Schotter und Wasser in rauen Mengen Moorbrand bei Meppen: Feuerwehr und Pioniere dämmen Brandherde ein

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Mit großem Aufgebot und viel Technik bewässert die Bundeswehrfeuerwehr die Tinner Dose bei Tinnen.Mit großem Aufgebot und viel Technik bewässert die Bundeswehrfeuerwehr die Tinner Dose bei Tinnen. 

Meppen/Haren. Die Bundeswehr hat das Moorfeuer im Emsland offenbar endlich im Griff: Die Zeichen stehen trotz eines Sabotagefalls auf Entspannung und der Landkreis Emsland hat am Donnerstag den Katastrophenfall aufgehoben.

Untersuchungen mit Tornado-Flugzeugen, unbemannten Drohnen und durch ein Geologenteam am Boden haben einige Fragen beantwortet und neue aufgeworfen – aber vor allem haben sie das Stochern im Brandrauch beendet, das die WTD 91 im Moor zwischen Meppen, Stavern und Tinnen annähernd zwei Wochen beschäftigt hat. 

Höhe 8000

Am Donnerstagmorgen jedenfalls hat die Bundeswehr die Medien zu einer Begehung von Teilen des Einsatzgebietes eingeladen und fährt die Journalisten mit einem Bus auf die Tangerheide, Höhe 8000. Hier, also in 8000 Metern Entfernung von der Abschussbasis in Meppen, kämpft die Bundeswehrfeuerwehr den derzeit vielleicht wichtigsten und vielleicht auch letzten Kampf. Denn auf Höhe des zu Haren gehörenden Dorfes Tinnen schwelt das Feuer noch tief im Moor – „wie tief genau, das ermitteln wir gerade“, sagt Einsatzleiter Oberst Thomas Groeters.

Aus dem seitlichen Schießplatzrandgraben wird Wasser entnommen. Die Wasserwerfer zielen von einem Sandweg aus darüber hinweg ins Moor. Foto: Tobias Böckermann

Löschwasser aus Schießplatzrandgraben

Flammen sind hier nicht zu sehen, kein Rauch umhüllt Feuerwehr und Fernsehteams. Nur manchmal, wenn nämlich eines der geländegängigen Löschfahrzeuge seinen Wasserwerfer auf verbrannte Moorheide richtet, dann trägt der Wind Brandgeruch herüber. Immer wieder werden drei Löschfahrzeuge im Wechsel aus dem seitlichen Schießplatzrandgraben befüllt. Er dient eigentlich der Entwässerung der Tinner Dose, wird aber in diesen Tagen aus einer kilometerlangen Schlauchleitung mit Wasser aus der Nordradde aufgestaut.

Auch ein Löschhubschrauber ist wieder im Einsatz. Foto: Tobias Böckermann

Ein Hauch von Fisch und Modder

Wenn dann der Wind nicht nur Brandrauch, sondern auch Gischt aus den auch stationär eingesetzten Hochleistungswasserwerfern verwirbelt, dann mischt sich in den Brandgeruch auch ein Hauch von Fisch und Modder. Aber die tagelange Arbeit hat Erfolg. Denn Aufklärungsflüge mit dem Kampfjet Tornado und weitere Untersuchungen haben Erkenntnisse geliefert, die letztlich wohl auch dazu geführt haben, dass der Katastrophenfall aufgehoben werden konnte.

Mit starken Pumpen wird Wasser ausgebracht, um die unter der Oberfläche schwelenden Brände zu kühlen. Foto: Tobias Böckermann

Einsatzkräfte teilweise schon abgezogen

„Wir haben festgestellt, dass im Osten des Brandgebietes, also auf Staverner Seite, die Torfauflage nur sehr gering ist und es dort auch nur bis in zehn oder 20 Zentimeter Tiefe gebrannt hat“, sagt Andreas Sagurna, Leiter des Zentrums Brandbekämpfung der Bundeswehr. Gefährliche, weil unberechenbare Tiefenbrände könne er dort somit inzwischen ausschließen, ergänzt Oberst Groeters, sodass es ausreiche, den eingebrachten Brandriegel beizubehalten und durch wenige Soldaten statt viele Feuerwehrleute bewachen zu lassen. Einen Teil der freiwilligen Feuerwehren habe man aufgrund der entspannten Lage bereits abgezogen. 


