A-Nord kostet zwei Milliarden Trasse für Stromautobahn durchs Emsland vorgestellt

Den Aufbau eines Kabelgrabens für die Stromautobahn durch das Emsland stellte Amprion-Projektleiter Klaus Wewering vor. Foto: Tobias BöckermannDen Aufbau eines Kabelgrabens für die Stromautobahn durch das Emsland stellte Amprion-Projektleiter Klaus Wewering vor. Foto: Tobias Böckermann

Haren. Der Netzbetreiber Amprion hat in Haren die Vorzugstrasse für die Gleichstromverbindung A-Nord bekannt gegeben. Sie führt durch das gesamte Emsland.

Hintergrund der geplanten Stromautobahn ist die Energiewende: Sie erfordert große Transportkapazitäten vom windreichen Norden in die Mitte und den Süden Deutschlands. Über die Leitung können zwei Gigawatt Gleichstrom von Emden nach Osterath bei Düsseldorf und von dort weiter nach Philippsburg übertragen werden – das entspricht dem Bedarf einer Großstadt wie Köln.

Die Planungen für diese Trasse hatte Amprion vor einigen Jahren begonnen und mehrfach öffentlich über den Planungsstand informiert. Im Gegensatz zur im Bau befindlichen 380-kV-Freileitung, die an hohen Masten ebenfalls von Nord nach Süd durch das Emsland führt, wird „A-Nord“ aufgrund geänderter gesetzlicher Vorgaben wohl komplett als Erdkabel verlegt. Beide Trassen werden unabhängig voneinander von Amprion geplant. Allerdings sieht die Gesetzeslage vor, neue Stromtrassen mit anderen vorhandenen oder mit Infrastruktureinrichtungen wie Gasleitungen, Straßen oder Autobahnen zu bündeln. Gleichstrom kann im Gegensatz zu Wechselstrom verlustarm transportiert werden.

100 Veranstaltungen

An der Trassenführung hatte Amprion in den vergangenen Monaten intensiv gearbeitet und in 100 Veranstaltungen mit Bürgern und Trägern öffentlicher Belange besprochen. Nun hat das Unternehmen im Hotel Greive in Haren seine erarbeitete Vorzugsvariante vorgestellt. Diesen Korridor wird Amprion im März 2018 bei der Bundesnetzagentur beantragen. Das Unternehmen schlägt damit vor, in welchem, einen Kilometer breiten und circa 300 Kilometer langen Streifen es die 24 Meter breite Erdkabeltrasse später bauen möchte.

In den Antragsunterlagen wird Amprion nach Angaben von Projektleiter Klaus Wewering nicht nur den Vorzugskorridor, sondern auch alle in Frage kommenden Alternativen aufzeigen. „Diese sind aber aus verschiedenen Gründen nicht so geeignet wie die favorisierte.“ Zu der Planung können Träger öffentlicher Belange sowie Privatpersonen dann auf Antragskonferenzen Stellung nehmen.

Ins Detail

Als Ergebnis dieser Konferenzen legt die Bundesnetzagentur zunächst fest, welche Trassenkorridore von Amprion noch einmal im Detail zu untersuchen sind. „Wir bekommen eine Art Hausaufgabenheft, das abzuarbeiten ist“, sagte Wewering. Auf diese Untersuchung folgt schließlich die formelle, öffentliche Beteiligung, an deren Ende die Genehmigungsbehörde den finalen Korridor festlegt. Amprion rechnet im Jahr 2019 mit dem Beschluss. Danach wird in dem einen Kilometer breiten und nun festgelegten Korridor konkret geplant. Die Fertigstellung des zwei Milliarden Euro teuren Projekts ist für 2025 vorgesehen.

„Keine Vorentscheidung“

Eine Vorentscheidung sei durch die jetzige Wahl des Vorzugskorridors keinesfalls getroffen, hieß es in Haren. „Mit dem Vorzugskorridor schlagen wir die Strecke vor, die nach jetzigem Stand die raumordnerischen und umweltfachlichen Kriterien am ausgewogensten berücksichtigt“, sagte Wewering. „Zudem ist es auch der Weg, der sich unserer Meinung nach bautechnisch am besten umsetzen lässt“. Als maßgebliche Raumwiderstände gelten unter anderem Siedlungen, Gewerbe- und Naturschutzgebiete. Sie alle stehen einer Trasse im Wege und müssen in den meisten Fällen umgangen werden.

Deshalb ist der Wunsch vieler emsländischer Bürgermeister und des Landkreises, die Trasse komplett an der A31 zu verlegen, nicht in Gänze berücksichtigt worden. Der favorisierte Vorschlag sieht vor, dass das Erdkabel von Emden bis Sustrum weitgehend entlang der Grenze zu den Niederlanden verlaufen soll. Von dort verschwenkt sie in Richtung Ober- und Niederlangen , kreuzt bei Haren die A31 und führt dann bis etwa Dalum mit einigen Kilometern Abstand parallel zur A31, aber auf östlicher Seite. Danach kreuzt sie die Autobahn erneut und führt durch die Grafschaft Bentheim.

Nicht an der A31

Amprion schlägt für viele Abschnitte auch eine bevorzugte Alternativtrasse vor, die ab Emden nicht entlang der Grenze, sondern an der A31 entlangführen würde. Ab Bunde führt sie dann bis Sustrum mit Abstand entlang der Autobahn. Danach führte diese Trasse östlich der ersten durch das Emsland und verschwenkt deutlich später in die Grafschaft. Die ebenfalls untersuchten Alternativrouten im östlichen Emsland, also über den Hümmling, wurden vorerst als nicht vorzugswürdig verworfen.

Vor allem Gewerbe- und Naturschutzgebiete hätten vor allem zwischen Haren und Lingen eine Planung direkt an der Autobahn verhindert, sagte Wewering. Aber wo möglich, habe man sie an bestehende Trassen wie etwa Gasleitungen, angebunden, weil dort zum Beispiel für Kommunen ohnehin durch die bestehenden Strukturen Planungseinschränkungen bestünden.


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