14-Jährige sechs Monate im Emsland Harener Familie hat Gast aus Namibia

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Haren. Sechs Monate wird die 14-jährige Kaya San, die eigentlich mit ihrer Familie in Windhoek in Namibia lebt, in Haren verbringen und dort auch das Gymnasium besuchen. Mit unserer Redaktion sprach sie über die Vor- und Nachteile des Lebens im Südwesten Afrikas, das erste Feuerwerk ihres Lebens und Schulkleidung.

Mit einem fast akzentfreien Deutsch meistert die junge Namibianerin das Gespräch mit dem Schreiber dieser Zeilen. Deutsch-Namibianerin muss man korrekterweise sagen. Denn sowohl ihre Mutter Angelika, als auch ihr Vater Hu-De haben deutsche Vorfahren. Wann die in das sudwestafrikanische Land ausgewandert sind, weiß Kaya San gar nicht genau. „Zuhause sprechen wir jedenfalls fast ausschließlich deutsch“, sagt die 14-Jährige, die in Windhoek auch eine deutschsprachige Schule besucht. Ebenfalls fließend spricht sie die zweite Amtssprache englisch, Afrikaans, eine anerkannte Minderheitensprache in Namibia, hat sie in der Schule gelernt.

In Deutschland war sie zuletzt, als sie fünf Jahre alt war. Erinnerungen daran hat sie nicht, wie sie sagt. Als sie im Juli ins Emsland kam, war sie deshalb auch sehr beeindruckt von der Landschaft und den Menschen hier. „Obwohl es im Sommer ja sehr warm hier war, ist alles so grün, es gibt viele schöne Wasserflächen wie Seen und Flüsse“, sagt die 14-Jährige, die mit ihrer Familie in einem sogenannten Plot, einer kleinen Farm etwa 30 Kilometer vom Zentrum Namibias entfernt, wohnt. „Aus Sicherheitsgründen mit Gittern vor den Fenstern und einem Elektrozaun um das Grundstück“, wie sie berichtet. Das sei auch der größte Unterschied zum Leben im Emsland. „Hier kann ich jederzeit mit dem Fahrrad oder zu Fuß in der Natur unterwegs sein und Schulfreunde treffen. Das ist in Namibia nur ein bis zwei Mal im Monat möglich.“

Von Feuerwerk bei Pünte-Tagen beeindruckt

In Haren besucht sie gemeinsam mit der 13-jährigen Janna, der ältesten Tochter ihrer Gasteltern Holger und Dunja Gerdes, die Klasse 9c des Gymnasiums. Der Einstieg in den Unterricht fiel ihr dabei nicht schwer, weil die deutsche Schule in Windhoek viele Lehrpläne aus Deutschland übernommen hat. Einzig Afrikaans lernt sie alleine in der Bibliothek, wenn in der Klasse Französisch oder Latein unterrichtet wird. Beeindruckt sei sie von den Pünte-Tagen, dem maritimen Stadtfest in Haren, und dabei insbesondere vom Feuerwerk gewesen. „So etwas gibt es in Namibia nicht, wohl auch wegen der Trockenheit“, vermutet die 14-Jährige.

An Namibia vermisst sie beispielsweise die Musik ihres Vaters. Der ist nämlich als Profi-Musiker unterwegs, spielt als Sänger und Saxophon-Spieler in mehreren Bands. Dessen Auftritte besucht die gesamte Familie regelmäßig. Auch die vielen Tiere auf der heimischen kleinen Farm vermisst sie. Dort leben drei Hunde, eine Katze sowie mehrere Truthähne und Gänse. Was sie definitiv nicht vermisst, ist die Schuluniform, die in Namibia getragen werden muss. „Wobei es auch in Windhoek ,Casual-Days‘ gibt, also Tage, an denen alles getragen werden darf“, betont Kaya San gar nicht genau.

Übernahme des Betriebs der Mutter keine Option

Ob sie nach dem Abitur in Windhoek in Deutschland eine Ausbildung macht oder ein Studium beginnt, wie es bereits die älteren Geschwister Tom (20) und Lea (17) getan haben beziehungsweise werden, steht für Kaya San noch nicht fest. Vorstellen kann sie es sich jedenfalls. Eines steht für die aufgeschlossene junge Deutsch-Namibianerin aber fest: Den Betrieb ihrer Mutter, die Farben für die Wandgestaltung herstellt und vertreibt, möchte sie nicht übernehmen.


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