Tennet bereitet Trasse vor Erste Abholzungen für 380-kV-Stromleitung in Haren

Von Tobias Böckermann


Haren. Ende 2017 ist in Dersum im nördlichen Emsland der Startschuss für den Bau der 380-kV-Leitung gefallen. Inzwischen sind auch in Haren deutliche Auswirkungen spürbar: Unter anderem weil zwischen Dankern und Segberg ein Teilstück als Erdkabel gebaut wird, sind Bäume gefällt worden.

Mit der Leitung soll Windstrom von der Nordseeküste ins Binnenland transportiert werden. Die Stromtrasse wird von zwei Betreibern geplant: Von Dörpen-West bis Meppen ist Tennet zuständig, von Meppen bis zum Niederrhein der Netzbetreiber Amprion. Für das etwa 30 Kilometer lange nördliche Teilstück hatte Tennet Mitte 2017 die Baufreigabe erhalten, der Spatenstich erfolgte am Nikolaustag.

Und während der allergrößte Teil der Strecke oberirdisch als Freileitung errichtet wird, baut Tennet in Haren erstmals innerhalb einer solchen Freileitung auch einen Abschnitt als sogenanntes Drehstrom-Erdkabel. Die Stromleitung wird auf 3,1 Kilometern Länge unterirdisch in einem sogenannten Kabelgraben verlegt – Grund ist ein nahe gelegenes Wohngebiet.

Damit wird nach Tennet-Angaben in Niedersachsen die erste Erdkabelbaustelle dieser Art eingerichtet, weshalb man Mitte des Jahres dort auch ein Infozentrum errichtet werde. Es soll vom Beginn der Tiefbauarbeiten im Mai bis September geöffnet sein und Besuchergruppen, Eigentümer und alle Nutzungsberechtigte der beanspruchten Flächen ansprechen.

Inga Wilken, Referentin für Bürgerbeteiligung bei Tennet, bestätigte auf Anfrage die „Ausholzungsarbeiten“. Diese dienten der Bauvorbereitung und müssten bis zum Beginn der Brutperiode abgeschlossen sein. „Die Eigentümer der Grundstücke wurden von uns informiert“, sagte Wilken. Zusätzlich habe Tennet im Rahmen der Bürgerinformationsveranstaltung im Januar in Lathen darüber informiert.

Maximal 75 Meter breit

Wilken erklärte, auf mehreren Flächen von unterschiedlicher Größe in Haren seien Rodungsarbeiten durchgeführt worden. Die Größe dieser Fläche sei abhängig von der Breite des Kabelgrabens an den betroffenen Stellen. In dem Bereich direkt vor der geplanten Kabelübergangsanlage in Dankern habe er eine Breite von etwa 60 Metern. Gerodet werde hier auf einer Breite von etwa 75 Metern, da vor Ort eine Zuwegung gebaut werde.

Als Standard für die Breite des Kabelgrabens im weiteren Verlauf sei in der Bauphase aber nur eine Breite von 45 Metern vorgesehen. Der spätere Schutzbereich, der nach dem Verlegen der Kabel wieder mit Erde bedeckt werde, müsse von tiefwurzelnden Gehölzen freigehalten werden, da die Erdkabel in einer Tiefe von 1,60 Metern verlegt werden und durch tiefwurzelnde Gehölze Schaden nehmen könnten. Dieser Schutzbereich werde 25 Meter breit sein. Nach Fertigstellung der Kabelverlegearbeiten werde die natürliche Bodenfunktion so weit wie möglich wiederhergestellt. Nach erfolgter Rekultivierung, die auf Ackerflächen aus einer Ansaatbegrünung bestehe, könne die ursprüngliche landwirtschaftliche Nutzung wieder aufgenommen werden. Die Landbesitzer erhalten eine vorab mit dem Landvolk vereinbarte Entschädigung.

Im Zuge der bauvorbereitenden Maßnahmen zur Gründung eines Mastfundaments sind nach Wilkens zudem entlang des Freileitungsabschnitts an der Wierescher Straße Rodungsarbeiten durchgeführt worden.


Der Streckenabschnitt des aktuell beginnenden Bauabschnittes hat eine Länge von etwa 31,3 km und verläuft in Nord-Süd-Richtung durch den Landkreis Emsland, beginnend in der Samtgemeinde Dörpen durch das Gebiet der Samtgemeinde Lathen und der Stadt Haren (Ems), und endet im Stadtgebiet Meppen. Sobald die gesamte Leitung, die sich über etwa 171 Kilometer in Bauabschnitten in Niedersachsen (insgesamt 87 Kilometer) und Nordrhein-Westfalen gliedert, fertiggestellt ist (2021), soll dies zu einer deutlichen Verbesserung der Transportkapazitäten im Nordwesten Niedersachsens führen.