TenneT bereitet Arbeiten vor Baustart für Erdkabeltrasse im Raum Haren

Meine Nachrichten

Um das Thema Haren Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Haren. Der Bau der 380-kV-Stromtrasse kommt voran. In Haren wird ein 3,1 Kilometer langes Teilstück als Erdkabel verlegt – es ist das erste seiner Art im Emsland.

Zahllose mehr als einen Meter hohe Sticken mit rot-weißem Flatterband beherrschen das Bild westlich der A 31 in Höhe Haren-Dankern. Bagger haben auf langer Strecke Mutterboden ausgehoben, schon im Winter hatten Forstarbeiter Tausende Quadratmeter Wald gerodet: die Vorarbeiten für den Bau einer Freilandleitung und eines Erdkabels sind in Haren unübersehbar. In einigen Jahren soll hier Windstrom von der Nordsee ins Rheinland fließen.

Bevor im Mai die Arbeiten für das eigentliche Ausheben des Profilgrabens beginnen, hat David Widmer alle Hände voll zu tun. Er ist Projektleiter beim Kabelnetzbetreiber TenneT, der den nördlichen Teil der 380-kV-Stromtrasse zwischen Dörpen und dem Niederrhein errichtet. TenneT hat für die Strecke von Dörpen bis nach Meppen 2017 die Baugenehmigung erhalten.

Für den Bereich ab Meppen liegt die Planfeststellung noch nicht vor, deshalb weiß Widmer auch noch nicht, wo genau sein Bauabschnitt auf jenen des Netzbetreibers Amprion treffen wird, der die Trasse bis zum Niederrhein weiterführen wird. Weil im Raum Dankern die gesetzlich vorgegebenen Abstände zwischen Freileitung und Wohnbebauung von 200 bis 400 Metern nicht eingehalten werden konnten, baut TenneT hier auf 3,1 Kilometern ein Erdkabel. Die Strecke gehört zu acht gleichartigen Pilotprojekten in Deutschland, die für die Übertragung von Drehstrom zumindest stellenweise Erdkabel vorsehen.

Pilotprojekt

Nicht zu verwechseln sei diese Trasse mit der Gleichstromverbindung A-Nord, die ebenfalls in Planung sei, sagt Inga Wilken, die bei TenneT für Öffentlichkeitsarbeit und Bürgerbeteiligung zuständig ist. Dieses Projekt wird ausschließlich als Erdkabel gebaut, ist aber in der Planung noch nicht so weit fortgeschritten.

Die 380-kV-Erdkabelstrecke zwischen Dankern und Haren-Segberg ist derweil weitgehend ausgemessen und abgesteckt. Stäbe mit Flatterbändern dienen auf der gesamten Trasse dazu, Brutvögel fernzuhalten. Das sei notwendig, sagt Projektleiter Widmer. „Denn wenn sich gerade jetzt ein seltener Vogel zum Brüten hier niederlassen würde, müssten wir die Bauarbeiten unterbrechen bis er fertig ist“. Die Flatterbänder sollen die Vögel dazu bewegen, auf andere Flächen auszuweichen. Die vorübergehenden Vergrämungsmaßnahmen lasse man wissenschaftlich begleiten und stimme sich eng mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Emsland ab, sagt Widmer

Altertümer und Vögel

Und es gibt weitere Vorbereitungen zu treffen. So werden seit Anfang April auf der Erdkabeltrasse auf Grundlage alter Luftbilder Kampfmittelsondierungen durchgeführt. „Wir rechnen nicht unbedingt damit, etwas zu finden“, sagt Widmer. Meistens entdecke man nur alte Fahrräder oder Leitplanken. Aber sicher ist sicher.

Schon seit einigen Tagen ist auch Melanie Müller auf der Trasse tätig. Die Archäologin vom Fachbüro „denkmal3D“ aus Vechta sucht nach wissenschaftlich bedeutsamen Siedlungsresten aus alten Zeiten. Die Bauarbeiter haben deshalb auf der geplanten Trasse in einem vier Meter breiten Bereich den Mutterboden abgezogen und Müller schaut sich danach den Untergrund an. „Man kann schnell erkennen, ob die Bodenschicht Funde beherbergen könnte. Wenn unveränderter Sandboden zum Vorschein kommt, könnte man auf alte Siedlungsstrukturen oder ähnliches treffen“, sagt sie.

Aber bisher stieß Müller nur auf Hinterlassenschaften der sogenannten Sandmischkultur: vor vielen Jahrzehnten hat sich hier der Mammut-Pflug der Firma Ottomeyer oder ein ähnliches Gefährt durch das einstige Moor gewühlt und Sand und Torf vermischt. Erst dadurch entstand ackerfähiger Boden. Altertümliche Funde könne man hier nicht mehr entdecken, bedauert Müller.

Infozentrum

Aber noch hat sie ihre Untersuchungen nicht abgeschlossen, gehen die Sondierungen auf etwa einem Drittel der Trasse weiter. Wenn ab Mai alle Voruntersuchungen abgeschlossen sind und nichts dazwischen kommt, werden die Kabelgräben abschnittsweise auf der gesamten Breite von etwa 45 Metern ausgehoben. Die einzelnen Erdschichten werden getrennt voneinander gelagert und später aus Rücksicht auf die Landwirtschaft wieder so eingebaut, wie sie ausgebaggert wurden.

Später wird ein neuartiges Informationszentrum in Dankern eröffnet, das über alle Schritte des Erdkabelbaus informieren soll. Anmeldungen sind auf der TenneT- Internetseite möglich. TenneT will zudem regelmäßig über das Bauvorhaben berichten.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN