Imkerwagen mit Geschichte Harener Verein Imme präsentiert rollendes Bienenhotel

Von Tobias Böckermann


Haren. Honigbienen sind mobile Völkchen – entweder fliegen sie selbst zu den besten Blüten der Saison oder sie werden samt Bienenstock vom Imker auf vier Rädern dorthin gefahren. In der ehemaligen DDR nutzte man dazu Wanderwagen und ein solches Gefährt ist jetzt auf recht abenteuerliche Weise ins Bienenzentrum Imme in Haren gekommen.

Abenteuerlich deshalb, weil der Jahrzehnte alte Wagen zwar aus Ostdeutschland stammt, aber jahrelang in der Grafschaft Bentheim von einem niederländischen Berufsimker genutzt, dann allerdings wieder auf die Insel Rügen gefahren wurde. Aber der Reihe nach.

Karsten Gemmeker und Günter Kühn sind Berufsimker aus Georgsdorf in der Grafschaft Bentheim. Sie sind viel unterwegs mit ihren Bienen, auch auf der Insel Rügen. „In der ehemaligen DDR ist die Imkerei nach der Wende zeitweise zusammengebrochen, die Imkerschaft überaltert“, berichteten beide jetzt bei einem Treffen im Harener Bienenzentrum.

Deshalb seien sie zum einen dort aktiv, zum anderen aber auch um Mithilfe bei einem Schulprojekt gebeten worden, das Schülern den Umgang mit Bienen schmackhaft machen sollte. „Wir haben dafür einen der DDR-typischen Wanderwagen gesucht“, sagte Initiator Günter Kühn. Die würden zwar immer mal wieder zum Kauf angeboten, meistens seien sie aber so heruntergekommen, dass man sie nicht mehr verwenden könne. „In Ostdeutschland haben wir deshalb auch keinen passenden Wagen gefunden.“

Überraschende Wende

Dafür überraschenderweise aber in der direkten Nachbarschaft, im heimischen Georgsdorf. „Dort lebte ein niederländischer Berufsimker, der seinerseits den Wanderwagen vor Jahren aus Mecklenburg geholt und einige Zeit genutzt hatte“. Der Wagen war in akzeptablen Zustand, wurde von den beiden Grafschaftern renoviert und per Tieflader nach Rügen gebracht.

Ein Jahr diente er dem Schulprojekt, dann übernahmen doch einheimische Imker die Schülerbetreuung und der Wagen wurde nicht mehr benötigt. Da die beiden Imker Mitglied im Förderverein Imme Bourtanger Moor sind, fragten sie dort nach, ob der Wagen seinen letzten Standort im Bienenzentrum bekommen könnte.

Nicht üblich

Der Verein stimmte gerne zu, auch wenn es im Emsland nicht üblich war, derartige Wagen zu benutzen. „Wir denken aber, dass der Wagen einen wichtigen Teil der deutschen Imkereigeschichte zeigen kann und deshalb bei uns sehr gut aufgehoben ist“, sagte Vorsitzender Hermann Hüsers.

Allerdings blieb zunächst das Transportproblem, denn auf eigener Achse konnte der Wanderwagen nicht nach Niedersachsen zurückkehren. An dieser Stelle kam Martin Schmitz ins Spiel. Der Werkstattleiter des Harener Bauhofes bot sich an, mit Traktor und Tieflader nach Rügen zu fahren und den Wanderwagen zu holen. Ein erster Versuch im November 2017 scheiterte, weil das rund 40 Jahre alte Schätzchen auf einem Acker im Schlamm feststeckte.

Zehn Stunden unterwegs

Im Mai dieses Jahres dann machte sich Schmitz mit einem von der Firma Engbers Söhne aus Twist bereitgestellten, nagelneuen 330-PS-Schlepper und einem vom Harener Unternehmer Hermann Schmitz gestellten Tieflader auf den Weg. Rund zehn Stunden benötigte er mit dem 60 km/h schnellen Gespann für den 600 Kilometer langen Hinweg, elf Stunden für den Rückweg. Der Verein Imme musste nur für die Spritkosten aufkommen, beim Abladen half dann Heinz Hüsers, Vorsitzender des Imkervereins Haren. Hermann Hüsers dankte allen Helfern und Sponsoren, allen voran den beiden Imkern Karsten Gemmeker und Günter Kühn für die Schenkung.

Nun steht der Wanderwagen am Rande des Imme-Geländes in Wesuwermoor und soll noch aufgearbeitet werden. Wer das Gefährt, das einst 28 Bienenvölkern Platz bot, ansehen möchte, kann dies unter anderem beim Sommerfest am 18. August ab 14.30 Uhr tun.


Wanderwagen waren in der DDR nicht nur Transportmittel, sondern auch Arbeitsraum. Bis zu 60 Bienenvölker wurden damit über große Entfernungen verbracht, etwa zu blühenden Rapsfeldern oder in Obstbauregionen. In zwei bis drei Etagen wurden die Bienenbeuten (Bienenstöcke) aufgestellt, die von innen zu öffnen sind. Der Wagen enthielt einen kleinen Arbeitsraum mit Wasserbecken und Honigschleuder.

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