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09.08.2018, 18:30 Uhr BELEGSCHAFT DEMONSTRIERT

Haren: Schulterschluss von Enercon nicht gewollt

Kommentar von Hermann-Josef Mammes

An der Schranke mussten die Mitarbeiter erst halt machen. Foto: Hermann-Josef MammesAn der Schranke mussten die Mitarbeiter erst halt machen. Foto: Hermann-Josef Mammes

Haren. Am Donnerstag zogen die Mitarbeiter von AERO Ems in Haren vor die Werkstore. Erstmals haben sie gegen die große Entlassungswelle pressewirksam demonstriert. Bislang scheuten sie aus Angst vor Repressalien die Öffentlichkeit.

Dieser Umstand allein zeigt schon, welchen Druck der Mutterkonzern Enercon auf die Belegschaft ausübt. Gerade in Krisenzeiten versprechen Arbeitgebervertreter in Sonntagsreden immer wieder den engen Schulterschluss mit ihren Arbeitnehmern. Enercon praktiziert gerade das Gegenteil.

Nur Zulieferer

Zum einen spricht selbst Enercon-Geschäftsführer Hans-Dieter Kettwig bei AERO Ems nicht von einem Tochterunternehmen, sondern nur von einem Zulieferer. Das ist vielleicht formaljuristisch korrekt, aber die tägliche Praxis sagt das Gegenteil. Er selbst war es, der die Produktionsstätte 2013 ganz offiziell eröffnete. In der Harener Firma trägt jeder Computer das Enercon-Etikett. Und auch die E-Mail-Adressen der Mitarbeiter enden alle auf ...@enercon.de.

Enge Abstimmung

Zudem werden die Mitarbeiter unnötig unter Druck gesetzt. Da werden Drohszenarien aufgebaut. Falls sie nicht binnen weniger Tage unterschreiben, würde der jetzt schon spärliche Abfindungskuchen noch kleiner. Zu einem guten Krisenmanagement gehört eine enge Abstimmung zwischen Politik, Arbeitgeber und Arbeitnehmerschaft. Bislang diktiert die Enercon-Führung weitgehend alleine das Procedere. Die Vorgabe lautet: AERO Ems möglichst schnell und geräuschlos abwickeln.


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