Interview mit Sonny Johns über CD-Projekt Rüt´n Rock Haren verbindet England und Ghana musikalisch

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Mit Gitarre und Xylophon: Sonny Johns (vorne) und Isaac Birituro (2. v. r.) starteten im Norden Ghanas die Aufnahmen zum Album „This is Kalba“. Foto: Rüt‘n‘RockMit Gitarre und Xylophon: Sonny Johns (vorne) und Isaac Birituro (2. v. r.) starteten im Norden Ghanas die Aufnahmen zum Album „This is Kalba“. Foto: Rüt‘n‘Rock

Haren. Mit dem Projekt „This is Kalba“ will der Harener Verein Rüt ‘n’ Rock den Bau einer Schule im Norden Ghanas ermöglichen. Geld dafür soll der Verkauf einer CD bringen, die einheimische Musiker zusammen mit dem britischen Singer-Songwriter und Produzenten Sonny Johns aufnehmen. Einzelheiten dazu schildert Johns im Interview mit unserer Redaktion.

Dem aus dem nordenglischen Huddersfield stammenden Sonny Johns brachte seine Tätigkeit als Produzent von Musikern aus Mittelamerika, Afrika und Europa bereits mehrere Nominierungen für den Grammy ein, die international höchste Auszeichnung für Musikkünstler und Aufnahmeteams. Durch eine zufällige Begegnung mit Tim Becker und Svenja Albers vom Verein Rüt ‘n’ Rock während einer Reise durch Zentralamerika erfuhr er von den Benefiz-Projekten der Harener in Ghana. Die Idee einer Zusammenarbeit wurde geboren (wir berichteten).

Sonny, Sie machen beim Projekt „This is Kalba“ mit. Was motiviert Sie dazu?

Ein Teil dessen zu sein, das Tim in Ghana macht. Tim ist nicht nur mitfühlend und möchte Menschen helfen, die weniger Möglichkeiten haben, sondern beherrscht es auch, Emotionen mit rationalem Denken zu verbinden. Sein Wirken in Ghana basiert auf gegenseitigem Verstehen, Kooperation und der Idee, durch Zusammenarbeit Fortschritt zu erzielen. Dabei wollte ich mitmachen.

Wie hat sich die Idee zum Projekt entwickelt?

Ich habe Tim und Svenja in Guatemala kennengelernt, und wir haben uns schnell gut verstanden. Tim erzählte mir von Rüt ’n’ Rock, was mich beeindruckte. Wir sprachen über Musik und die Tatsache, dass ich mal Grundschullehrer war. Als wir uns ein paar Wochen später voneinander verabschiedeten, schlug ich vor, mit ihnen nach Ghana zu kommen und Musik aufzunehmen, um Geld für die Hilfsprojekte zu erlangen. Es war nur so eine Idee. Drei Monate später rief mich Tim an und sagte mir, er habe schon mit den Vorbereitungen begonnen.

Ihr Musikstil wird als „Folktronica“ bezeichnet. Was bedeutet das?

Folktronica ist grundsätzlich ein Mix aus Folk und Electronica – akustische Gitarre mit Drumcomputer. Es ist ein nicht sehr bekanntes Genre, das aber bis in die 1970er Jahre zurückreicht, zu Künstlern wie John Martyn. Wie er schreibe ich Musik, die im traditionellen britischen Folk wurzeln, Geschichten erzählend mit der Akustikgitarre. Aber ich mag auch andere Musikstile.

Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen britischer Folkmusik und traditionellen afrikanischen Klängen, die der Xylophonspieler Isaac Birituro darbietet?

Oh, jede Menge! Wahrscheinlich liegt es mir deshalb, Alben mit afrikanischer Musik aufzunehmen. Natürlich sehen die Instrumente anders aus und klingen anders, und ein großer Teil der afrikanischen Musik basiert auf Polyrhythmen, während in der westeuropäischen Musik die Melodik wesentlich ist. Aber wie so viele Musikstile weltweit gründet Isaacs Xylophon auf einer Fünfton-Skala. Seine Songs haben Abschnitte wie meine, er spielt Basslinien mit der einen Hand und Melodien mit der anderen, wie beim Gitarrenspiel, es gibt Drums, Gesang. Hauptsächlich ist es eine andere Art, die selbe Sache zu betrachten. Darin liegt die Schönheit der Musik. Ich kann Tausende von Meilen zu einer völlig anderen Kultur reisen und dennoch kommunizieren, ohne zu sprechen.

