Spruchband: Wir sind Enercon Spontane Demo trotz Verbots bei AERO Ems in Haren

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Die Mitarbeiter von AERO Ems in Haren haben am Donnerstag vor den Werkstoren gegen ihre drohende Entlassung demonstriert. Foto: Hermann-Josef MammesDie Mitarbeiter von AERO Ems in Haren haben am Donnerstag vor den Werkstoren gegen ihre drohende Entlassung demonstriert. Foto: Hermann-Josef Mammes 

Meppen. Am Donnerstag hat eine weitere Betriebsversammlung in Haren zum drastischen Personalabbau bei AERO Ems stattgefunden. Im Anschluss zogen Mitarbeiter mit Plakaten mit der Aufschrift „Wir sind ENERCON“ vor die Werkstore.

Wie wir bereits berichtet, müssen bis Ende August 225 der 275 Beschäftigten gehen. In einer internen Mitteilung von AERO-Geschäftsführer Matthias Drong heißt es: „Von einer Schließung kann keine Rede sein. Die mit unseren Gesellschaftern abgestimmte Planung sieht mindestens für das gesamte Jahr 2019 einen Fortbestrand des Werkes vor.“

Spontane Demo

Bei ihrer spontanen Aktion am Donnerstag widersetzten sich die Mitarbeiter den Anweisungen des Werkschutzes. Dieser wollte die Schranke zur Ausfahrt nicht öffnen. „Das war eine Anweisung der Geschäftsführung“, verriet später Betriebsrat Rainer Hüring. Daraufhin gingen alle Beschäftigte einzeln durch einen Seitenausgang, um mit der MT-Redaktion sprechen zu können, die ihrerseits auf der anderen Straßenseite warten musste.

Emotionale Versammlung

„Es war eine sehr emotionale Versammlung“, berichtete IG-Metall-Bevollmächtiger Thomas Gelder. Dabei seien die Kollegen sehr empört über das Angebot von Geschäftsführer Drong gewesen. Dieser wollte mit der Agentur für Arbeit am 17. August eine Jobbörse auf dem AERO-Parkplatz durchführen. Gelder forderte stattdessen „echte Alternativen“ wie Kurzarbeit oder Qualifizierungsmaßnahmen.

Zeichen der Solidarität

Während die Mitarbeiter weiter ihre Plakate hochhielten, gab es als Zeichen der Solidarität „Hupkonzerte“ von vorbeifahrenden Autofahrern am Eurohafen. Im Interview sagte Arthur Paul (28) der MT-Redaktion, dass er seit sechseinhalb Jahren bei AERO arbeite. Der gelernte Metallbauer und zweifache Familienvater aus Spelle: „Ich kann die Entscheidung der Konzernführung nicht verstehen.“ Er ist sehr erzürnt, wie Enercon mit der Belegschaft umgeht und fordert einen „vernünftigen Sozialplan“ und eine „Weiterbeschäftigung in Haren“.

Mit Herzblut dabei

Für Markus Düttmann ,der seit sechs Jahren im Werk tätig ist, klingt „alles nach einer ganz schnellen Abfertigung“. Dabei wolle er „hier weiterarbeiten“. Er befürchtet eine „sehr geringe Abfindung“. Björn Mink arbeitet seit fünf Jahren in Haren. „Ich hänge mit Herzblut an der Firma.“ Er ärgert sich, dass „Enercon nicht hinter seinen Mitarbeitern steht, die so viel geleistet haben“.

Auch für den IG-Metallbevollmächtigten Gelder „stiehlt sich der Konzern aus der Verantwortung“. Er forderte Enercon zum Dialog und der Suche nach Alternativen auf. Auf der Betriebsversammlung durfte auch der Harener Bürgermeister Markus Honnigfort sprechen. „Ich bin tief enttäuscht“, sagte er anschließend unserer Redaktion. Das habe er vormittags in einem Telefonat auch Enercon-Geschäftsführer Simon-Hermann Wobben mitgeteilt. Hier gehe es nicht vorrangig um Produktionshallen, sondern um die Menschen. Enercon müsse Alternativen aufzeigen. Honnigfort erinnerte an das emsländische Unternehmen Krone. Als die Trailer-Produktion in Werlte am Boden lag, wurden die Beschäftigten zum Hauptwerk nach Spelle gefahren, um dort Landmaschinen herzustellen. Er forderte „Perspektiven für den Standort Haren“.


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