Kinderlärm wird zum Streitthema Anwohner beschwert sich über Kita-Neubau in Haren

Von Malte Goltsche


Haren. Der Plan für den Neubau des St.-Ansgar-Kindergartens in der Wohnsiedlung „Lange Wiese“ in Haren steht. Aber es gibt Streit. Anwohner Heinrich Lüßing beschwert sich über den durch den Neubau zunehmenden Lärm und die Verkehrssituation in dem Wohngebiet. Bürgermeister Markus Honnigfort verteidigt das Projekt.

Im Moment ist es ruhig auf Heinrich Lüßings Terrasse. Der St.-Ansgar-Kindergarten befindet sich im Urlaub. „Für mein Anliegen ist es eigentlich ein schlechter Tag“, sagt der Rentner. Von seinem gemütlichen Garten blickt man direkt auf die Rückseite des Kindergartens. Im Zuge des geplanten Neubaus soll dort der neue Parkplatz und direkt daran anschließend eine neue Spielfläche für die Kinder entstehen.

Das stößt Lüßing sauer auf. Vor allem der durch die Kinder entstehende Geräuschpegel sei unzumutbar, sagt der 68-Jährige. Aktuell sei der Lärm durch die spielenden Kinder zwar jeden Tag deutlich hörbar, allerdings nicht so extrem, dass er ihn wirklich stören würde. Das ändere sich durch den Neubau des Kindergartens erheblich. „Ich habe dann den Geräuschpegel eines Kindergeburtstages mit 75 Kindern auf der Terrasse. Und das jeden Tag. Wer will das?“, fragt er rhetorisch. Außerdem sei das Eigenheim als Altersvorsorge für sich und seine Frau gedacht gewesen. Durch den Neubau des Kindergartens sieht Lüßing diese Pläne durchkreuzt. „Keiner will ein Haus kaufen, bei dem jeden Tag ein großer Kindergeburtstag stattfindet“, sagt er.

Brief der Stadt stellt nicht zufrieden

Am 3. Juli bekam Lüßing einen Brief von der Stadt, in dem auf seine Ansichten eingegangen wird. Durch die Entfernung von 40 Metern zwischen dem Wohnhaus Lüßings und der Kindertagesstätte sei der Lärm zumutbar, schreibt die Stadtverwaltung. Außerdem sollen Busse eingesetzt werden, um das befürchtet hohe Verkehrsaufkommen zu verringern.

Das bringt den Anwohner in Rage. „Die Entfernung von 40 Metern ist zwischen meinem Haus und dem alten Bau gemessen. Das stimmt mit dem neuen Bebauungsplan einfach nicht mehr. Dort ist dann der Parkplatz und direkt nebenan der Spielplatz.“ Außerdem bezweifelt er, dass tatsächlich Busse für die Beförderung der Kinder eingesetzt werden sollen. Die Stadt verweist darauf, dass der Träger des Kindergartens die Kirchengemeinde St. Martinus sei. Für Lüßing ist das kein Argument dafür, die Stadt mit seiner Kritik außen vor zu lassen. „Der Kirche gehört nur das Grundstück, die Stadt finanziert den ganzen Bau.“

Ein Zaun soll her

Lüßing fordert von den Bauherren einen Zaun zwischen seinem Grundstück und dem des Kindergartens. „Ich möchte nicht, dass mein Garten einsehbar ist“, sagt er. Am Freitag trifft sich der Rentner mit dem Harener Bürgermeister Markus Honnigfort. Von dem Treffen erhofft sich Lüßing, dass der Bürgermeister auf das „Thema Zaunbau“ eingeht. Außerdem erwartet er „die Einsicht, dass ein Kindergarten nicht in ein Wohngebiet gehört. Es gibt in Haren einfach viel bessere Plätze.“

Bürgermeister freut sich über Kinder

Bürgermeister Honnigfort sieht die Gemengelage anders. „Der Kindergarten St. Ansgar befindet sich bereits seit 53 Jahren am Standort Lange Wiese und genießt Bestandsschutz“, heißt es in einer Mitteilung. Außerdem sei der Bedarf an Betreuungsplätzen in der Stadt sehr groß und er freue sich, dass die Kirchengemeinde St. Martinus diesem Rechnung trage. Zudem gebe es feste Zeiten, zu denen sich die Kinder auf den Spielplätzen des Kindergartens aufhalten. Honnigfort verweist weiter auf die gängige Rechtssprechung, die besagt, dass Kinder Teil unserer Gesellschaft sind und „per se nicht stören können“. Allgemein betont er: „Ich jedenfalls empfinde jedes Kind als Gewinn für die Gesellschaft und freue mich, wenn sie sich an der frischen Luft bewegen.“


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