Hummelprojekt gestartet Pelzige Untermieter in der Harener Martinus-Oberschule

Von Tobias Böckermann


Haren. In die Martinus-Oberschule sind für ein paar Wochen pelzige Untermieter eingezogen: Ein Volk der Dunklen Erdhummel ist als Teil eines Forschungs- und Schulprojektes der Uni Oldenburg zu Gast und dient dabei Forschung und Unterricht.

40 bis 50 Hummeln hat Freya Diekena, Studentin an der Uni Oldenburg, bei hochsommerlichen Temperaturen in einem Nistkasten im Garten der Oberschule aufgestellt. Den ersten vorsichtigen Ausflug der Insekten beobachteten Schüler der 7. Klasse von Sybille Giest, die an der Oberschule den Fachbereich Naturwissenschaften leitet. Außerdem nahm Björn Wicks vom Verein Imme Bourtanger Moor die Neuankömmlinge in Augenschein und beantwortete viele Fragen der Siebtklässler.

Denn wer weiß schon genau, ob Hummeln wirklich stechen können („das können die Weibchen, aber bestenfalls, wenn man sie bedrängt“), ob sie noch dicker werden („eventuell, je nach Aufgabe“) oder wie lange die Tiere leben („zwischen zwei und drei Wochen bei den Sammlerinnen und einem Jahr bei der Königin“).

Ausreichend Neugier war also vorhanden bei den Schulkindern und genau das will sich ein deutsch-niederländisches Kooperationsprojekt zunutze machen, in dessen Rahmen die sozial lebenden Insekten an 15 Schulen und ähnlichen Einrichtungen verteilt wurden. Auslöser war das allseits zu beobachtende Bienen- und Insektensterben.

Das Kooperationsprojekt heißt B-R(H)APSODIE und verfolgt das Ziel, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit rund um Bienen und Biodiversität zu verstärken und die Öffentlichkeit für die Bedrohung der Bestäuber zu sensibilisieren. Zu den deutschen Teilnehmern gehören die Uni Oldenburg mit ihrem Botanischen Garten und der Harener Förderverein Imme Bourtanger Moor. Gefördert wird das Vorhaben von dem Programm INTERREG Deutschland-Nederland der Europäischen Union.

Für biologische Vielfalt

„In unserer Kulturlandschaft spielen Honig- und Wildbienen eine wichtige Rolle“, erklärt Professor Dirk Albach, Leiter des Botanischen Gartens der Universität. „Indem sie Pflanzen bestäuben, sichern sie unsere Versorgung mit Obst und Gemüse und tragen maßgeblich zur biologischen Vielfalt bei.

Der Titel B-R(H)APSODIE verrät bereits viel über das Projekt: Das „B“ klingt in seiner englischen Aussprache wie „bee“ – das englische Wort für Biene. Die Rhapsodie als musikalische Gattung zeichnet sich durch abwechslungsreiche Themen aus – ebenso wie das Projekt, das mit vielen Aktivitäten Menschen aller Altersstufen in der Ems-Dollart-Region (EDR) für den Schutz von Bienen begeistern will.

Die Uni Oldenburg hat nun Hummelvölker verteilt und die Schulkinder werden zu Nachwuchsforschern. So untersuchen sie zum Beispiel, bei welchem Wetter die Hummeln besonders aktiv sind oder welche Nahrungspflanzen sie besonders schätzen. Eine Lichtschranke zählt zudem die Zahl der Ein- und Ausflüge und die Daten werden später in eine Forschungsarbeit in Oldenburg einfließen.

Nach Ende des Projektes wird das Hummelvolk in den Botanischen Garten gebracht. Schulleiterin Renate Albers-Stahl und Lehrerin Sybille Giest hoffen, dass das Projekt nachhaltig wirken kann. Der Schulhof soll jedenfalls möglichst bald insektenfreundlicher werden.


Die Dunkle Erdhummel spielt nicht nur in der Natur eine wichtige Rolle. Sie dient seit etwa zwei Jahrzehnten auch in Gewächshäusern der Bestäubung von Tomaten- und Paprikapflanzen. Niederländische Forscher hatten erkannt, dass die Erträge der Pflanzen anstiegen, wenn sie von Hummeln bestäubt wurden. Es gelang ihnen, die Tiere künstlich nachzuzüchten. Heute werden in den Gewächshäusern jeweils vollständige Hummelnester ausgesetzt. Die europäischen Unternehmen, die in der künstlichen Hummelzucht aktiv sind, versenden jährlich mehr als eine Million Hummelnester weltweit.