Agentur bleibt bei ihrer Haltung 18-jähriger Harener Autist versauert zu Hause

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Der 18-jährige Daniel Müller hat einen großen Wunsch, er will wieder arbeiten. Foto: Hermann-Josef MammesDer 18-jährige Daniel Müller hat einen großen Wunsch, er will wieder arbeiten. Foto: Hermann-Josef Mammes

Haren. Der 18-jährige Autist Daniel Müller versteht die Welt nicht mehr. Zu gerne würde der Harener Jugendliche eine zweijährige Fachwerkerausbildung im Tischlerhandwerk in Surwold absolvieren. Die Bundesagentur für Arbeit pocht jedoch darauf, dass er das Christophorus-Werk in Lingen oder St.-Vitus-Werk in Meppen ab Sommer besuchen soll.

Dabei ignoriert die Agentur in ihrem jüngsten Schreiben vom 9. März 2018 sogar bisherige psychologische Gutachten und arbeitspädagogische Empfehlungen.

Mühlen der Bürokratie

Der 18-jährige Harener Autist gerät immer mehr zwischen die Mühlen der Bürokratie. Dabei schien bis zum Sommer 2017 alles in bester Ordnung. Ab Mitte 2015 besuchte Daniel die Johannesburg in Surwold. Dabei handelt es sich um eine katholische Einrichtung der Jugendhilfe. Der damals 15-Jährige begann nach seiner neunjährigen Schulzeit an der Förderschule Lernen in Haren mit der einjährigen Berufseinstiegsklasse. Es schloss sich eine einjährige berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme (BvB) an.

Beschluss des Gerichtes

Kostenträger wurde mit der zweiten Maßnahme die Agentur für Arbeit. Damit begann der Ärger. Daniel wurde weiterhin morgens um 7 Uhr vom VW Bus der Johannesburg von Zuhause in Haren-Emmeln abgeholt und abends um 17 Uhr zurückgebracht. Anfangs wollte die Agentur für Arbeit die beiden wöchentlichen Therapiestunden durch die Autismus-Therapie GmbH aus Meppen nicht bezahlen. Hierzu bedurfte es erst eines Beschlusses des Sozialgerichtes Osnabrück vom 13. Juli 2017.

Vertraute Arbeitsstelle

Daniel und seine engagierten Eltern Silvia und Werner Müller hofften, dass sich die zweijährige Fachwerkerausbildung in Surwold, in der vertrauten Atmosphäre, anschließen würde. Die Agentur für Arbeit spielte jedoch nicht mit und schlug stattdessen vor, Daniel sollte die Ausbildung im Christophorus-Werk in Lingen absolvieren. Falls er die tägliche Zugfahrt von Emmeln nach Lingen und zurück nicht alleine bewältigen könne, sollte er stationär untergebracht werden. „Bahnfahren kann unser Sohn nicht“, sagen die Eltern. Eine neue Wohn- und Arbeitsstätte mit einer stationären Unterbringung würde den Autisten nach ihrer Einschätzung komplett überfordern. Als Folge dieses Streits sitzt Daniel jetzt tatenlos Zuhause.

Psychologisches Gutachten

Neue Hoffnung schöpfen die Eltern aus einem psychologischen Gutachten (wir berichteten). Die Agentur für Arbeit selbst hatte das Gutachten bei einer Diplom-Psychologin in Auftrag gegeben. Die Untersuchung fand am 11. Januar 2018 in Nordhorn statt. Daniel sagte der Psychologin, dass es ihm „in der Johannesburg gut gefallen hat, und er dort gerne Holzarbeiten nachging“. Die Gutachterin kommt zu dem Ergebnis, dass sich Daniels „psychische Verfassung in den letzten Monaten verschlechtert hat“. Es sei ungünstig, dass er „keine psychotherapeutische Unterstützung“ mehr erhält. Für eine Ausbildung empfiehlt die Psychologin eine „engmaschige sozialpädagogische und psychotherapeutische Begleitung“. Sie geht auch auf den Vorschlag der Agentur für Arbeit ein, Daniel im Christophorus-Werk in Lingen ausbilden zu lassen: „Die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln sowie die Unterbringung in einem Internat wird Daniel aktuell sehr schwer fallen.“ Das Resümee der Psychologin ist eindeutig: „Veränderungen der Wohnsituation oder die Einübung der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel könnten sich hemmend auf einen Ausbildungserfolg auswirken.“

Unterkunft im Internat

In ihrem neuesten Schreiben interpretiert die Agentur für Arbeit die Expertise sehr eigenwillig: „Nach dem psychologischen Gutachten ist anzunehmen, dass sich Herr Müller aktuell noch in einer Stabilisierungsphase befindet und noch nicht ausbildungsreif ist. Aufgrund des vorliegenden Autismus werde eine auf das Störungsbild Autismus spezialisierte Einrichtung, das Christohorus-Werk in Lingen, gewählt.“ Das Schreiben der Agentur geht noch weiter: „Damit ein tägliches Pendeln zum Ausbildungsort vermieden wird, wird ausdrücklich eine internatsmäßige Unterbringung angeboten.“ Doch der Sachbearbeiter hat sogar noch einen Vorschlag in petto: „Sofern die Sorge besteht, die außerbetriebliche Ausbildung würde eine Überforderung darstellen, kann Daniel im St.-Vitus-Werk Meppen angemeldet werden.“

Keine Alternative

Das fünfseitige Schreiben der Agentur für Arbeit gipfelt mit der Feststellung: „Eine Ausbildung in der Johannesburg in Surwold stellt aktuell keine Alternative dar, da er derzeit nicht ausbildungsreif ist.“ Mit dieser Erkenntnis steht der Sachbearbeiter ziemlich alleine da. Zur Erinnerung: Der 18-jährige Autist besuchte zwei Jahre lang die Johannesburg in Surwold. Die Pädagogin der Einrichtung bescheinigte dem Jugendlichen bereits im Mai 2017: „Daniel entwickelt sich zurzeit sehr positiv. Sowohl schulisch als auch praktisch scheint eine Ausbildung zum Fachpraktiker für Holzverarbeitung ab September möglich.“

Daniel versauert

Dass sich die Agentur für Arbeit dieser Empfehlung nicht anschließt, hat für Daniel fatale Folgen. Der Jugendliche versauert Zuhause. „Er zieht sich immer mehr zurück“, sagen die Eltern. Nach einem Gespräch mit unserer Redaktion wird sich jetzt der Behindertenbeauftragte der Stadt Meppen, Walter Teckert, der Sache annehmen.


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