Junge Flüchtlinge berichten „In Haren das erste Mal wieder den Sonnenschein bewusst wahrgenommen“

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Teilnehmerinnen des Seniorentreffs und Familien des Patenprojektes „Alt für Jung“ verbrachten einen gemeinsamen Nachmittag. Foto: Stadt HarenTeilnehmerinnen des Seniorentreffs und Familien des Patenprojektes „Alt für Jung“ verbrachten einen gemeinsamen Nachmittag. Foto: Stadt Haren

Haren. Der Landkreis Emsland hat kreisweit 20 Aktionen im „Monat des Generationendialogs“ veranstaltet. Beim Seniorentreff Haren berichteten junge Flüchtlingsfamilien im Zusammenhang mit dem Patenmodell „Alt für Jung“ von ihrer Flucht und den ersten Erfahrungen in der neuen emsländischen Heimat.

Der Einladung von Gerda Tandecki waren syrische, irakische und afghanische Familien gefolgt. Sie schilderten eindrucksvoll die Zustände in ihren Heimatländern. Im syrischen Aleppo herrsche beispielsweise seit mehreren Jahren eine unübersichtliche kriegerische Auseinandersetzung. „Wir wussten morgens nicht, ob wir abends noch leben“, so eine junge Mutter zu ihren Fluchtmotiven. Zu Fuß habe sich die Familie dann auf den Weg gemacht und nach sieben Tagen die Mittelmeerküste erreicht. „Wir sind in Gruppen mit mehreren Familien losgezogen, so waren die Chancen am größten, dass wir lebend unser Ziel erreichen!“

Nach Fußmarsch schwierigste Teil

Nach dem Fußmarsch habe der schwierigste Teil der Reise auf die Flüchtlinge gewartet. Bei günstigem Wetter sei die Überfahrt in einem Schlauchboot nach Griechenland zu schaffen, viele Flüchtlinge hätten jedoch bei schwerem Seegang Gepäck und Dokumente verloren, in einigen Fällen seien Boote auch ganz gekentert. Von Griechenland nach Deutschland sei der Weg unberechenbar gewesen, teils hätten Busse bereitgestanden, teils sei man zu Fuß weiter, bis schließlich für einige Flüchtlinge das Emsland als neue Heimat erreicht worden sei.

Große Erleichterung, überlebt zu haben

„Ich habe in Haren das erste Mal wieder den Sonnenschein bewusst wahrgenommen“, berichtete ein Mädchen den Senioren. Mit der großen Erleichterung, überlebt zu haben, seien neue Ängste und Unsicherheiten entstanden: „Wie werden wir aufgenommen? Wie werden unsere Kinder die neue Heimat wahrnehmen, wie die Kriegserlebnisse verarbeiten?“ Großes Lob erhielten die 100 ehrenamtlichen Flüchtlingsbetreuer, darunter 30 Familienpaten, für ihre Unterstützung. Ljiljana Topalovic, die städtische Flüchtlingsbetreuerin, bestätigte dies: „Wir profitieren sehr von der großen Lebenserfahrung und Gelassenheit unserer Ehrenamtlichen. Ohne sie wäre die Integration nicht so gut und so schnell gelungen.“

Das Lob erhielten die Neubürger von den Senioren zurück. Besonders die Kinder und Jugendlichen hätten schnell die neue Sprache gelernt und würden sich in den Kindertagesstätten, Schulen und Vereinen gut integrieren. Diese profitierten von ihren neuen Mitgliedern. Die Erwachsenen würden vielfach positive Erfahrungen bei der Integration in die Arbeitswelt sowie durch intensive Sprach- und Integrationskurse machen.


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