Landwirte stellen sich Diskussion Emmelner wehren sich gegen geplanten Stallbau

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Haren. Der seit vielen Jahren geplante Neubau eines Legehennenstalls ins Emmeln erhitzt die Gemüter. Eine Interessengemeinschaft hat Unterschriften gegen das Vorhaben gesammelt, an einem Infoabend trafen Bauherren und 150 Bürger aufeinander.

Den Abend hatte die Interessengemeinschaft um Andrea Evers und Sylvia Tembaak organisiert. Am Dienstag um 19 Uhr war der Saal Niemeyer voll. An einem Tisch ganz vorne saßen Jens, Christian und Stefanie Engelken neben Eckehard Niemann, Vertreter des Bündnisses „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“, und ebenso erklärter wie für seine Positionen bekannter Kritiker der „Agrarindustrie“.

Als Moderator führte mit Hermann Wolbers ein Emmelner durch den Abend – ihn hatten die Gegner des Stalls kurzfristig darum gebeten. Wolbers machte seine Sache gut – der Abend blieb auch dank seiner Moderation weitgehend ruhig und annähernd frei von persönlichen Angriffen.

Dennoch hatte die Familie Engelken einen schweren Stand. Das Ehepaar Jens und Stefanie Engelken stellte gemeinsam mit Jens´ Bruder Christian das Vorhaben vor. Am Ortsrand von Emmeln wollen sie einen Legehennenstall mit 52.000 Plätzen errichten, und zwar auf dem Grund und Boden von Engelkens Onkel Hermann. Bekannt ist das seit vielen Jahren.

Stammhof

Der zugehörige Hof ist der Stammhof der Familie Engelken und gehört Hermann Engelken. Seit Jahrzehnten betreibt Hermanns Bruder Wilhelm in Wesuwe-Wieresch einen eigenen Hof, der inzwischen von Jens und Stefanie Engelken übernommen wurde. Dort halten sie bereits 36.000 Freiland-Legehennen und wollen nun dafür sorgen, dass auch der Stammhof als eigenständiger Hof erhalten bleibt – durch den Bau eines weiteren Stalls.

Dazu allerdings gibt es eine lange Vorgeschichte, denn ursprünglich hatte dort ebenfalls eine Freilandhaltung entstehen sollen. Das aber hatte die Stadt Haren verwehrt – aus Rücksicht auf den Geflügelschlachthof Emsland Frischgeflügel, dessen Betrieb im Falle einer Geflügelseuche durch den Freilandbestand gefährdet werden könnte.

Deshalb habe man das Konzept seit dem ersten Antrag 2007 mehrfach geändert, sagte Jens Engelken. Am Ende und damit auch nach Gerichtsverfahren, sei nur ein geschlossenes System möglich gewesen und hier seien kleinere Ställe als die 52.000 beantragten Plätze nicht wirtschaftlich. Man arbeite aber an einem Vermarktungskonzept, das mehr Tierwohl und weniger Tiere pro Quadratmeter vorsehe. Für die Emissionen von Feinstaub, Ammoniak und Geruchsstoffen gebe es gesetzliche Vorgaben, die eingehalten würden und auch für die Nährstoffe ein tragfähiges Konzept.

„Massiv überlastet„

Das alles wollte Eckehard Niemann – in freier Rede – nicht gelten lassen. Das Emsland sei mit Geflügel massiv überlastet, sagte er, der Schutz des Schlachthofes tatsächlich ein hohes Gut. Niemann zog das von der Familie Engelken vorgelegte Emissionsgutachten in Zweifel. „Diese Gutachten müssen immer vorgelegt werden und fast immer stimmen sie nicht, vor allem, weil sie vom Investor bezahlt werden“, behauptete Niemann.

Er riet den Emmelnern, ein Gegengutachten einzuholen und zweifelte die Fachkompetenz des Landkreises Emsland als Baubewilligungsbehörde an. Auch die Gefahr durch multiresistente Keime aus der Tierhaltung werde nicht genügend beachtet und die vorgesehene Brandschutzvorsorge sei mangelhaft.

Niemann zweifelte an, dass der Stall eine Chance auf Realisierung habe, vor allem deshalb, weil er nicht als privilegiertes Bauvorhaben eines Landwirts gelten könne. Dazu wäre es notwendig, dass 50 Prozent des eingesetzten Futters von eigenen Flächen gewonnen werden könnten. Das ist im Fall Engelken nicht der Fall. Allerdings gelten die von Niemann genannten Grenzen erst seit 2013, der Antrag für den Stall sei aber viel früher gestellt worden, sagte Christian Engelken. Deshalb gälten hier die alten Vorgaben.

„Spenden sammeln“

Dennoch war sich Eckehard Niemann sicher, dass die Emmelner erfolgreich werden gegen den Stall klagen können. Er empfahl, Druck auf die Stadt Haren auszuüben, damit sie dem Bau nicht zustimmt und warb für Geldspenden, die der Interessengemeinschaft die Bezahlung von Anwälten und Gutachten ermöglichen sollten.

Auf dieser Grundlage ging die Diskussion leidenschaftlich hin und her, allerdings ohne eine konkrete Annäherung der Positionen und verbunden mit vereinzelten Warnungen, das Miteinander in Emmeln werde durch den Stall dauerhaft gestört. Viele Emmelner sehen nicht ein, dass ausgerechnet bei Ihnen ein weiterer Stall entstehen soll und fürchten Beeinträchtigungen durch Staub, Keime und Geruch. Einige schlugen vor, das Land lieber als Bauland auszuweisen. Bis zum 22. März wollen sie sich mit Einwänden und Gutachten ins Verfahren einschalten.

Deutlich wurde aber auch: es ging um mehr, als um einen einzelnen Stall, nämlich auch um die Ausrichtung der Landwirtschaft selbst. Denn auch Landwirte ergriffen das Wort für ihren Berufsstand. Und Landwirtschaftsschüler Matthias Hunfeld aus Börger forderte die Anwesenden auf, über ihre Einkaufsgewohnheiten nachzudenken und nicht immer nur das Billigste zu kaufen. „Dann bräuchten wir so große Ställe nicht.“


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