Positive Erfahrungen Neue Aufgaben für Flüchtlingsbetreuer in Haren

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Julia Siebert und Erster Stadtrat Dieter Sturm (Bildmitte) berieten sich mit den ehrenamtlichen Flüchtlingshelfern Harens. Foto: Stadt HarenJulia Siebert und Erster Stadtrat Dieter Sturm (Bildmitte) berieten sich mit den ehrenamtlichen Flüchtlingshelfern Harens. Foto: Stadt Haren

Haren. Bei einem Treffen der Flüchtlingsbetreuer in der Stadt Haren hat die Leiterin der Beratungsstelle des Deutschen Kinderschutzbundes in Meppen, Julia Siebert, die Ehrenamtlichen in ihrer Arbeit bestärkt.

Trotz Enttäuschungen seien die überwiegenden Erfahrungen sicherlich positiv. Nach längerer intensiver Begleitung müsse nun der schrittweise Abschied in die Selbstständigkeit erfolgen, riet Siebert.

Erster Stadtrat Dieter Sturm stellte zunächst die aktuelle Situation dar. Die Anzahl der Leistungsbezieher im Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG) sei in der Stadt Haren zum Jahresende 2017 auf 159 Personen und damit auf das Niveau vom Januar 2016 gesunken. Sämtliche Flüchtlinge aus Syrien hätten inzwischen eine Entscheidung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge vorliegen, die Asylbewerber aus Afghanistan und dem Irak bildeten weiterhin im AsylbLG die größte Gruppe. Alle Flüchtlinge mit einer Aufenthaltsgestattung seien in Sprach- und Integrationskurse oder in Arbeit vermittelt worden. Eine zunehmende Zahl habe jedoch nur noch eine Duldung und werde auf die freiwillige Ausreise oder die Abschiebung vorbereitet.

Sturm dankte den ehrenamtlichen Flüchtlingsbetreuern sowie der städtischen Ansprechpartnerin Ljiljana Topalovic für ihre intensive, humanitäre Begleitung in den letzten zwei Jahren. Viele hätten von positiven Erlebnissen berichtet. „Mit den Erfahrungen der Flüchtlinge wissen wir unseren Wohlstand erst richtig zu schätzen“, so eine Ehrenamtliche. Einige Betreuer bemängelten die Unpünktlichkeit und Unzuverlässigkeit der Flüchtlinge, andere die enormen kulturellen Unterschiede insbesondere hinsichtlich der Rolle von Männern und Frauen. So würden in einigen Familien Geburtstage von Jungen und Männern gefeiert, die Ehrentage der Mädchen und Frauen dagegen nicht.

Siebert warb dafür um Nachsicht und Geduld. Über Jahrhunderte entstandene kulturelle und religiöse Ansichten seien nicht in wenigen Monaten aufzuheben. Es werde vielfach von den Flüchtlingen eine Entwicklung verlangt, für die man deutschen Kindern und Jugendlichen die Zeit bis zur Volljährigkeit und darüber hinaus einräume. Sie riet, freundschaftliche Verbindungen aufrecht zu erhalten, Diskussionen und Auseinandersetzungen nicht auszuweichen, gleichzeitig jedoch schrittweise loszulassen und die Flüchtlinge eigene Entscheidungen selbstständig treffen zu lassen. Eine vollständige Integration sei nicht zeitnah zu erwarten und werde vermutlich mehrere Generationen dauern.


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