Ohne Bauchschmerzen in die Schule Familienberaterin in Haren hilft bei Angst und Lernblockaden

Von Matthias Engelken


Haren. Die Halbjahrszeugnisse sind verteilt, so mancher Schüler sieht seine Versetzung gefährdet. Eltern denken nun schnell an Nachhilfe für ihr Kind. Doch auch Lerncoaching kann helfen, wie ein Beispiel aus Haren zeigt.

„Manche Kinder wissen gar nicht, wie sie sich auf eine Klassenarbeit richtig vorbereiten sollen“, sagt Bente Wissmann. Die 43-Jährige erteilt in ihrer Praxis „das bunte Schaf“ in Haren Lerncoaching.

Im Gegensatz zur klassischen Nachhilfe setzt das Lerncoaching grundsätzlicher an. „Es geht um Faktoren, die Einfluss auf das Lernen haben: Konzentration, Selbstmanagement, Motivation und Lernstrategien“, erläutert die Harenerin. Sie bietet diese Unterstützung als Arbeitsgruppe mit drei bis fünf Kindern oder als Einzelberatung an.

Nachhaltigkeit im Sinn

„Lerncoaching setzt bei den Stärken der Kinder an. Wir finden gemeinsam heraus, an welchen Puzzleteilchen wir noch arbeiten müssen“, sagt die gelernte Erzieherin, die sich in mehreren Studiengängen zum Coach, zur Familienberaterin und schließlich speziell zum Lerncoach fortgebildet hat. Bei einigen Schülern helfe allein schon die Strukturierung der Abläufe, beispielsweise in der Mappenführung oder in geregelten Tagesabläufen, etwa durch festgelegte Zeiten für Hausaufgaben.

„Die Schüler lernen im Coaching das Lernen“, sagt Wissmann. Vor allem hat sie die Nachhaltigkeit im Sinn, denn die Kinder würden die erlernten Fähigkeiten auch auf andere Bereiche im Leben übertragen, sei es auf Vereinsaktivitäten oder später in der Ausbildung. „Die meisten meiner Klienten profitieren durch das Lerncoaching, da sie dadurch selbstbewusster und selbstständiger werden“, ist sich die Schifferstädterin sicher.

Schon kleine Kniffe helfen

Doch nicht nur Schüler betreut die Familienberaterin. „Zwischendrin suche ich auch das Gespräch mit den Eltern. Ich erkläre dann, was ich beobachtet habe und wie das Elternhaus Unterstützung bieten kann“, erläutert die Inhaberin von „das bunte Schaf“. Der Praxisname zeigt dabei das Ziel. „Vielmals wird vom schwarzen Schaf in der Familie gesprochen, ich möchte, das alle bunt sind“, hofft Wissmann.

Sie weiß: „Hemmnisse auf dem Weg zu Lernerfolgen und Freude an der Schule liegen nicht zuletzt in einer übersteigerten Erwartungshaltung der Eltern oder in inneren Überzeugungen des Schülers wie „Ich konnte Mathe noch nie gut“ oder „Französisch ist zu schwer für mich“. Genau hier setzt die Beraterin an. Manchmal, so sagt sie, könnten schon kleine Kniffe helfen, Prüfungsangst oder Lernblockaden abzubauen.

Kompromisse finden

Auch bei Konflikten in der Familie bietet sie Unterstützung, macht Paarberatung und hilft bei Beziehungsproblemen. „Viele Ehepartner kommen zu mir, wenn der Druck, der sie belastet, zu groß wird, um sie allein zu bewältigen.“ Wissmann schaut dann mit den Beteiligten auf die Abläufe in der Familie, spricht Konfliktpunkte an und sucht nach Lösungen.

Oft müssen dann Kompromisse gefunden werden. „Man kann nicht die perfekte Mutter, Ehefrau und Hausfrau sein und gleichzeitig Karriere im Beruf machen“, nennt sie ein Beispiel. Fehlende Zeiten schlügen sich dann aufs Familienleben nieder.

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Deshalb plädiert sie für einen strukturierten Tagesablauf, bei dem auch feste gemeinsame Zeiten eingeplant sind, die vor allem die Kinder mit ihren Eltern nutzen sollen – und alle die volle Aufmerksamkeit auf die Familie lenken. „Denn auch das trägt zum Wohlergehen der jungen Menschen bei“, sagt der Familiencoach und weiß, dass auch so manches schulische Problem behoben werden könnte.