Viel Arbeit bei der Wasserverteilung. Foto: Tobias Böckermann

Unter dem Torf liegt unbrennbarer Sand

Erstaunlicherweise hatte man nicht genau gewusst, wie tief die Torfauflage in der Tinner Dose überhaupt ist. Klar ist: unter dem Torf liegt unbrennbarer Sand, aber das Moor darüber kann zumindest potenziell brennen. Aber wie tief? Und wo genau? Wenn keine oberflächlichen Flammen zu sehen sind, wird die Diagnose ohne aufwendige Technik zum gefährlichen Ratespiel. Denn Feuerwehren haben begründete Angst davor, dass sich das Feuer unbemerkt im Boden unter ihnen durchfrisst und sie dann von unerwarteter Seite in Gefahr bringt.

Auch ein kurzes Stück ins Moor sind die Feuerwehren vorgedrungen. Foto: Tobias Böckermann

Torf bis in sechs Metern Tiefe

„Wir wissen aber inzwischen, dass wir von maximal sechs Metern Torfauflage ausgehen können“, sagt Groeters. Die Auswertung von Radarbildern habe zudem ergeben, dass sich nur noch im westlichen Bereich des Naturschutzgebietes, nämlich vor Tinnen, tief liegende Glutnester befänden. „Und die können wir durch stetige Bewässerung herunterkühlen und ersticken.“

Außerdem ist wieder ein Brandlöschhubschrauber im Einsatz – dem Vernehmen nach fliegt er 19 mal pro Tag gezielt Glutnester an und lässt über ihnen jeweils 5000 Liter Wasser ab, um sie zu löschen.

In den Randbereichen sind Schäden zu erkennen - zumeist oberflächlich. Foto: Tobias Böckermann

Tonnenweise Schotter

Weiter geht die Journalistenfahrt nach Norden. Einmal um die Tinner Dose herum in die Sprakeler Heide, ein angrenzendes trockenes Heidegebiet. Soldaten des Spezialpionierregiments 164 aus Husum lassen hier den Sandboden beben: 13 Muldenkipper und eine Raupe werfen tonnenweise Schotter auf vorhandene Sandwege. Eine Walze rüttelt den Belag fest. „So stellen wir den Zugang zum Brandgebiet sicher“, sagt Oberst Groeters. Auch das Bundeswehrdienstleistungszentrum aus Leer ist im Einsatz und stellt seinen Mulchrob, ein geländegängiges Kettenfahrzeug.

In der Sprakeler Heide bauen Bundeswehrpioniere die Sandwege aus. Foto: Tobias Böckermann

Unbekannte zerstören Schlauchleitung

1447 Einsatzkräfte sind am Donnerstag damit immer noch vor Ort. Entlang der sogenannten Panzerstraße rollen Feuerwehrkräfte die ersten Schläuche zusammen und ziehen ab. Dass Unbekannte in der Nacht zum zweiten Mal eine Schlauchleitung zerstört haben, erbost viele. Denn im Zweifelsfall könnte ein Feuerwehrkamerad oder eine Kameradin im Feuer stehen und vergeblich auf Wasser warten.

Zur ins Moor eingebrachten Wassermenge gab es derweil überraschend neue Angaben. So werden nicht wie bisher von der Bundeswehr mitgeteilt, dauerhaft 20000 Liter pro Minute ins Moor gepumpt, sondern die theoretische maximale Pumpleistung liegt in dieser Höhe.

Hohe Wasserleistung ist nötig. Foto: Tobias Böckermann

Andreas Sagurna und Thomas Groeters sind sehr zufrieden mit den Fortschritten. „Die Lage ist im Griff, wir untersuchen jetzt vor Tinnen, wie tief das Moor ist und wie tief der Brandherd liegt.“ Aber wann die letzten Einsatzkräfte abziehen könnten, stehe noch in den Sternen.


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