Toleranzzucht gegen Varroamilbe Harener suchen die Superbiene

Meine Nachrichten

Um das Thema Haren Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Haren. Der Honigbiene macht seit vielen Jahrzehnten ein kleiner Parasit mit großer Wirkung zu schaffen: Die Varroa-Milbe schwächt Bienenvölker derart, dass sie weltweit als deren bedeutendster Schädling gilt. Nun versuchen Imker auch im Bienenzentrum Imme in Haren, Bienen zu selektieren, die sich selbst gegen die Milbe wehren können.

Die Varroa-Milbe stammt aus Asien und befiel ursprünglich nur die asiatische Honigbiene. Durch weltweiten Handel unter anderem mit Bienenvölkern gelangte sie aber im 20. Jahrhundert auch in die USA und nach Westeuropa. Varroa destructor (zerstörerische Milbe) befiel die Honigbiene und wurde zum bedeutendsten Problem der Imker.

Denn die Milbe schwächt die Biene sowohl direkt durch das Saugen der Hämolymphe (Insektenblut), als auch indirekt durch die Verbreitung von Viren und Bakterien. Ohne die Behandlung durch Gifte oder Säuren sterben die meisten Bienenvölker und nach langjährigem Einsatz sind einige Milbenstämme gegen die Chemie resistent geworden, immer mehr Bienen sterben.

Frage der Welternährung

Was also tun? Immerhin hängt rund ein Drittel des gesamten Weltnahrungsbedarfs der Menschen von der Bestäubung durch Insekten ab – hier spielen Honigbienen die wichtigste Rolle. Ihre Rettung gegen die Varroa-Milbe ist also nicht nur für die Bienen selbst überlebenswichtig.

Deshalb hat der niederländische Imker BartJan Fernhout nach einer Möglichkeit gesucht, die Bienen ohne chemische Mittel zu schützen. Stichwort ist die sogenannte „varroasensitive Hygiene“ (VSH). Bienenvölker, die über eine ausreichende genetische VSH-Veranlagung verfügen, öffnen im Bienenstock die Zellen von mit Varroa befallenen Bienenlarven und entfernen diese aus dem Stock. Dadurch wird die Vermehrung der Milben behindert und der Befall im Idealfall so stark gemindert, dass das Bienenvolk nicht mit chemischen Mitteln behandelt werden muss.

Abwehrverhalten

Das Problem: Nur vergleichsweise wenige Bienen zeigen dieses genetisch programmierte und nur zufällig entdeckte Abwehrverhalten. Ziel ist deshalb eine Toleranzzucht, die die Bienenvölker schrittweise resistent macht gegen ihren ärgsten Peiniger. Und genau das scheint BartJan Fernhout in Zusammenarbeit mit dem Landwirtschaftsministerium der USA auf Hawaii gelungen zu sein: Dort gibt es seit 2018 erste resistente Honigbienenvölker.

Allerdings benötigt die Welt Unmengen von resistenten Bienenvölkern, die bisher noch nicht zur Verfügung stehen. Außerdem gilt es, die genetische Vielfalt der Honigbienen nicht zu verengen, indem man nur auf die Eigenschaft VSH züchtet. Auch Sanftmütigkeit oder ein hoher Honigertrag müssen erhalten bleiben.

Deshalb suchen erste Imker weltweit in ihren eigenen Stämmen nach Bienen, die über einen gewissen VSH-Anteil verfügen, und versuchen, diesen zu erhöhen. Und hier kommt Gregor Konermann vom Bienenzentrum Imme-Bourtanger Moor ins Spiel. Er wollte vor rund zwei Jahren mit der Toleranzzucht beginnen und suchte nach Mitstreitern und Bienenvölkern, die als Ausgangsmaterial dienen könnten.

Hilfe aus Holland

Bei Andreas Scheibel vom Imkerverein Löningen wurde Konermann fündig. Denn Scheibel besaß ein Bienenvolk mit einem VSH-Index von 50 Prozent. 100 Prozent bedeuteten eine volle Resistenz. Mit Bienen aus dem Löninger 50-Prozent-Volk züchteten Konermann und weitere Mitstreiter weiter, zum Teil durch künstliche Befruchtung der Königinnen. Es entstanden rund 25 Völker, die nun in Haren untersucht wurden.

Sehr verkürzt gesagt haben die Imker die Bienen mit je 200 Varroa-Milben infiziert und untersuchen nach einer vorgegebenen Karenzzeit, wie stark sich die Milben vermehrt haben. Je mehr Bienen das Brutpflegeverhalten zeigen und befallene Larven aus dem Bienenstock entfernen, desto besser. Zur Feststellung des Resistenzindizes wird ein statistisches Verfahren verwendet, das auf der Untersuchung jeder einzelnen Brutwabe unter dem vergrößernden Binokular beruht. Unterstützt wurden die Harener von der 2013 von BartJan Fernhout gegründeten Organisation „Arista bee research“, deren Mitarbeiter Guillaume Misslin auch die Ausrüstung mitgebracht hat. Viel Arbeit also für die rund ein Dutzend Helfer aus dem Verein Imme, aus Löningen, Ostfriesland und den Niederlanden, die zwei Tage lang Wabe für Wabe öffnen mussten.

Am Ende konnte Guillaume Misslin tatsächlich einige Stämme entdecken, deren VSH-Wert angestiegen war. Insgesamt aber, so schätzt er, werde es mindestens vier Bienengenerationen brauchen, um eventuell zu einem resistenten Volk zu kommen. Deshalb werden weiter viele Mitstreiter gesucht. Gregor Konermann verspricht sich davon einiges: „Es wird viel Hokuspokus angepriesen rund um das Varroaproblem. Hier ist Wissenschaft am Werk und die Chance, dass wir weiterkommen auf jeden Fall größer.“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN