Diskretion seine Visitenkarte Haren: Meppener Gefängnispastor wird respektiert

Von Gerd Mecklenborg

Auf die Gesprächsrunde bereiteten sich Teilnehmerin Christine Trümper mit den Pastoren Ulli Schönrock (Mitte) und Torben Rakowski vor. Foto: Gerd MecklenborgAuf die Gesprächsrunde bereiteten sich Teilnehmerin Christine Trümper mit den Pastoren Ulli Schönrock (Mitte) und Torben Rakowski vor. Foto: Gerd Mecklenborg

Haren. Gott steht aufseiten der Opfer – aber er verlässt auch nicht die Täter. Der Meppener Gefängnispastor Ulli Schönrock hat im Martin-Luther-Haus der evangelischen Kirchengemeinde Haren über das Thema „Mitgefangen-Mitgehangen“ oder „wie geht es eigentlich hinter den Gittern einer Justizvollzugsanstalt zu?“, gesprochen.

Der in Meppen tätige evangelische Gefängnisseelsorger leitete die Gesprächsrunde, an der auch betroffene Angehörige von Inhaftierten teilnahmen. „Fast 5.000 Gefangene sitzen derzeit in den niedersächsischen Gefängnissen ein, davon knapp ein Viertel der Inhaftierten im Emsland“, erläuterte Schönrock in seiner Einführung. Fast eine halbe Million Menschen, davon circa 100.000 Kinder, seien bundesweit von der Inhaftierung eines Angehörigen betroffen. Es handele sich dabei um Familien in einer besonders belastenden Situation mit eigenen Rechten, Bedürfnissen und einem spezifischen Bedarf an Unterstützung, führte Schönrock, der seit 14 Jahren als Seelsorger in der JVA Meppen Inhaftierte betreut, aus. Dort versucht er „gemeinsam mit den Kollegen spürbar werden zu lassen, dass Gott auf der Seite der Opfer steht, aber auch die Täter nicht verlässt, dass Gott ‚ja‘ sagt zum Menschen und ‚nein‘ zu dessen bösen Taten“.

Große Herausforderung

Es sei für ihn eine bleibende Herausforderung, Antworten darauf zu finden, wie eine Gesellschaft, die sich als human versteht, mit Straftaten und sowohl mit Opfern als auch mit Tätern umgeht, um Gerechtigkeit wiederherzustellen, sagte der Pastor. Seinen Vortrag hatte Schönrock in ein wechselseitiges Gespräch umfunktioniert und beantwortete Fragen der Teilnehmer aus der Situation heraus. So wollte eine Teilnehmerin wissen, ob er Angst vor körperliche Gewalt gegen seine Person habe oder ob er Verantwortung trage, „wenn bei einem durch Sie betreuten Ausgang jemand abhaut?“. Schmunzelnd antwortete der Seelsorger, dass er nicht zur „sogenannten Nacheile“ verpflichtet sei, und Angst habe er keine, „weil wir Seelsorger respektiert werden und hohe Anerkennung erfahren, da wir oft die einzigen Gesprächspartner für die Inhaftierten sind, wenn es um deren Sorgen und ganz private Probleme geht“.

Diskretion sehr wichtig

Die Visitenkarte eines Seelsorgers sei seine Diskretion. Schönrock berichtete auch über den Alltag in der Seelsorge, wie Gottesdienste gestaltet werden und welche Angebote die Geistlichen den Inhaftierten machen. „Dabei spielt das Gespräch mit Angehörigen eine große Rolle, denn die werden oft mit ihren Problemen allein gelassen und sind so auf eine Art irgendwie auch mitgefangen“, sagte der Gefängnispastor.