Illegale Müllentsorgung nimmt zu Selbst Dachgepäckträger in Tinner Wald entsorgt

Von Malte Goltsche und Konstantin Stumpe

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Haren. Die zunehmende Vermüllung der Wälder ist nicht nur unserem Leser Josef Leugers aufgefallen. Auch Bezirksförster Heinrich Timmermann schlägt Alarm. Der Müll gefährdet den heimischen Pflanzenbestand.

Über einen langen schmalen Weg, vorbei an der Sandentnahmestelle rumpelt Josef Leugers mit seinem Auto durch den Tinner Wald. Heruntergefallene oder in den Weg hineinragende Äste sind für ihn kein Hindernis. Unbeirrt braust er weiter in den Wald hinein. An einer Weg-Gabelung angelangt drosselt er das Tempo und hält an. Hier ist er oft im Revier unterwegs, sagt er. Zwar ist er kein Jäger, aber die Natur ist seine Passion. Vor Jahren hatte er mal vor, einen Jagdschein zu machen, doch beruflich kam ihm etwas dazwischen.

Natur ist seine Passion

Ein paar Schritte vom Auto entfernt bleibt Leugers stehen. Mitten im Wald liegt ein großer Dachgepäckträger, ein paar Meter entfernt hat jemand zwei große Planen abgelegt und auch ein paar Stiefel, teils mit Moos überwachsen, liegen auf dem Waldboden. „Mir ist aufgefallen, dass die illegale Müllentsorgung in den Wäldern und der Natur drastisch zugenommen hat“, schimpft der Rentner. Auch ein paar Kilometer entfernt, hinter dem Gartencenter Vähning , kurz vor dem Gelände der Wehrtechnischen Dienststelle (WTD 91), hat Leugers einen Haufen Müll entdeckt. „Wir haben hier so eine schöne Natur. Es muss dringend Abhilfe geschaffen werden, sonst erleben wir ein Chaos“, ist der Naturfreund sicher. Müll und Abfall seien auch eine Gefahr für die Vielzahl der im Wald lebenden Tiere. „Hier lebt eine Menge Wild im Wald und da besteht natürlich auch die Gefahr, dass sie sich verletzen“, sagt Leugers. Er vermutet, dass die Gebühren für die Mülldeponien zu hoch sind und die Leute davon abhalten, ihren Abfall dort zu entsorgen.

Biomüll im Wald

Heinrich Timmermann ist als Bezirksförster unter anderem für den Tinner Wald zuständig. Auch ihm fällt die zunehmende Vermüllung nicht nur des Tinner Waldes auf. „Es nimmt zu, das ist überall so. Die Leute haben überhaupt kein Verständnis mehr für den Wald. Man ist zu faul, zu bequem, um die Sachen ordentlich auf dem Wertstoffhof oder der Mülldeponie zu entsorgen. Auch die Dachbox, die Herr Leugers gefunden hat, ist mir bekannt. Ich habe sogar mal eine ganze Badezimmereinrichtung gefunden“, erzählt Timmermann.

„Verfälschung der Flora“

Der Förster beobachtet außerdem eine „Verfälschung der Flora“ an einigen Stellen. So wachsen in einigen Waldabschnitten mittlerweile Pflanzen, die in der heimischen Natur sonst gar nicht anzufinden sind. Dies geschehe unter anderem durch abgeladenen Biomüll wie Blumensträuße und Ähnlichem. „Ich würde in einigen Gebieten gerne den Pflanzenbestand natürlich verjüngen. Das geht aber nicht, wenn zum Beispiel ein asiatischer Knöterich hier wuchert. Dann muss ich Giftstoffe dagegen einsetzen“, sagt Timmermann.

Der Bezirksförster arbeitet daran, das Müllproblem zu beheben. „Zusammen mit den Jägern säubern wir die Wälder regelmäßig, aber kurze Zeit später finden wir dann wieder neuen. Normalerweise wären die Waldbesitzer für die Entsorgung und Säuberung ihres Waldes zuständig“, erklärt er. Damit die Wälder in Zukunft sauberer werden, sagt Timmermann, müsse ein nachhaltigeres Verständnis für die Wälder und die Natur geschaffen werden.


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