Biologe informiert beim verein Imme Haren: Mehr Blühstreifen für Rebhühner und Bienen



Haren. Was haben Rebhühner und Bienen gemein? Diese Frage hat Werner Beeke, Biologe der Uni Göttingen, als Gastredner des Harener Vereins Imme Bourtanger Moor beantwortet. Vor allem aber zeigte er, wie Landwirte mit bestimmten Ansaaten dem annähernd ausgestorbenen Feldvogel helfen können.

Um 94 Prozent hat der Bestand des Rebhuhns in ganz Europa abgenommen, auch im Emsland ist es inzwischen so selten, dass eine Beobachtung zur Seltenheit geworden ist. Bejagt wird der Vogel hier schon lange nicht mehr, und das, obwohl früher niedersachsenweit 150000 Tiere pro Jahr zur Strecke gebracht werden konnten.

„Wer dem Rebhuhn und damit auch einigen anderen Tieren der Feldflur helfen will, muss seinen Lebensraum verbessern“, sagte der Biologe Werner Beeke im Rahmen der Mitgliederversammlung des Fördervereins Imme Bourtanger Moor in Haren. Dessen Vorstand hatte Beeke zum zweiten Mal ins Emsland eingeladen – 2016 hatte er gemeinsam mit dem Biologen Eckhard Gottschalk bei einer Feldbegehung in Haren-Lindloh erste Tipps für eine Lebensraumoptimierung gegeben ( wir berichteten). Nun erläuterte Beeke engagiert und kurzweilig, warum es sich lohnt, etwas für das Rebhuhn zu tun, und welche Rolle Landwirte dabei spielen. „Denn ohne sie werden wir keinen Erfolg haben“, sagte er und vermied Schuldzuweisungen in Richtung Landwirte.

Und das, obwohl er den Hauptgrund für den Rückgang des Rebhuhns in der Veränderung der Landschaft sieht, und die wird maßgeblich von den Landwirten gestaltet. „Aber die Bauern sind eingebunden in wirtschaftliche Zwänge und Vorgaben der EU-Agrarförderung. Und deshalb muss vor allem die Förderkulisse geändert werden.“

Keine Insekten

Den Rebhühnern fehle es an Insektennahrung in der Phase der Kükenaufzucht sowie an geeigneten Brutplätzen. Das liege an der intensiven Bewirtschaftung aller Standorte, dem Verschwinden von Feldrainen und der starken Düngung der Felder. „Die Vegetation steht heute so dicht, dass die Küken sie nicht mehr durchdringen können. Außerdem leben auf intensiv gedüngten Standorten weniger oder kaum Insekten“, sagte Beeke. Die Folge: Die Küken verhungern.

Hinzu komme massiver Prädationsdruck vor allem durch Säugetiere wie den Fuchs. „Sie fressen nicht nur die erwachsenen Rebhühner, sondern auch Gelege und Küken“, sagte der Biologe. Durch die Besenderung Dutzender Vögel im Raum Göttingen habe man Tausende Datensätze gewonnen. Und die zeigten deutlich, dass Rebhühner immer weniger Brutplätze fänden, die alte, eher schüttere Vegetation aufwiesen und gleichzeitig so weit von Feld- und Waldrändern entfernt seien, dass Fuchs, Marderhund oder Waschbär sie nicht so leicht finden könnten.

Streifen zu schmal

Aus diesem Grund seien schmale Blühstreifen an Ackerrändern ungeeignet – „sie sind wie eine Einladung an den Fuchs und für Rebhühner zu schmal.“ Besser sei eine Fläche von etwa einem Hektar Größe, von der in jedem Jahr die Hälfte neu mit geeigneter Blühpflanzenmischung angesät werde. „So haben die Küken im neuen Aufwuchs Deckung und Futter und die Alttiere im alten Aufwuchs geeignete Brutplätze.“

Drei bis sieben Prozent der Ackerfläche müsse man derart bepflanzen, damit es den Feldhühnern und vielen anderen Arten der Feldflur wieder besser gehen könne. „Aber dafür müssen die Bauern ausreichend bezahlt werden und muss die EU ihre Fördergrundlagen ändern“, sagte der Biologe. Daran arbeite man unter anderem an der Uni Göttingen. Mehr dazu ist nachzulesen unter www.rebhuhnschutzprojekt.de. Und die Ausgangsfrage: Was hat das Rebhuhn mit den Bienen zu tun? Ganz einfach, sagte Beeke. „Huhn und Biene profitieren gleichermaßen von den Blühstreifen. Sie teilen sich diesen Lebensraum in ansonsten ausgeräumter Feldflur.“


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