Weniger Dünger, gleicher Ertrag Wie ein Harener Landwirt seine Nährstoffe verplant

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Haren. Noch ist es für die Feldbestellung zu kalt, aber die emsländischen Landwirte sind derzeit dennoch nicht untätig: die Düngung der Äcker muss vorbereitet und vor allem genau durchdacht werden. Dabei gilt es, eine Überdüngung zu vermeiden. Wie das trotz hoher Nährstoffmengen funktionieren kann, darüber hat sich Jens Engelken in Haren-Wesuwe Gedanken gemacht.

Der Engelken-Hof liegt ganz in der Nähe der Autobahn – neben einer Biogasanlage, 172 Hektar Ackerbau und Grünland und einem Rindermaststall betreibt die Familie auch einen Legehennenstall und mit der Wierescher Eierhütte eine Direktvermarktung. Der Kontakt zur Bevölkerung ist dabei häufig mehr als nur der Kontakt zu Kunden – viele wollten wissen, wie es weitergehe mit der Landwirtschaft, die im Emsland vor allem wegen der hohen Tierzahl und der damit verbundenen enormen Düngermenge kritisiert werde, sagt Jens Engelken. Er hat den Hof vor einigen Jahren von seinem Vater übernommen.

Ein Zuviel an Dünger – ausgebracht auf die Äcker – ist ein Problem. Denn das, was die Pflanzen nicht aufnehmen können, landet unter Umständen im Grundwasser und gefährdet langfristig dessen Trinkbarkeit. Biologen sehen auch die Artenvielfalt gefährdet, weil zu viel Dünger in die Landschaft gelangt und Pflanzen und Tiere, die auf magere Böden angewiesen sind, verdrängt.

Langfristiger Plan

Auch deshalb, aber auch um die Wirtschaftlichkeit des eigenen Betriebes zu verbessern, hat der Hof Engelken schon vor mehr als zwei Jahrzehnten nach eigenen Angaben damit begonnen, sein Düngemanagement kontinuierlich zu verbessern. Denn klar sei auch, „dass ohne Dünger nichts wachsen würde auf unseren Äckern“, sagt Engelken. Gülle, Festmist oder Gärreste aus Biogasanlagen seien also kein Abfall, sondern im Wortsinn lebenswichtige Bestandteile des Nahrungskreislaufs.

Es gelte deshalb, den richtigen Weg zu finden zwischen wirtschaftlich notwendiger Düngung, dem möglichen Spitzenertrag einer Fläche und den nicht erwünschten negativen Auswirkungen auf die Umwelt. Wie das aus seiner Sicht gelingen kann, hat der 37 Jahre alte Agraringenieur in seinem „Concept-N“ ausgearbeitet. N ist das chemische Symbol für Stickstoff, also einen der wichtigsten Nährstoffe. Für dessen Ausbringung gibt es genaue Vorgaben, die mit der neuen Dünge-Verordnung noch verschärft worden sind.

Vereinfacht dargestellt waren bislang 170 bis 210 Kilogramm Stickstoff pro Hektar und Jahr erlaubt, diese Menge wird nun auf 170 kg begrenzt. Engelken kommt mit durchschnittlich 140 Kilogramm je Hektar Mais aus.

Concept N

Seit vielen Jahren gehe das Konzept auf, sagt Jens Engelken. Besonders wichtig sei eine genaue Düngeplanung. So gebe er einen Teil des entstehenden Wirtschaftsdüngers (also Gärreste aus der Biogasanlage, Gülle und Hühnertrockenkot) neben der Ausbringung auf die eigenen Flächen auch an benachbarte Betriebe ohne Tierhaltung ab. Der Trockenkot wird zudem in Ackerbauregionen ohne Tierhaltung gebracht und die Mengen genau bilanziert. Außerdem tauscht Engelken die Ackerflächen regelmäßig mit anderen Landwirten, damit eine abwechslungsreiche Fruchtfolge eingehalten und die Düngung an den Verbrauch durch die verschiedenen Kulturen angepasst werden kann.

Neben dieser für beide Seiten gewinnbringenden Verbringung des Düngers setze man schon seit 1994 auf die Grasuntersaat im Mais, bei der im Maisbestand nachträglich Gras untergesät wird. „Dieses Gras nimmt eventuell anfallende überschüssige Nährstoffe auf und steht später für die Humusbildung zur Verfügung“, erklärt der Landwirt. Die Bearbeitung der Äcker möglichst ohne Pflug sorgt dafür, dass weniger Humus verweht und mehr Kohlenstoff im Boden verbleibt. Außerdem sinken Erosion und Wasserverdunstung.

Die Ausbringung der Gärreste mit Schleppschläuchen verhindert Stickstoffverluste in die Atmosphäre, ein sogenannter Nitrifikationshemmer sorgt dafür, dass die Gärreste langsam und gleichmäßig im Boden abgebaut und den Pflanzen fortlaufend zur Verfügung gestellt werden. Das spart eine Nachdüngung im Sommer ein. Die Zwischenfruchtaussaat nach der Ernte schützt und stärkt den Humusanteil im Boden.

Auszeichnung

Und auch die sogenannte Unterfußdüngung hat Engelken geändert und durch eine Saatbanddüngung ersetzt. Beim Legen des Maiskorns im Frühling bringen die Landwirte bislang etwa fünf Zentimeter unterhalb des Maiskorns Kunstdünger ein. Die Pflanze keimt, die Wurzeln wachsen bis zum Dünger und die Pflanze hat einen guten Start. „Bei der Saatbanddüngung liegt der Dünger stattdessen als Granulat direkt am Maiskorn. Diese Technik verringert die Dünger-Aufwandmenge von 100 auf 20 Kilogramm Stickstoff je Hektar. Für diese Düngetechnik hat der Hof Engelken eigene Sämaschinen entwickelt, die inzwischen auch von anderen Lohnunternehmern übernommen wurden.

„Wir haben viele dieser Techniken natürlich nicht selbst oder sie neu erfunden“, sagt Engelken. Aber die Kombination aller genannten Bestandteile bringe letztlich den Erfolg und zwar als Ertrag auf dem Acker und für die Umwelt, da das Grundwasser nicht belastet werde.

Zertifizierte Bodenproben weisen demnach nach, dass auf den Ackerflächen die Stickstoff- und Phosphatgrenzwerte weit unterboten werden. „Und das bei nahezu gleichbleibendem Ertrag“. Eine Lösung für alle Betriebe und Regionen sei das vielleicht nicht, gibt Engelken zu. Denn es ergäben sich Kosten von rund 200 Euro je Hektar unter anderem für Technik und Planung – die im Fall Engelken zum Teil von der öffentlichen Hand getragen werden, weil einige Flächen im Grundwassereinzugsgebiet liegen.

Dennoch hätten andere Betriebe einen Teil der beschriebenen Verfahren übernommen, sagt Engelken. Und die Stadt Haren fand das „ Concept N “ sogar preiswürdig und hat es mit dem Klimaschutzpreis 2018 ausgezeichnet.


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