Ihre Tätigkeit als Musiker und Produzent hat Sie um die Welt geführt, in viele Länder, auch in Afrika. Waren Sie je zuvor in Ghana? Wenn ja, hatten Sie schon mit Musikern von dort gearbeitet?

Ich war nie zuvor in Ghana, aber in Senegal, und ich hatte mit Ghanaern, Maliern, Senegalesen, Gambiern, Nigerianern und Leuten aus Burkina Faso, Togo, Benin, Sudan, Sambia und Südafrika gearbeitet. Ich kannte Afrika über seine Musiker und deren Erfahrungen, hatte diesen Teil Afrikas aber nicht selbst erlebt. Als ich dorthin kam, fühlte es sich also gleichzeitig wie eine andere Welt und wie Zuhause an.

Erzählen Sie uns etwas von der Entstehung des Albums „This is Kalba“ in Ghana...

Isaac und ich trafen uns am Tag vor Beginn der Aufnahmen. Er kam mit seinem Vater Edmund und einem selbstgebauten Xylophon nach Kalba. Ich bat ihn zu spielen und griff mir bald meine Gitarre, um mit einzusteigen. Wir jammten eine Weile und erkannten, dass es funktionieren würde. Wegen eines Sturms gab es an dem Tag keinen Strom, sodass wir erst tags darauf mit den Aufnahmen beginnen konnten. Drei Tage lang machten wir einfach zusammen Musik. Isaac spielte eine Melodie und ich stieg ein – oder umgekehrt. Wir nahmen 15 verschiedene Tracks auf, von denen neun auf dem Album landen werden.

Sie und ihre Musikerkollegen nahmen die ersten Songs in einer Kirche auf, die als Studio genutzt wurde. Inwieweit beeinflusste diese Umgebung die Musik?

Das Gebäude selbst hat meine Musik eigentlich nicht beeinflusst. Es prägte den Sound wie jeder Raum, in dem man aufnimmt, aber der größte Einfluss für mich waren die Leute. In den Kirchenwänden sind Löcher, damit genügend Luft hineinkommt, also befanden wir uns praktisch draußen. Man hört, wie sich Leute unterhalten und mit dem Fahrrad zum Markt fahren, wie Ziegen meckern – kurz: das Leben um einen herum. Die Leute, die ich traf, und ihr Leben inspirierten mich zu den Songtexten.

Was fasziniert Sie am meisten, wenn Sie mit Leuten arbeiten, die Weltmusik spielen, also Musik, die sich vom Sound der westlichen Welt unterscheidet?

Es ist die Möglichkeit, anders zu handeln, um gleich gute oder sogar bessere Dinge zu schaffen. Im Westen und besonders in Großbritannien, aufgrund unserer besonderen Beziehung zu Amerika, betrachten wir die Welt aus einer sehr weißen, europäisch-philosophischen Perspektive. Das ist verständlich, aber die Welt ist größer. Manchmal vergessen wir, dass wir anders leben könnten. Manchmal muss man sich anderen Denkweisen über das Leben öffnen, auf die man selbst nicht gekommen wäre. Musik ist eine gute Art, diese Konversation zu starten.

Wann werden Sie wieder nach Ghana reisen, um das Album zu erweitern und abzuschließen?

Vorausgesetzt, dass wir das Geld aus dem Crowdfunding erzielen können, wollen wir im März, April noch einmal dorthin. Dann nehme ich die Musiker auf, die Isaac ergänzen möchte, sodass das Album eine Kombination aus unserem Schaffen wird. Anschließend mische ich es in Großbritannien ab, um es dann hoffentlich im August promoten und veröffentlichen zu können.


Das Crowdfunding zur Finanzierung der CD „This is Kalba“, deren Verkauf Geld für den Bau einer Schule bringen soll, läuft noch bis zum 1. März. Info dazu unter www.startnext.de/kalba, unter thisiskalba.com und auf der Facebook-Seite von Rüt’n’Rock.

Am Freitag, 2. Februar 2018, ab 20 Uhr spielt Sonny Johns gemeinsam mit Adam Beattie im Jugendzentrum Haren. Der Eintritt ist frei, Spenden für Kalba sind willkommen.

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