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Verbindung zu Martin Heuberger Hans Paust: „Es war wichtig, dass der Verein die Notbremse gezogen hat“

<em>Ein Handballverrückter:</em> Hans Paust widerspricht erst gar nicht, wenn man ihn so betitelt. Foto: Werner ScholzEin Handballverrückter: Hans Paust widerspricht erst gar nicht, wenn man ihn so betitelt. Foto: Werner Scholz

Haren. „Handball ist mein Hobby“, sagt Hans Paust von sich selber. Seit letzter Woche hilft der 63-Jährige bei seinem Ex-Verein TuS Haren aus, obwohl er unter anderem auch die Frauen des SV Dalum trainiert. In unserer Rubrik „Nachgehakt“ erklärt Paust, der in Meppen wohnt, wie er mit dieser Belastung umgeht und warum er keineswegs vom WM-Auftritt der deutschen Nationalmannschaft überrascht ist.

Herr Paust, am Samstag standen Sie bei den Frauen des SV Dalum an der Seitenlinie, während fast zeitgleich die Harener Männer spielten. Hand aufs Herz: Wie oft haben Sie an den TuS Haren gedacht?

Ich konnte das ausblenden. Sonst funktioniert das nicht. Ich musste mich ja mit dem Damen-Spiel beschäftigen.

Und nach dem Spielende? Glühten gleich die Drähte nach Haren?

Ja, Harens Betreuer Christoph Sträche hat mich gleich nach dem Spiel angerufen und mich informiert, wie und was gelaufen ist.

Zu welchem Schluss ist er gekommen? Warum gab es eine knappe Niederlage?

Weil ein paar Chancen durch Unkonzentriertheiten vergeben wurden. Im Hinspiel in Oldenburg hatte Haren beim Tabellenzweiten, der auf allen Positionen doppelt gut besetzt ist, haushoch verloren. Wir können ja nun nicht in zwei Trainingseinheiten alles wieder aufholen. Das geht nicht. Was wichtig war: Die Spieler waren richtig motiviert und haben gekämpft bis zum Schluss. Am Ende hat es nicht ganz gereicht. Und in der Verbandsliga geben Kleinigkeiten den Ausschlag, ob man gewinnt oder verliert. Christoph sagte, ein Unentschieden hätten sie verdient gehabt. Es war schon eine enorme Steigerung gegenüber der Vorwoche.

Können Sie kurz skizzieren, wie Sie die Mehrfachbelastung in Dalum und Haren meistern?

Dienstags leite ich das Training der männlichen C-Jugend. Deren Trainer Dominik Sowada ist auch Spieler der ersten Herren. Er bekommt vor dem Training einen Trainingsplan vor mir. Da wird Athletik- und Einzeltraining gemacht, also Individualtraining. Mittwochs trainiere ich normal, also gruppentaktische Dinge. In Kleingruppen, also zwei gegen zwei, drei gegen drei. Freitags trainieren wir mannschaftstaktische Dinge und bereiten uns auf den Gegner vor. Ich bin vorher von 18 bis 19.30 Uhr in Dalum. Und von 20 bis 21.30 Uhr trainiere ich dann in Haren.

Die Situation bei Harens Männern ist prekär. Welche Folgen hätte ein Abstieg aus der Verbandsliga?

Wichtig wird es sein, die Mannschaft wieder in Schuss zu bringen. Dass wieder ein Teamspirit da ist. Wenn der stimmt, dann bin ich auch nicht bange, dass irgendeiner wegläuft und den Verein wechselt. Das Potenzial ist da. Wenn Spieler weggehen würden, wäre es sehr schlecht, weil kein Unterbau da ist. Als Nächstes kommt die C-Jugend, aber das ist der jüngere Jahrgang. Deshalb war es wichtig, dass die Verantwortlichen die Notbremse gezogen haben. Damit es vorwärts geht.

Abschließend noch eine Frage zur derzeit laufenden Handball-WM. Sind Sie auch wie so viele andere vermeintliche Experten überrascht vom deutschen Team?

Nein, gar nicht. Den Bundestrainer Martin Heuberger habe ich schon ein paarmal persönlich getroffen und mit ihm gesprochen, weil ich in der deutschen Handballtrainervereinigung bin. Ich kenne seine Spielphilosophie. Er ist ja im Jugendbereich schon Welt- und Europameister geworden. Bei der Nationalmannschaft hat man natürlich keine Zeit, weil man so im Fokus steht. Aber der Mann macht richtig gute Arbeit und kann gut mit Spielern umgehen. Wenn man sich mit ihm unterhält, merkt man, dass er ein total begeisterter Mensch ist und einen sofort mitnimmt. Darum war ich nicht überrascht. Die spielen doch einen schönen, erfrischenden Handball. Jeder Spieler ist gefragt. Das war früher auch meine Philosophie: Ich brauche keinen Shooter, sondern ein gutes Spielkonzept, an dem alle beteiligt sind. Darum freue ich mich auch, dass Martin Heuberger jetzt solchen Erfolg hat.


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