Weitere Standorte betroffen Enercon streicht 235 Stellen in Haren

Von Tobias Böckermann und Hermann-Josef Mammes

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Ein Rotorblatt steht im Juni 2013 vor der Harener Rotorblatt-Fabrik des Windenergieanlagenherstellers. Foto: Carmen Jaspersen/dpaEin Rotorblatt steht im Juni 2013 vor der Harener Rotorblatt-Fabrik des Windenergieanlagenherstellers. Foto: Carmen Jaspersen/dpa

ma/tb Haren. In Spitzenzeiten arbeiten bei der Enercon-Tochter Aero Ems in Haren 600 Mitarbeiter. Zurzeit sind es noch 275. In Kürze sollen es nur noch 40 sein. Das Weltunternehmen kündigte Entlassungen im großen Stil für mehrere Werke an. Davon betroffen seien Werke in Aurich ebenso wie die Rotor-Blattfabrik im Emsland sowie weitere Standorte.

In einer Pressemitteilung des Unternehmens am Mittwoch heißt es: „Der Windenergieanlagenhersteller Enercon reagiert auf die nationalen Marktveränderungen und richtet sich ab dem vierten Quartal 2018 konsequent auf internationale Märkte aus.“ „Dafür müssen wir die landesspezifischen Eintrittsbarrieren überwinden, vor allem in Bezug auf die Beschaffung der Komponenten im jeweiligen Land“, sagt Geschäftsführer Hans-Dieter Kettwig. Andererseits müsse das Unternehmen auf die Entwicklungen am Heimatmarkt reagieren, wo die Onshore-Windindustrie massiv unter Kostendruck stehe und die Aufbauzahlen stark rückläufig seien. In den Bereichen der Produktion von Betonturmsegmenten für Windenergieanlagen reduziere Enercon bestehende Verträge mit drei Zulieferern. Daher müssten die Zuliefererverträge mit der WEC Turmbau Emden GmbH und der WEC Turmbau GmbH in Magdeburg reduziert werden. Die Unternehmen erwarten, dass 190 Mitarbeiter in Emden sowie 130 Mitarbeiter in Magdeburg betroffen sind. Betroffen von den Reduktionen ist auch die WEC Site Services GmbH in Westerstede. Die WEC Site Services GmbH beschäftigt 150 Mitarbeiter und wird ihren Betrieb nach dem dritten Quartal 2018 einstellen.

Viele Werke betroffen

Im Bereich der Rotorblattzulieferung reduziert ENERCON bestehende Verträge mit der AERO Ems GmbH in Haren. Bis Ende des dritten Quartals sind die Aufträge für AERO sichergestellt. Enercon hatte das Tochterunternehmen erst 2013 im Emsland eröffnet. Laut Pressemitteilung „wird am Standort Haren und den standortansässigen Zuliefererunternehmen mit einem Stellenabbau von bis zu 235 Mitarbeitern gerechnet“. Zurzeit produzieren dort 275 Beschäftigte Rotorenblätter für die Windkraftanlagen. In Spitzenzeiten wurde ein Rotorblatt pro Tag hergestellt. Darüber hinaus haben die Auricher Rotorblattzulieferer KTA Kunststofftechnologie Aurich GmbH, RBO Rotorblattoberflächen GmbH, Composite Material Supply GmbH sowie Aero Rotorblattfertigung GmbH mitgeteilt, ihre Produktionsabläufe künftig „abstimmen zu wollen und daher ihre Produktionsstätten räumlich enger zu vernetzen“. Dabei würden aufgrund des Auftragsrückgangs 130 Stellen entfallen. „Aufgrund der angespannten Marktsituation in Deutschland ist eine Auslastung unserer Zulieferer im nötigen Umfang nicht mehr möglich“, so Enercon-Geschäftsführer Simon-Hermann Wobben.

Schlag ins Kontor

Harens Bürgermeister Markus Honnigfort sprach am Mittwoch auf Anfrage der Redaktion von einem „Schlag ins Kontor.“ Die Entwicklung bei Enercon und seinem Werk Aero Ems in Haren sei höchst bedauerlich und „in dieser Dimension so nicht erwartet“ worden. Zwar habe man in der Vergangenheit zunehmend sorgenvoll beobachten müssen, dass Aero die Belegschaft bereits zurückgefahren habe, vor allem bei den Leiharbeitern.

„Wir haben als Stadt Haren aber immer in engem Austausch mit Enercon gestanden und mit dem Unternehmen gehofft, dass weitere schwere Einschnitte nicht nötig sein werden.“ Dies sei nun aber so gekommen, nicht zuletzt deshalb, weil der Windenergiemarkt stark politisch reguliert sei und die Politik durch geänderte Ausschreibungsvorgaben die Bedingungen deutlich verschlechtert hätten. „Es gibt einfach kaum noch Genehmigungen für Windparks“, sagte Honnigfort.

Die Stadt Haren stehe jetzt in engem Kontakt mit dem Unternehmen und der Agentur für Arbeit, sagte Honnigfort. „Wir wollen so weit möglich dabei helfen, den Betroffenen schnell eine neue Perspektive zu bieten. Andere Unternehmen in Haren suchten dringend Personal, das macht durchaus Hoffnung.“ Davon abgesehen hofft der Bürgermeister auf „gute unternehmerische Lösungen“, damit der Enercon-Standort Haren erhalten bleiben könne.

Mit „sehr großem Bedauern“ hat auch der emsländische Landrat Reinhard Winter auf die Hiobsbotschaft reagiert. „Die Einschnitte, die sich für die Windenergiebranche mit der Novelle des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes schon vor geraumer Zeit ankündigten, spiegeln sich in dieser Entscheidung wider.“ Dem Landkreis sei es immer ein wichtiges Anliegen gewesen, die erneuerbaren Energien auszubauen und in jedweder Form einen Beitrag dazu zu leisten. Neben dem überdurchschnittlichen Zuwachs an Windenergieflächen gehörte eben auch die Ansiedlung von Enercon als einem der marktführenden Unternehmen der Windenergiebranche in Haren dazu. „Wir haben die Hoffnung, dass dieser emsländische Standort mit seiner hervorragenden Lagegunst und seinen qualifizierten Mitarbeitern langfristig erhalten bleibt. Wir hoffen ebenfalls, dass für die Mitarbeiter, die jetzt ihren Job verlieren, im Emsland neue Beschäftigungsverhältnisse gefunden und so Existenzen gesichert werden können“, sagte der CDU-Poltiker.


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