Vier Verfahren begonnen FFH im Emsland: Schutz für Froschkraut und Langelt

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Haren. Der Landkreis Emsland befindet sich bei der Sicherung seiner FFH-Gebiete nach nationalem Recht auf der Zielgeraden. Der Umweltausschuss hat die vier vorerst letzten Verfahren auf den Weg gebracht.

Haren. Die EU gibt vor, dass FFH-Gebiete in jedem Land eine nach dortigem Recht geltende Schutzgebietsverordnung erhalten müssen, die inhaltlich dem höher gestellten EU-Recht entspricht. Die Frist dafür ist längst abgelaufen – sollte Deutschland die Umsetzung bis Ende des Jahres nicht geschafft haben, drohen Bußgelder. FFH steht für die „Flora Fauna Habitat“-Richtlinie, mit der ein europäisches Naturschutznetz geschaffen worden ist.

Der Landkreis Emsland will bis Ende des Jahres fertig sein und hat rund 13300 Hektar FFH- und Vogelschutzgebiete bereits nach nationalem Recht geschützt. Zwischen Meppen und Haselünne befinden sich weitere 1200 Hektar als Landschaftsschutzgebiet und 893 Hektar als Naturschutzgebiet im Verfahren.

Jetzt kommen vier weitere Gebiete hinzu, für die der Umweltausschuss des Kreistages in einer Sitzung im Bienenzentrum Imme in Haren den planerischen Startschuss gegeben hat. Beim „Langelt“ handelt es sich um einen der wenigen historischen Waldstandorte im Emsland. Der 50,1 Hektar große Eichenmischwald liegt nördlich der Gemeinde Vrees innerhalb des mehr als 2000 Hektar großen Eleonorenwaldes. Er wurde 2007 FFH-Gebiet und erhält nun eine Naturschutzgebietsverordnung.

Wie die Leiterin der Unteren Naturschutzbehörde, Kirstin Meyer, berichtete, handelt es sich im Wesentlichen um Standardvorgaben. Eine Absprache mit der Besitzerin, der Herzog Arenberg Meppen GmbH, sei erfolgt. Einschränkungen bestehen unter anderem im Verbot eines Kahlschlages oder bei der Auswahl neuer Bäume. Die Vorgaben entsprechen dem Walderlass des Landes Niedersachsen.

12 Hektar neue Wiesen

Das FFH-Gebiet „Hahnenmoor, Hahlener Moor und Suddenmoor“ befindet sich in den Landkreisen Emsland und Osnabrück und steht seit 1984 unter Naturschutz. Hier geht es um die Anpassung der Verordnung an die Vorgaben der FFH-Richtlinie. Das Gebiet auf emsländischer Seite gehört weitgehend dem Land Niedersachsen.

Das FFH-Gebiet „Stillgewässer bei Kluse“ stellt in vielfacher Hinsicht eine Besonderheit dar. Zum einen ist es infolge menschlichen Handelns entstanden, denn das geplante Naturschutzgebiet besteht aus einzelnen Abschnitten des nie vollendeten Ems-Seitenkanals. Dessen Bau war vor mehr als 70 Jahren eingestellt worden, aber zwischen Lathen und Dörpen blieben nicht mehr benötigte Baugruben geöffnet, sodass auf nährstoffarmem Sandboden ein ebenso nährstoffarmes Gewässer entstanden ist. Darin leben einige höchst seltene Pflanzenarten, die für Nordwestdeutschland typisch, im Rest der Republik aber selten oder gar nicht vorhanden sind.

Zu diesen Pflanzen zählen das Froschkraut, der Strandling oder der Reinweiße Wasserhahnenfuß. Über die Naturschutzverordnung werden einige Verbote geregelt (Baden oder Absenken des Grundwasserstandes). Das Angeln bleibt erlaubt, allerdings ohne den Bau von Stegen oder die Fütterung der Fische.

Letztes Gebiet auf der Liste ist der Gutswald Stovern bei Salzbergen. Der 114 Hektar große Eichen- und Buchenmischwald gehört zu den größten und bedeutendsten alten Waldstandorten im westlichen Niedersachsen und enthält Standorte seltener Orchideen. Hier ist laut Kirstin Meyer nicht die Ausweisung eines Naturschutzgebietes, sondern die eines Landschaftsschutzgebietes vorgesehen, weil das mit den Eigentümern so besprochen wurde. Der Landkreis Emsland hat diese Vorgehensweise schon mehrfach angewandt – der Schutz der betroffenen Gebiete soll trotzdem genauso streng erfolgen.

CDU, SPD und Grüne sprachen sich eindeutig für die Schutzgebietsfestlegung aus. AfD, UWG und FDP waren dagegen. Hartmut Krüger beklagte eine „Überregulierung der EU“, Hermann Meyer (UWG) behauptete, die Waldbesitzer seien gegen die Ausweisungen, und Tobias Kemper (FDP) sah die Rechte von Jägern, Anglern und Eigentümern eingeschränkt.

Die Planungen werden nun öffentlich ausgelegt. Im September entscheidet der Kreistag.

Vorlage

Derweil wird ein Programm zur Förderung von Wildblumenwiesen im Emsland sehr gut angenommen. Nach Angaben der Kreisverwaltung haben sich so viele Grundstücksbesitzer gemeldet, dass 2018 emslandweit zwölf Hektar neue Blumenwiesen angelegt werden.


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