Polizei beklagt massive Missstände Jugendschutzproblem bei Harener Tanzabenden

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Einige Schützenfeste in Haren, beziehungsweise der in deren Rahmen stattfindende Jugendtanz, haben ein massives Jugendschutzproblem. Foto: Tobias Hase/dpaEinige Schützenfeste in Haren, beziehungsweise der in deren Rahmen stattfindende Jugendtanz, haben ein massives Jugendschutzproblem. Foto: Tobias Hase/dpa

Haren. Einige Schützenfeste in Haren, beziehungsweise der in deren Rahmen stattfindende Jugendtanz, hatten 2018 ein massives Jugendschutzproblem. Das hat der Leiter der Polizeistation, Thomas Hamm, dem Präventionsrat der Stadt Haren berichtet.

Der Präventionsrat besteht aus Vertretern von rund 20 Organisationen und der Verwaltung. Er beschäftigt sich seit Ende der 1990er Jahre mit Themen wie der Sucht- oder der Verbrechensprävention. Zwei Mal im Jahr trifft sich der Arbeitskreis unter der Leitung von Harens Erstem Stadtrat Dieter Sturm.

Bei der jüngsten Sitzung berichtete Thomas Hamm von der Harener Polizei über vorläufige Trends bei der Kriminalitätsentwicklung im ersten Halbjahr und über das Jahr 2017. Dabei wurde deutlich: Die Gesamtsituation ist zu Jahresbeginn ähnlich wie in den Vorjahren und damit weitgehend entspannt. Aber ein Problem stellte Thomas Hamm deutlich heraus: Den Jugendtanz bei drei Schützenfesten im Harener Stadtgebiet.

Denn bei den Veranstaltungen in Emmeln, Altharen und Altenberge habe man ein „absolut verheerendes Bild“ vorgefunden. So sei das Jugendschutzgesetz massiv missachtet worden sowohl beim verbotenen Einlass von Kindern und Jugendlichen als auch beim Ausschank von Alkohol. „Wir mussten allein bei einer der Veranstaltungen mehr als 100 Platzverweise aussprechen“, berichtete Hamm den Präventionsrat.

Die Zustände seien untragbar gewesen und die Polizei bereits mit den Schützenvereinen, die in der Regel nicht Veranstalter des Jugendtanzes seien, in Kontakt getreten. „Es wird weitere Gespräche geben“, sagte Hamm. Dieter Sturm betonte, die Alkoholprävention bleibe weiterhin einer der Schwerpunkte des Gremiums.

100 Platzverweise

Ein kaum lösbares Problem habe sich vor allem 2017 durch Graffiti-Schmierereien ergeben, sagte Thomas Hamm. An die meist jugendlichen Täter komme man kaum heran, der Schaden sei dabei sehr hoch gewesen.

Ein relativ neues Phänomen stelle zumindest in der Anzahl der Missbrauch sozialer Medien für „Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung“ dar. Darunter verstehe man nicht nur zum Beispiel Vergewaltigungen oder Missbrauch, sondern auch das Verteilen pornografischer Filme im Internet oder über WhatsApp. Immer häufiger seien dabei Jugendliche selbst Gegenstand dieser Filme und auch Verbreiter des Materials.

Jugendbefragung

Erste Ergebnisse der Kinder- und Jugendbefragung „ #sagsuns “ stellte Dieter Sturm vor. Vor den Sommerferien hatte die Stadt Haren mit Hilfe eines Beratungsbüros in Erfahrung bringen wollen, was die Kinder und Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahren bewegt. Insgesamt beteiligten sich 402 Menschen dieser Altersgruppe und die gute Nachricht lautete: rund 80 Prozent von ihnen fühlen sich wohl in Haren.

Ein Drittel ist in einem Verein aktiv, den meisten fehlt aber nach eigener Aussage das passende Angebot auf Vereinsebene. Auch das Jugendzentrum erscheint vielen nicht sehr attraktiv – nur 18 Prozent besuchen es ab und zu. „Wir wollen nun herausfinden, ob und wie wir das Angebot verbessern können“, sagte Sturm. Freies WLAN sei als wichtigster Wunsch am häufigsten genannt worden.

Eine nicht immer ausreichende Mobilität beklagten viele Jugendliche, auch der Zustand von Hallen- und Freibad wurde intensiv bemängelt und der Wunsch nach eigenen Treffpunkten geäußert. Insgesamt ergaben sich viele Anknüpfungspunkte für die Politik. Sie wird die Studie noch im Sozialausschuss ausführlich besprechen.


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