden eingesammelt.


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