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01.08.2018, 16:47 Uhr KOMMENTAR

Haren: Enercon-Misere teils hausgemacht – Offshore-Chance unterschätzt

Von Hermann-Josef Mammes


Mitarbeiter des Windanlagenbauer Enercon standen schon am 24.Mai 2016 in Aurich auf dem Firmengelände mit Transparenten und dem Slogan „Energiewende Retten“. Archivfoto: Carmen Jaspersen/dpaMitarbeiter des Windanlagenbauer Enercon standen schon am 24.Mai 2016 in Aurich auf dem Firmengelände mit Transparenten und dem Slogan „Energiewende Retten“. Archivfoto: Carmen Jaspersen/dpa

Haren. Für Kenner der Windkraftbranche kommt der Stellenabbau bei Enercon nicht wirklich überraschend. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen aber auch strategische Fehler der Unternehmensführung haben die Misere ausgelöst.

Doch der Reihe nach: Noch unter der Regie des Firmengründers Aloys Wobben wurde im Juni 2013 das neue Rotorenblattwerk von Enercon als Aero Ems am Eurohafen in Haren eröffnet. Damit kehrte der gebürtige Emsländer zurück in seine Heimat. Enercon zählte zu diesem Zeitpunkt weltweit 13.000 Beschäftigte und Wobben galt als „reichster Niedersachse“. Bei der Eröffnung des Werkes in Haren lobte Ministerpräsident Stephan Weil den genialen Erfinder und Pionier der Windkraftenergie noch als den „Bill Gates Niedersachsen“.

Doch der schwer erkrankte Wobben musste die Firmenleitung abgeben. Zur Firmenphilosophie von Aloys Wobben gehörte stets der Grundsatz „Niemals offshore!“. Enercon befürchtete unüberwindbare und unkalkulierbare Risiken für die Winkraftrotoren auf dem Meer. Doch genau diese Probleme hat die Konkurrenz nach anfänglichen Kinderkrankheiten inzwischen weitgehend in den Griff bekommen.

Damit nicht genug. Während Enercon-Anlagen früher immer den Nimbus des Branchenprimus besaßen, bröckelte dieser Staus in letzter Zeit. Interne Probleme in der neuen Führungsriege werden als Grund für die Defizite bei der Entwicklung neuer Rotoren angeführt. Immerhin: Die internen Querele sollen mittlerweile beigelegt sein.

Zugleich hat der Weltkonzern zumindest in Deutschland mit schwierigen Rahmenbedingungen zu kämpfen. Nicht nur im Emsland, sondern auch deutschlandweit stoßen Onshore-Anlagen an ihre geografische Grenzen. Mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz 2016/17 reduzierte die Bundesregierung zudem die Einspeisevergütungen und erschwerte die Genehmigungspraxis deutlich. Für Anleger und Kommanditisten verpuffte das bis dato lukrative Geschäft mit der Windenergie. Der Bundesverband Erneuerbare Energie prophezeite bereits vor Jahren den Abbau Zehntausender Arbeitsplätze.


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