EU-weit einmaliges Vorhaben Harener Ökostrom für Emmen

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Haren. Die Stadt Haren und Gemeente Emmen wollen Geschichte schreiben und in der Europäischen Union das erste grenzüberschreitende Energievorhaben umsetzen. Dabei wird die Energie im Windpark in Fehndorf produziert, in Wesuwe gespeichert und in der niederländischen Grenzstadt verbraucht.

Haren In einem Gespräch mit unserer Redaktion konnte Harens Bürgermeister Markus Honnigfort am Donnerstag im Rathaus den offiziellen Startschuss verkünden. So hat die Europäische Union über den Lenkungsausschuss Interreg der Ems-Dollart-Region Fördergelder von 744.145,47 Euro bewilligt. Insgesamt umfasst das Projekt mit dem Arbeitsnamen SEREH (Smart Energy Region Emmen Haren) sogar 1.488.290,93 Euro. Weitere Geldgeber sind Land Niedersachsen (148.828,09 Euro), Ministerie van Economische Zaken en Klimaat (89.297,46 Euro) sowie Provincie Drenthe (59.531,67 Euro).

Weitere 446.487,28 Euro müssen die Projektpartner übernehmen. In diesem Fall die Gemeinde Emmen, die Stadt Haren, die Fachhochschule Osnabrück, die Universitäten Twente und Groningen, die Energieunternehmen Agrowea (Twist) und NAM (Niederlande) sowie aus der Energiebranche die Unternehmen Westnetz (Innogy), Enercon und Raedthuys Group. Dabei wollen die Kommunen spätestens bis 2025 ihre gemeinsame Vision realisieren: „Wir wollen lokal produzierte erneuerbare Energie grenzüberschreitend lokal einspeichern und nutzen“, sagt Honnigfort.

Genau dies lässt die Regulatorik der EU auf internationaler Ebene noch nicht zu. Tatsächlich gibt es grenzübergreifend nur die ganz großen 380-kV-Leitungen. Für den „lokalen Austausch“ planen die beiden Kommunen eine 110-kV-Leitung, das wäre ein Novum innerhalb der EU. Dabei wollen sie mit ihrem Pilotprojekt folgende Frage beantworten: „Kann Strom aus erneuerbaren Energien technisch, wirtschaftlich und rechtlich unterhalb der Übertragungsnetzebene grenzübergreifend ausgetauscht und gemanagt werden?“

Ökostrom aus Haren

Projektkoordinator Jürgen Lenzing erläutert, warum die beiden Kommunen für dieses Vorhaben besonders geeignet sind. Auf der einen Seite produziert Haren im Jahr einen Überschuss aus regenerativen Energien (Windkraft, Solar und Biomasse) von 79.000 MWh. Dieser wird ins überregionale Netz eingespeist.

Auf der anderen Seite hat die Industriestadt Emmen mit 110.000 Einwohnern einen hohen Strombedarf von 470000 kWh im Jahr. Hierzu kommt ein Gasverbrauch von 200 Millionen Kubikmetern, davon allein 65 Millionen Kubikmeter für die Gewächshäuser. Gleichzeitig produziert Emmen über Solarenergie aber nur drei Prozent seines Energieverbrauchs. Viel zu wenig, sagt die Niederländische Regierung. Der Anteil an regenerativen Energien müsse stark wachsen. Insofern ist Haren ein idealer Partner. Die Emsländer wollen die Nachbarstadt mit regenerativem Strom und Gas versorgen. Hierzu wird in Fehndorf ein neuer Windpark mit 16 Mühlen mit jeweils 4,2 Megawatt entstehen. Über eine Stromtrasse von fünf Kilometern werden sechs Megawatt nach Wesuwe transportiert. Hier entsteht für zehn Millionen Euro eine Testanlage in einer Größenordnung von 50 mal 100 Metern in Autobahnnähe. „In direkter Nähe befindet sich eine große Gasleitung, die in die Niederlande führt und unser produziertes Gas aufnehmen kann“, begründet Lenzing den Standort. So werden in der Anlage zwei Systeme zur Speicherung des Ökostroms getestet. Zum einen wird die Energie in Batterien gespeichert. Ein zweites Verfahren „Power-to-Gas“ wandelt mittles Elektrolyseur einen Teil des Stroms in Wasserstoff um, der dann ins Erdgasnetz gespeist wird. „Wenn alles klappt, soll 2025 in Haren/ Emmen der erste dezentrale grenzüberschreitende Strom- und Energiemarkt der EU starten“, sagt der Harener Bürgermeister.


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