Nach 179 Jahren neuer Inhaber Optik Jüngerhans in Haren heißt jetzt Hallmann

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Sie freuen sich auf die künftige Zusammenarbeit, v.l.: Sonja Marschand, Guido Pleye, Uwe Härtl, Kathrin Hempen und Margret Stiffel. Foto: Tobias BöckermannSie freuen sich auf die künftige Zusammenarbeit, v.l.: Sonja Marschand, Guido Pleye, Uwe Härtl, Kathrin Hempen und Margret Stiffel. Foto: Tobias Böckermann

Haren. Nach 179 Jahren ist die Firma Jüngerhans in Haren Geschichte. Inhaber Karl Jüngerhans hat seit Optikergeschäft überraschend verkauft.

Seit dieser Woche gehört es zur überregional agierenden Kette „Optik Hallmann“ aus Flensburg, die alle sechs Mitarbeiter übernommen hat. Künftig firmiert das Fachgeschäft für Optik und Akustik unter dem Namen „Optik Hallmann, ehemals Jüngerhans“. Geleitet wird es von Optikermeister Uwe Härtl, der schon zuvor in Haren beschäftigt war.

Guido Pleye, Vertriebsleiter Deutschland bei Optik Hallmann, betont, jede der insgesamt 48 Filialen in Deutschland und zwölf in Dänemark habe ihre Eigenständigkeit behalten, und das werde auch in Haren so bleiben. „Wir legen weiter Wert auf individuelle Beratung, deutsche Markenprodukte und auf die Erfahrung unserer Mitarbeiter aus Haren“, sagte er anlässlich der Neueröffnung.

Optik Hallmann ist 1995 von Andreas Hallmann gegründet worden. Er ist bis heute Inhaber des Unternehmens, das auch im Raum Cloppenburg bereits über Filialen verfügt.

„In Haren gibt es einen lebhaften und gesunden Einzelhandel“, sagte Vertriebsleiter Pleye. Deshalb freue man sich sehr, dass sich die Möglichkeit zum Kauf des Unternehmens Jüngerhans ergeben habe.

Mitarbeiter bleiben

Dass dies so kam, hat vermutlich einige Harener überrascht. Denn erst 2014 hatte Jüngerhans sein 175-jähriges Bestehen gefeiert und dürfte damit eines der ältesten Unternehmen im mittleren Emsland sein. Angefangen hatte die Erfolgsgeschichte 1839, als Joan Gerhard Jüngerhans mit einem Startkapital von 18 Talern ein Uhrmachergeschäft gründete. Es wurde stets an nachfolgende Generationen weitergegeben und Mitte des 20. Jahrhunderts auf Augenoptik und Hörgeräte umgestellt.

Nun also hat der heutige Besitzer Karl Jüngerhans sein Unternehmen verkauft. Auf Nachfrage teilte er mit, es gebe dafür keine gesundheitlichen oder ähnliche Gründe.

Stattdessen gebe es eine ganze Reihe von Umständen, die zu seiner Entscheidung geführt hätten. „Hauptsächlich hatte ich die Nerven nicht mehr“, sagt er. „Ich war nicht selbstständig, sondern abhängig von Ämtern, Behörden oder Krankenkassen.“

Gelegenheit genutzt

Er habe in den letzten Jahrzehnten die Arbeit von eineinhalb bis zwei Menschen gemacht, „zeitlich und mental.“ Deshalb habe er die Gelegenheit zum Verkauf nun genutzt. Dabei musste er bis Mitte März „alles strikt geheim halten“, weshalb nun für alle Kunden, Freunde, Verwandte und Kollegen ein für sie überraschender Einschnitt komme. „Ich glaube aber, dass nach kurzer Eingewöhnungszeit alle so fröhlich weitermachen werden wie bisher.“

Jüngerhans nennt Beispiele für äußere Umstände, die seine Freude an der Selbstständigkeit getrübt hätten. Dazu gehörten etwa unsinnige und inzwischen wieder abgeschaffte Zertifizierungen. Und das neue Gesetz zur Stärkung der Heil- und Hilfsmittelversorgung HHVG sei eine „mittlere Katastrophe und nach Meinung der meisten Fachleute verfassungswidrig, zumindest aber ein Verstoß gegen den Datenschutz und das Recht auf informationelle Selbstbestimmung.“

„Bis zur Klärung durch eine Verfassungsklage müsste ich alle gezahlten Eingenanteile meiner Kunden an die Krankenkassen melden“, beklagt Jüngerhans. „Ich habe dazu sogar die Bundesdatenschutzbeauftragte Andrea Voßhoff angesprochen. Aber die Berliner Mühlen mahlen ja noch langsamer als irgendwo sonst.“

Auch die neue Europäische Datenschutzgrundverordnung würde auf jeden Fall wieder zeitraubend, teuer, arbeitsintensiv werden, fürchtet Jüngerhans. Deshalb sei der Verkauf des Geschäftes für ihn der richtige Schritt gewesen, sagt er.


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