Laut Protokoll mit 119 Km/h Oldtimer-Trecker aus Haren-Wesuwe auf A3 bei Köln geblitzt?

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119 Stundenkilometer schnell soll der Oldtimer-Traktor von Hans Kappen aus Wesuwe gefahren sein. Das jedenfalls behauptet die Stadt Köln. Foto: Harry de Winter119 Stundenkilometer schnell soll der Oldtimer-Traktor von Hans Kappen aus Wesuwe gefahren sein. Das jedenfalls behauptet die Stadt Köln. Foto: Harry de Winter

Haren. Der vermeintlich schnellste Trecker des Emslandes steht in Haren-Wesuwe. Das jedenfalls behauptet die Stadt Köln. Auf der Autobahn 3 in der Domstadt soll der Farmall-Traktor, Baujahr 1957, von Hans Kappen mit 119 Stundenkilometern bei erlaubten 100 Km/h geblitzt worden sein. Nun soll der Emsländer 30 Euro Strafe zahlen.

Hans Kappen aus Haren-Wesuwe liebt seinen Trecker. Der Farmall International D324, Baujahr 1957, gehört seit 1967 zur Familie und wird gehegt und gepflegt. 2013 gönnte er dem inzwischen 61 Jahre alten Gefährt sogar eine kostspielige Komplett-Restauration, die fast ein Jahr dauerte. Er fährt mit ihm gerne zu Oldtimer-Treffen und unternimmt mit seiner Frau und den Enkelkindern Ausfahrten durch das Emsland. Dabei geht es immer gemächlich zu. Die 24 PS des Drei-Zylinder-Dieselmotors beschleunigen den Traktor auf maximal 20 Stundenkilometer. 

Der Traktor, Baujahr 1957, gehört fest zur Familie Kappen. Foto: Harry de Winter


Post aus Köln

Mitte November landete ein Brief der Stadt Köln im Postkasten der Kappens. "Ich dachte, das wäre nur Werbung und habe den Brief erstmal nicht weiter beachtet", sagt der 68-Jährige im Gespräch mit unserer Redaktion. "Meine Tochter hat das Schreiben dann aber später geöffnet und kam aus dem Lachen gar nicht mehr heraus." 

Seit einem Schlaganfall vor ein paar Jahren kann der Emsländer nicht mehr so gut sehen. Deshalb las seine Tochter ihm den Brief vor. "Ich konnte das gar nicht glauben, was da stand. Das konnte ja nicht möglich sein", sagt er. "Trotzdem habe ich mir natürlich Gedanken gemacht, wie das wohl zu Stande gekommen ist." 

Sogar der Hersteller des Treckers ist in der schriftlichen Verwarnung aufgeführt. Foto: Harry de Winter


Traktor soll 119 Stundenkilometer gefahren sein

Bei dem Brief handelte es sich im eine schriftliche Verwarnung mit Verwarnungsgeld. Der Vorwurf der Stadt Köln: Am 26. Oktober um 19.13 Uhr soll der Traktor auf der A3 bei Königsforst in Fahrtrichtung Oberhausen mit 119 km/h unterwegs gewesen sein. Erlaubt sei hier aber nur Tempo 100. Wegen der überhöhten Geschwindigkeit werde eine Strafe von 30 Euro fällig. "Sogar das Fabrikat des Treckers stand in dem Schreiben", sagt Kappen. "Spätestens da hätte doch auffallen müssen, dass da etwas nicht stimmen kann." 

Doch das Kennzeichen war klar angegeben. Beim genaueren studieren der schriftlichen Verwarnung wurde der Fehler dann deutlich. Das Blitzerfoto zeigte einen silbernen Ford mit DEL-Kennzeichen, also der Stadt Delmenhorst bei Bremen. Dessen Kennzeichen war bis auf das D am Anfang mit dem des Traktors identisch. "Die müssen wohl aus dem DEL ein EL gemacht haben", vermutet der 68-Jährige. 

Mit 20 Km/h Höchstgeschwindigkeit ist es für den Traktor unmöglich, die gemessenen 119 Stundenkilometer zu erreichen. Foto: Harry de Winter

Nummernschild falsch abgelesen

Umgehend legte Kappen Widerspruch gegen das Schreiben ein, schließlich wollte er der Stadt Köln und dem wahren Verkehrssünder keine 30 Euro schenken. Dem Brief legte er auch ein Foto von seinem Trecker bei und bat darum, es sich genau anzusehen und das Nummernschild richtig abzulesen. 

Auf Nachfrage unserer Redaktion räumte die Stadt Köln den Fehler ein: "Leider wurde bei der manuellen Erfassung des Fahrzeugkennzeichens ein Buchstabe vergessen", so eine Sprecherin der Stadt. 

Die Überprüfung des Sachverhalts sei durch das beigelegte Foto von dem Trecker sehr einfach gewesen und habe die Verwechslung bestätigt. "Herr Kappen braucht selbstverständlich kein Bußgeld zu befürchten. Ein entsprechendes Schreiben mit einer Entschuldigung ist bereits unterwegs an ihn. Das Ordnungsamt bedauert die Verwechslung und die Unannehmlichkeiten für Herrn Kappen und bedankt sich ausdrücklich auch für seine konstruktive Mitarbeit bei der Aufklärung" , so die Sprecherin.

Der korrekte Bußgeldbescheid an den richtigen Fahrzeughalter sei ebenfalls schon unterwegs.


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