Für Zulieferer nicht zuständig Haren: Enercon kann Mitarbeiter-Wut verstehen

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ENERCON fordert eine Kehrtwende in der Poltik für die Erneuerbaren Energien.  Foto: Peter Förster/dpaENERCON fordert eine Kehrtwende in der Poltik für die Erneuerbaren Energien. Foto: Peter Förster/dpa

pm/ma Haren/Aurich. Die Geschäftsführung der ENERCON GmbH hat aus denselben Gründen nicht an dem Treffen in Emden mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier teilgenommen, die sie bereits dazu bewogen hatte, dem Termin in Hannover mit Niedersachsens Wirtschaftsminister Bend Althusmann fernzubleiben. Die SPD kritisiert derweil das Handeln als verantwortungslos.

In einer Pressemitteilung heißt es dazu: „Zum einen sind die eingeladenen Betriebsräte Mitglieder in den Arbeitnehmervertretungen der Zuliefererunternehmen, weshalb die ENERCON GmbH aus unserer Sicht der falsche Diskussionsteilnehmer ist. Zum anderen haben wir die jüngsten Maßnahmen bezüglich der Reduktion von Zuliefererverträgen am Heimatmarkt bereits ausführlich und wiederholt erläutert“, so Enercon-Presspsrecher Felix Rehwald.

Sozialverträgliche Lösungen

In Sachen Stellenabbau in den Zuliefererunternehmen stünden die jeweiligen Geschäftsführungen bereits mit ihren Betriebsräten im intensiven Dialog, um auf betrieblicher Ebene „sozialverträgliche Lösungen zu erarbeiten, die den Bedürfnissen der Mitarbeiter und den Gegebenheiten entsprechen – wo immer das möglich ist“.

Leider alternativlos

Die Reduzierung der Zulieferverträge sei aus unternehmerischer Sicht leider alternativlos. „Das heißt aber nicht, dass dieser lange und sehr intensiv überlegte Schritt ein leichter ist. Im Gegenteil, schmerzt auch uns diese Entwicklung und vor allem die Konsequenzen, die damit für die Menschen in den betroffen Betrieben einhergehen“, heißt es von der Enercon-Geschäftsführung. Sie könne den Wut und Enttäuschung der Mitarbiter verstehen.

Sozialpläne erarbeiten

„Es ist für uns selbstverständlich, dass die Geschäftsführungen der Betriebe mit ihren Betriebsräten Interessenausgleiche und Sozialpläne erarbeiten. Wir sind optimistisch, dass unseren Zulieferern dies gelingt. Wir bitten daher um Verständnis, dass wir uns auf keinerlei öffentliche Inszenierungen einlassen und uns stattdessen auf das Wesentliche konzentrieren: unsere Zulieferer zu unterstützen, wo immer wir können, und weiterhin unseren Beitrag zu leisten, dass das Langzeitprojekt Energiewende gelingt“, sagt Enercon.

ENERCON werde auch weiterhin auf den deutschen Markt setzen. Voraussetzung dafür sind aber geeignete Rahmenbedingungen wie erteilte Genehmigungen, Mitsprachemöglichkeiten der Bürger und ein zügiger Netzausbau. Hier sei jetzt die Politik gefordert, die nötigen Weichen zu stellen, um weitere Fadenrisse zu vermeiden.

SPD beklagt verantwortungsloses handeln

„Was bei dem Firmengeflecht ENERCON und AERO Ems abgeht, ist keine Frage der geänderten Rahmenbedingungen seitens der Politik, sondern eine Folge abgehobenen Verhaltens dieses Unternehmens“, sagt derweil die SPD-Kreisvorsitzende Andrea Kötter. Nach Ansicht des SPD-Kreisverbandes sei „ENERCON von der öffentlichen Hand massiv gefördert worden. „Jetzt in einer rezessiven Phase so zu tun, als hätte ENERCON mit AERO Ems nichts zu tun und die Arbeitnehmer im Regen stehen zu lassen, ist deshalb eine Verhöhnung der Politik des Emslandes“, empört sich die Kreisvorsitzende und Kreistagstagsfraktionsvorsitzende der SPD, Kötter.

Härte für Betroffene

Selbst bei der positiven Arbeitsmarktsituation im Emsland sei die Entlassung eine Härte für die Betroffenen und eine Zumutung für die Region. Kötter stellte fest, „dass wir die Ansiedlung in Haren gefördert haben, Straßen und Hafen wurden mit öffentlichen Mitteln gebaut oder ausgebaut“. Zu Recht könnten Beschäftigte erwarten, dass das Unternehmen innovative und kreative Lösungen entwickelt, um eine Weiterbeschäftigung möglich zu machen.

Strikte Verbote

Nicht hinnehmbar sei das Verhalten von ENERCON und AERO Ems gegenüber Betriebsräten und Gewerkschaftsvertretern. Gesprächsverbote mit Landespolitikern und Zugangsverbote für Gewerkschaftsvertreter seien ein „eindeutiges Zeugnis für eine unterentwickelte Sozialkompetenz der Manager“. Der SPD-Kreisverband fordert weitere Gespräche auf regionaler und Landesebene zum Erhalt der Arbeitsplätze. Wenn ENERCON und AERO dazu nicht bereit seien, müsse intensiv geprüft werden, ob die Unternehmen nicht zur Rückzahlung öffentlicher Fördermittel herangezogen werden können. Kötter: „Wer so verantwortungslos mit den Arbeitnehmern und der Öffentlichkeit umgeht, stellt sich selbst ins gesellschaftliche Abseits.“

Neue Chance

Unterdessen bestätigte AERO-Betriebsrat Rainer Hüring auf Anfrage der Redaktion, dass ein auswärtiges Unternehmen angefragt habe, ob Haren für sie etwas produzieren könnte. Hüring, der den Firmennamen nicht nennen wollte, fügte hinzu: „Der Auftrag würde unserem Tätigkeitsfeld entsprechen.“


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