Altmaier macht in Haren Station Eine Prise Emsland für den Netzausbau?

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Haren. Peter Altmaier will vorankommen mit der Energiewende. Deshalb hat der Bundeswirtschaftsminister auf seiner „Netzausbaureise“ am Mittwochabend in Haren Station gemacht. Denn hier klappt der Bau von Stromautobahnen – aber nur mit der Einschränkung „noch“, wie der Minister feststellen musste.

EKIZ “ nennt der Übertragungsnetzbetreiber Tennet eine Halle aus Stahl und Trapezblech, in der Mitarbeiter vor einigen Monaten Monitore, Schaukästen und Infotafeln aufgestellt haben. Tennet nutzt die Halle vorübergehend als Deutschlands erstes „Erdkabelinfozentrum“. Direkt neben einer der ersten Erdkabelbaustellen Deutschlands, in der später Wechselstrom durch den Boden geführt werden soll, wirbt das Unternehmen für Akzeptanz.

Und das ist ganz im Sinne von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Auf Einladung seiner Parteifreundin Gitta Connemann, in deren Wahlkreis das „EKIZ“ liegt, macht er auf seiner Netzausbaureise hier Station. Denn Deutschland hat ein Problem: Während auf hoher See und an der Küste immer mehr Windmühlen fleißig immer mehr Strom produzieren, hakt es bei dessen Transport gewaltig.

Die zuständige Bundesnetzagentur hält einen Zubau von 7700 Kilometern neuer Stromautobahnen für notwendig. Genehmigt sind 1750 Kilometer, gebaut 950. Die Energiewende könnte also schlicht an fehlenden Kabeln scheitern.

Das Problem: Freileitungen mit ihren Dutzende Meter hohen Masten möchte kaum jemand vor der Haustür haben. Umweltauflagen und wirtschaftliche Interessen der Kommunen, die zum Beispiel Gewerbegebiete gefährdet sehen, kommen hinzu. Allerorten wächst deshalb der Widerstand.

Kein Allheilmittel

Und das Allheilmittel Erdkabel ist bei genauer Betrachtung keines. Denn dessen Bau ist fünf- bis achtmal teurer als Freileitungen, die Technik ist zumindest für den Transport von Wechselstrom, nicht ausgereift genug. Es besteht Forschungsbedarf, der unter anderem in Haren abgearbeitet werden soll.

Dabei ist das Emsland von der Energiewende besonders betroffen. Auf der einen Seite verdienen Besitzer von Windrädern, Biogasanlagen und Solardächern prächtig am grünen Strom. Auf der anderen Seite werden gleich zwei Trassen durch den Landkreis gebaut – die weitgehend oberirdische 380-kV-Trasse Dörpen-Niederrhein ist bis Haren im Bau und wird auf einem drei Kilometer kurzen Teilstück als Erdkabel errichtet. Der zweite Abschnitt ab Haren ist aber umstritten und noch nicht planfestgestellt. Eine unterirdische zweite Trasse mit Gleichstrom soll schon bald dazu kommen. Und das ist erst der Anfang.

Viel Stoff also für Peter Altmaier, der mit seiner Netzausbaureise Lösungen suchen und vor allem einen neuen „Spirit“ generieren will. Neben dem Präsidenten der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD), Landrat Reinhard Winter und Harens Bürgermeister Markus Honnigfort waren auch Vertreter der Politik, unterschiedlichster Interessengruppen und ein ganzer Bus voll Journalisten aus der Bundeshauptstadt dabei, als Tennet-Chef Lex Hartmann sagte: „Im Emsland läuft der Bau der Stromtrasse ohne große Probleme.“ Den gesamten Netzausbau in Deutschland unterirdisch zu gestalten, hält er dennoch für derzeit noch technisch schwierig, vor allem aber unbezahlbar.

Und während bei einer Besichtigung der Baustellen einige Journalisten nach einer „Monstertrasse“ suchen, aber nur einen sehr breiten Kabelgraben und Masten einer Kabelübergangsanlage finden, stellt und beantwortet Altmaier Fragen, diskutiert über Techniken und Raumwiderstände. „Ich möchte etwas lernen“, sagt er, „und dann dafür sorgen, dass wir schneller werden. Dazu gibt es keine Alternative.“

Nicht immer durchs Emsland

Landrat Winter und Bürgermeister Honnigfort sehen das ähnlich, gerade deshalb habe man im Emsland auf kommunaler Ebene dafür gesorgt, dass der Bau des ersten Abschnitts der 380-kV-Trasse überhaupt möglich wurde. Honnigfort forderte aber, die Gesetze so zu ändern, dass nicht mehr die kürzeste Streckenführung gewählt werden müsse, sondern die verträglichste. Denn dann bestehe kein Automatismus mehr, der ständig das Emsland mit neuen Stromtrassen belaste. Alles andere, so betonte auch Reinhard Winter, werde auch im Emsland für heftige Widerstände sorgen.

Und das, obwohl Wirtschaftsminister Lies die Region gerade noch gelobt hatte: „Wir brauchen überall eine Prise Emsland“, weil die Emsländer auch bei Belastungen die durchaus vorhandenen Chancen sähen.


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