Inklusion und Internationalisierung Diskussion über Landwirtschaft der Zukunft in Haren-Wesuwe

Von Heiner Harnack

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Diskutierten über die Zukunft der Landwirtschaft: :(v. l.) Mathias Kirchhoff, Georg Meiners, Albert Schulte to Brinke, Florian König, Jens Engelken und Moderator Marko Schnitker. Foto: Heiner HarnackDiskutierten über die Zukunft der Landwirtschaft: :(v. l.) Mathias Kirchhoff, Georg Meiners, Albert Schulte to Brinke, Florian König, Jens Engelken und Moderator Marko Schnitker. Foto: Heiner Harnack

Haren. Wie kann der Bauernhof der Zukunft aussehen? Kann Inklusion in der Landwirtschaft funktionieren? Diese und andere Fragen sind anlässlich des „Integrativen Tages auf dem Bauernhof“ in Haren-Wesuwe diskutiert worden.

Mehr als Woche lang hatte der Hof Engelken quer durch alle Interessengruppen eingeladen, um die oft negative Schlagzeilen machende Landwirtschaft der Bevölkerung näher zu bringen. Hofchef Jens Engelken zeigte sich denn auch schon vor Beginn der Podiumsdiskussion vollauf zufrieden, dass es gelungen sei, den Beruf des Landwirts in ein besseres Licht zu rücken. Geschätzte 2000 Besucher, darunter etwa 600 Kinder, hätten den Hofalltag aus nächster Nähe beobachtet, meinte Christian Hüser vom einladenden Paritätischen Wohlfahrtsverband.

„Wir freuen uns, jungen Menschen, die ein Handicap haben, die Möglichkeiten zu geben, auch eigenes Geld als Werker auf dem ersten Arbeitsmarkt zu verdienen“, sagte Albert Schulte to Brinke, Präsident des Niedersächsischen Landvolks. Naturverbundene Menschen seien bestens geeignet, wenn sie gerne mit Tieren, Pflanzen oder Maschinen arbeiteten und hier immer wiederkehrende, einfachere Tätigkeiten ausüben könnten. Das sei zwar keine Vollausbildung, helfe aber mit Unterstützung der Agentur für Arbeit sowohl den zukünftigen Arbeitnehmern als auch den Hofbetrieben, die auf Personal angewiesen seien.

Kritik an EU-Gerichtsurteil

Schulte to Brinke kritisierte stark das Urteil des Europäischen Gerichtshofs, nach dem Deutschland zu viele Nitrateinträge in die Ackerböden zuließe. Das sei aufgrund der Gesetzgebung von 2012 passiert. „Die neue Düngemittelverordnung, die wir schon leben, hat damit nichts zu tun“, monierte der Redner.

(Lesen Sie auch: Agrarökonom erläutert Probleme der Landwirtschaft im Emsland)

„Wir Landwirte müssen unsere Türen öffnen und transparenter werden“, meinte Georg Meiners, Präsident der Vereinigung des Emsländischen Landvolks. Auch Landwirte könnten so Bildungsarbeit leisten. „Wir haben Erfahrung, wenn es um Reha-Maßnahmen bei Metall-, Holz-, Hauswirtschafts- oder kaufmännischen Berufen geht“, erzählte Mathias Kirchhoff, Geschäftsführer der DEULA in Freren. So gebe es seit mehreren Jahren eine Kooperation mit dem Christophorus-Werk in Lingen, wo man schon sehr viele Erfahrungen mit der Ausbildung von Werkern habe.

Kernkompetenz Sprache

„Wenn man sich umschaut und auf andere Tätigkeitsfelder blickt, kann man auch erfolgreich sein“, meinte Gastgeber Jens Engelken. „Wir haben auch Praktikanten aus dem Ausland, derzeit aus Aserbaidschan“, zeigte er auf, dass die Wege zur Ausbildung internationaler und weiter würden. Es fehlten einfach die Arbeitskräfte und dem müsse man sich stellen, fuhr Engelken fort. Menschen mit Behinderungen könnten zum Beispiel bei der Hofpflege eingesetzt werden und würden damit einen eminent wichtigen Beitrag zum Erfolg eines Unternehmens leisten.

„Inklusion bedeutet auch, dass Menschen mit Migrationshintergrund eingebunden werden müssen“, machte Florian König von der Behindertenhilfe des Paritätischen Wohlfahrtsverbands auf einen weiteren Aspekt aufmerksam. „Sprache ist dabei natürlich die Kernkompetenz, damit all diese Bemühungen auch fruchten“, zeigte König auf das Fundament dieser Bemühungen.


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